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Oberhavel Vernarrt in Stühle
Lokales Oberhavel Vernarrt in Stühle
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17:03 13.02.2017
Norman Schwidder mit seinen Vintage-Stühlen. Damit habe er sein Hobby zum Beruf gemacht. Er könne von der Aufarbeitung gut leben. Quelle: Heike Bergt
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Oranienburg

Was da im Atelier neben der kleinen Werkstatt im Oranienwerk steht, stammt aus Salt Lake City, aus Ohio, Michigan und Chattanooga in Tennessee. Die Stühle sind rot, sandgelb, olivgrün, ockerfarben, mit und ohne Armlehne. Sie sind bequem, federn leicht und sind aus einem Guss, nur modern sind sie nicht. Aber groß in Mode: Die Stühle aus Glasfibermaterial, in die sich Norman Schwidder regelrecht verliebt hat. Einstige Massenware, Made in USA, die heute Kultstatus bei Sammlern, Designkennern und Kreativwirtschaftlern genießt. Vor zwei Jahren hat sich der Reinickendorfer, der nach verschiedenen Wohnstationen heute in der Bernauer Straße in Oranienburg zu Hause ist, mit der Aufarbeitung selbstständig gemacht – mit dem „Concept Modern“. Das verhilft jedem Stuhl zu einem zweiten Leben. Und dass er von Berlin nach Oranienburg gezogen ist, hat er nicht bereut. Im Gegenteil: „Es ist die positivste Stadt in Oberhavel.“

Auf den Stuhl gekommen war der 28-Jährige durch einen Vortrag innerhalb seiner Ausbildung: Das Thema, die Ideen und Projekte des amerikanischen Architekten- und Designerehepaares Charles und Ray Eames. 1948 entwickelten sie im Rahmen des Wettbewerbs „Low-cost Furniture“ für das Moma in New York dieses Möbelstück: Es bestach durch niedrige Herstellungskosten, war massenproduktionstauglich, wetterfest, langlebig. Und aus dem neuen Material Fiberglas. Dabei werden Fasermatten in Formen eingelegt, gefärbtes Harz wird dazu gegossen und das Ganze unter Hitze und Druck in Form gepresst. Fertig der Stuhlsitz.

„1950 gingen sie in die Produktion. Tausende, vielleicht Millionen wurden hergestellt. In allen Farben. Für Schulen, Unis, große Säle“, so der Oranienburger. Dort spürt sie Norman Schwidder auch wieder auf. Inzwischen meist aussortiert und auf dem Altenteil. In den Staaten war er bisher nur als Kind mit den Eltern, als junger Unternehmer noch nicht. Aber er ist bestens vernetzt. „Heute muss ich nicht mehr Nachfragen bei meinen Partnern, ich bekomme Angebote. Gestern Morgen zum Beispiel per Mail aus Michigan. „Ein Pfarrer wollte wissen, ob ich 30 Stück haben möchte.“ Entschieden hat er sich noch nicht.

Die Möbel, manche ramponiert, auf jeden Fall alles „vintage“, kommen über den großen Teich. In der Werkstatt arbeitet Norman Schwidder die Stühle auf, schleift und lackiert die Oberfläche, bringt sie wieder zum Strahlen, bringt neue „Schock Mounts“ an, die die Sitzfläche federn lassen und stellt sie wieder online. „Ich verkaufe nur Stühle komplett in Originalteilen.“ Die sind begehrt. Europaweit. Ob bei Start-up-Firmen, als Einzelstück bei Fotografen oder auch ganz normal am Esstisch. So, wie bei Norman Schwidder und seiner Freundin.

Anfangs hatte er die Design-Klassiker – ob Armchair, Sidechair oder Lounge Chair – selbst gesammelt, sie dann in der Werkstatt zu Hause aufgemöbelt, seit August letzten Jahres hat er nun die kleine 30-Quadratmer-Werkstatt im Oranienwerk bezogen und richtet sie gerade ein. Gestern wartete er auf die Lieferung der neuen Werkbank. Dort ist auch der Prototyp einer neuen Lampe mit Holzuntergestell entstanden und die Blumentöpfe „Mid Century Style“. Die Idee dazu stammt auch aus den USA.

Warum Norman Schwidder die Stühle so liebt? „Jeder hat seine eigene Geschichte. Der eine bei mir zu Hause stand früher in einem chicagoer Frisiersalon, ein anderer bei einem Professor.“ Die Geschichte ist ihnen auch anzusehen, mal sieht man, dass lange Wasserpfützen auf der Fläche gestanden haben muss. Aber wieder aufpoliert, finden alle ihre Liebhaber. „Ich liebe mein Geschäft, reinvestiere viel.“ Schwidder berät seine Kunden auch gern, fahndet für sie nach besonderen Exemplaren, kennt Gleichgesinnte der „Stuhlszene“ in Belgien und in den Niederlanden. Ich hätte nie gedacht, dass mich etwas mal so fasziniert“, gesteht der Jungunternehmer. Es ist wie in der Oldtimerbranche: „Die einen verkaufen sie nur, die anderen lieben sie.“

950 gingen die Stühle in den USA in die Massenproduktion.

Entwickelt haben sie das amerikanische Ehepaar Charles und Ray Eames.

Abhängig von Zustand, Farbe und Nachfrage kostet ein aufgearbeitetes Exemplar zwischen 250 und 5000 Euro.

Norman Schwidder hat sich mit der Aufarbeitung der Stühle aus farbigem Glasfiber mit Metallbeinen als „Concept Modern“ 2015 selbstständig gemacht.

Seit August 2016 hat er eine Werkstatt mit Atelier im Oranienwerk, Kremmener Straße 43.

Er bezieht 95 Prozent der Stühle aus den USA und verkauft sie aufgearbeitet in ganz Europa. Inzwischen baut er auch Holzgestelle für Blumentöpfe, die er vor allem in die USA verkauft.

Er liebt die Kundenberatung und fahndet auch gern nach Einzelstücken der Stühle in den USA.

Kontakt: 0172/2 98 47 65, info@conceptmodern.de

Von Heike Bergt

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