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Oberhavel Vermächtnis fürs Gedächtnis
Lokales Oberhavel Vermächtnis fürs Gedächtnis
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00:28 01.06.2015
Familientradition und Lebenswerk: Karl-Heinz Zacke vorm „Waldhaus“ am Lehnitzsee in der Bernauer Straße in Oranienburg . Quelle: FOTO: Heike Bergt
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Oranienburg

23 Arbeitgeber habe er gehabt. Und auch sonst hielt das Leben für Karl-Heinz Zacke reichlich Höhen und Tiefen bereit: „Deshalb musste ich einfach alles aufschreiben.“ „Mein Vermächtnis für das Gedächtnis. 111 Erkenntnisse aus dem täglichen Erleben“ hat der Oranienburger seinen Lebenslauf genannt. Das Ungewöhnliche daran: Er hat ihn in Versform verfasst. Das sei für ihn ein Leichtes, so Zacke: „Wenn ich gut drauf bin, kann ich in Reimen reden.“

„Am 1. Oktober 1936 in Berlin geboren, hab ich die Eltern schon früh verloren. Mein Vater Paul Zacke, ein Dr. med., verstarb an Typhus im Krankenbett. Die Mutter von mir starb vorher daran, sie war eine Frau Wanda, geb. Eymann.“ Als Waise ab dem neunten Lebensjahr wuchs Zacke Junior bei Pflegeeltern in Klein-Mutz auf. Später lebte er in einem Heim in Westberlin. Dort war er unglücklich, schmiss die Oberschule, ging in die Landwirtschaftslehre nach Schleswig-Holstein, absolvierte ab 1952 eine Lehre als Melker. Und er war „wohl der erste professionelle Schachlehrer, den es in der Bundesrepublik gab“. Ob Runge AG oder Schachgruppe am Louise-Henriette-Gymnasium – alles hat er aufgebaut oder betreut. Immer wieder rebellierte er in seinem Leben oder begehrte auf gegen Ungerechtigkeiten oder Beamtentum: „Ich musste von Anfang an kämpfen. Es hat mich alles härter gemacht“, blickt er zurück.

„Das Leben spiegelt sich in meinem Gesicht. Die eine Hälfte ist schön und die andere nicht“, schreibt Karl-Heinz Zacke. 1945 verbrannte eine Phosphorgranate die Hälfte der Haut seines Gesichts. Viele Operationen musste er über sich ergehen lassen. Unterkriegen ließ er sich deshalb nicht. Jedem Lebensabschnitt hat er einige Verse gewidmet. „Nach meiner Ost-West-Flucht 1950 kam ich 2002 als West-Ost-Flüchtling nach Oranienburg.“ Zusammen mit seinem Sohn kaufte er den Familienbesitz des Arztes Zacke zurück: Das Haus in der Bernauer Straße 147, das 1988 verstaatlicht worden war. Im heutigen Waldhaus hatten zwischenzeitlich die Volkspolizei und eine Schneiderei ihr Domizil, es war Turnhalle der Waldschule und NVA-Casino.

„Wir haben in einem Urwald wieder angefangen“, erinnert sich Zacke. Das ist 13 Jahre her. Seitdem ist aus der alten Poststation Stück für Stück, Stein für Stein, Stunde für Stunde das „Waldhaus“ mit Gaststätte und Gästezimmern, mit Terrasse und Biergarten mit Blick auf den Lehnitzsee geworden. Karl-Heinz Zacke lebt seit 2007 mit seiner Frau mit im Haus, ebenso Sohn Wolf-Dieter Zacke mit Familie. „Das waren viele Jahre zwölf bis 14 Stunden Arbeit täglich, aber das macht uns alle stolz.“

Auch die benachbarte alte Villa, inzwischen eine Ruine, würde der 78-Jährige gern rekonstruiert sehen. Doch mit dem Abriss ginge das Baurecht verloren. Es ist eine Veränderung des Flächennutzungsplans erforderlich. Das will er erstreiten. Es sei ein Kampf seit Jahren gegen Behörden und Windmühlenflügel, empfindet er. „Wir würden gern mehr Fremdenzimmer anbieten“, denn das Waldhaus ist, abhängig von der Saison, gut gebucht. In diesem Jahr haben die Zackes erstmals auch den Biergarten verpachtet. Die Familie kann die Bedienung der vielen Besucher an Sommertagen kaum stemmen.

Auch mit 78 Lenzen hat Karl-Heinz Zacke noch viele Pläne. „Der liebe Gott holt mich erst, wenn oben ein Schachspiel aufgebaut ist“, sagt er. Nicht nur seine Biografie in Versform hat er verfasst, auch insgesamt 380 Sprüche über das Leben aufgeschrieben. Von A bis Z sortiert, will er sich demnächst veröffentlichen.“

Viele Themen berührt Zacke in seinen Lebenslauf in Versform und geht dabei mit so manchem Zeitgenossen hart ins Gericht: „Nicht jede Stirn verbirgt auch Hirn! Wie viel Politiker reden „Müll“? Besser wäre es, sie blieben still.“

Und sein Büchlein schließt mit den Worten: „Schaust du anderen bei der Arbeit zu, haben deine Hände Ruh. Aber glückliche Momente finden immer schnell ein Ende.“

Von Heike Bergt

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