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Veltener feiert 108. Geburtstag

Ein besonderer Geburtstag Veltener feiert 108. Geburtstag

Er wurde geboren, als Kaiser Wilhelm II Deutschland regierte. Er erlebte zwei Weltkriege und den Fall der Mauer. Am Freitag feierte der in Guben geborene und seit 1996 in Velten lebende Karl Bähr seinen 108. Geburtstag. Und ist damit nicht nur der älteste Bürger Velten, sondern auch Oberhavels. Wir gratulieren!

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Die Postbotin bringt dem Jubilar Karl Bähr einen Blumengruß.

Quelle: Foto: UG

Velten. Laut Aussage des Landkreissprechers Ronny Wappler feierte am Freitag im Caritas-Seniorenzentrum St. Elisabeth in Velten der vermutlich älteste Bürger Oberhavels und wohl auch älteste männliche Einwohner Brandenburgs seinen 108. Geburtstag. Nur wenigen Menschen ist es vergönnt diesen besonderen Geburtstag zu feiern. „Die Zeit ist ein Geschenk“, erklärte daher Mathias Gerwig, Heim- und Pflegedienstleiter des Seniorenheims. Und so ließ es sich auch Veltens Bürgermeisterin Ines Hübner nicht nehmen, zum Gratulieren vorbeizukommen.

Gemeinsam wurde ein Stück Geburtstagstorte gegessen. Karl Bähr, der noch mit über hundert Jahren alleine begeistert mit der Bahn nach Potsdam oder in seine Heimatstadt Guben gefahren ist, benötigte dabei die Hilfe seines Sohnes Ernst, der mit seiner Frau ebenfalls in Velten wohnt. Seit einem Schlaganfall 2014 ist der Jubilar, der erst seit fünf jahren im Seniorenzentrum lebt, an den Rollstuhl gefesselt. „Er schläft viel, ist aber gesund.“

So gesund, dass sich die Bürgermeisterin nach dem Rezept erkundigte, wie man in einem so hohen Alter noch derart faltenfrei sein könne. Sein Vater habe eben selten etwas schwer genommen, sei zufrieden und würde in sich ruhen, erklärte der 64-jährige Sohn. Und er trinke viel. Mit Ziegenmilch sei das Geburtstagskind, das 1908 geboren wurde, als noch Kaiser Wilhelm II Deutschland regierte, über die schlechten Jahre nach dem Ersten Weltkrieg gekommen.

Karl Bährs Vater verdiente als Bäcker, daher auch Bährs Liebe zu Brot und Kuchen, sein Geld. Die Mutter war in der Gubener Hutindustrie tätig. Nebenbei betrieb man eine Landwirtschaft. Als der Erste Weltkrieg begann, wurde Karl Bähr eingeschult, die Schule aber bald zum Lazarett umgenutzt. Bähr absolvierte eine Ausbildung bei der Bank in Guben, schloss sich der pazifistischen Wandervogelbewegung an. Zahlreiche Bilder zeugen von den Wanderungen. „Er fotografierte viel und gern.“ Da sein Bruder im Zweiten Weltkrieg gefallen war, konnte sich Bähr als Schreibkraft einer Polizeikommandantur über die Kriegswirren retten. Nur wenige Monate verbachte er anschließend in Litauischer Kriegsgefangenschaft.

Nach seiner Rückkehr nach Potsdam, heiratete er seine Frau Liesbeth, die als Witwe zwei Kinder mit in die Ehe brachte. 1951 wurde der gemeinsame Sohn Ernst geboren. Bis zur Wende arbeitete der Jubilar, der fünf Enkelkinder hat, als Büroangestellter bei der Akademie für Staat- und Rechtswissenschaft in Potsdam. Half bei der Freiwilligen Feuerwehr der Akademie. „Mein Vater war stets interessiert an historischen und politischen Dingen, war ein leidenschaftlicher Sammler“, verrät Bährs Sohn Ernst. Besonders Briefmarken hätten es ihm angetan.

Es gab keinen Tag, an dem sein Vater nicht gelesen habe, erinnert er sich. 1996 zog Karl Bähr in die Nähe seines Sohnes nach Velten. Fuhr Fahrrad, engagierte sich im Gubener Heimatbund und im Seniorenclub der Volkssolidarität in Potsdam. „Da war er der Hahn im Korb. Die Damen sind bis heute rührig, rufen an und erkundigen sich nach seinem Befinden“, weiß Schwiegertochter Christine Bähr.

Von Ulrike Gawande

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