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07:32 19.09.2017
Im liebevoll dekorierten Wintergarten sitzt Ursel Degner gern und liest. Schon vor dem Frühstück hat die Lehrerin lange ins Buch geschaut. Quelle: Ulrike Gawande
Hennigsdorf

Heinrich IV von Navarra, der 1553 in den französischen Pyrenäen geboren wurde und 1610 in Paris gestorben ist, fasziniert Ursel Degner bis heute. „Er hat es geschafft, aus einer Seitenlinie heraus König zu werden und mit dem Edikt von Nantes beide Religionen gleichzustellen“, weiß die studierte Historikerin, die neben Krimis auch historische Romane verschlingt. Es ist Heinrichs humanistischer Gedanke, keine Religion auszugrenzen, der Degner, die für die Linken bei der Bürgermeisterwahl in Hennigsdorf antritt, an dem französischen König beeindruckt.

„Ich bin selber gar nicht religiös, achte aber an jeder Religion das Gute. So gelten die Gebote der Bibel bis jetzt.“ Für ein Referat hat sich Ursel Degner, die Deutsch und Geschichte auf Diplomlehramt studiert hat, im Studium mit den christlichen Geboten und den Moralvorstellungen des Sozialismus auseinandergesetzt und sie verglichen. „Sie waren nahezu gleich“, erinnert sich die 63-Jährige, die in Sachsen-Anhalt geboren wurde. Sie vermutet, dass es deutlich weniger Probleme gäbe, wenn die Gebote jeder beachten würde. Ein Grund, weshalb die Lehrerin auch zur Bürgermeisterwahl antritt: „Ich wollte ein demokratisches Zeichen setzen.“

Katerchen Klecks ist mit 14 Wochen der jüngste Bewohner im Hause Degner. Quelle: Ulrike Gawande

Auch in der Stadtverordnetenversammlung in Hennigsdorf, der sie seit 1993 angehört, sei das Engagement der Linken wichtig. „Die linke Kraft wird gebraucht. Es gehören viele Blickwinkel in die Stadtverordnetenversammlung. Andreas Schulz ist ein kluger Mensch und hat viel für Hennigsdorf erreicht. Aber andere auch.“ So sei es der Initiative der Linken zu verdanken, dass es eine Skaterbahn in der Stadt gebe, dass bedürftige Kinder preiswerter in Kita und Schule essen können und beim Kauf von Schulsachen unterstützt werden. Auch der Antrag, dass beim Straßenbau Bürger bei Bedarf mit einem zinslosen Kredit der Stadt unterstützt werden, stammt von Degner und ihrer Partei.

Und obwohl sie mit ihren Mann zur selben Partei gehört – 1990 ist Degner in die damalige PDS eingetreten – werde zuhause viel politisch diskutiert. „Eine Ehe funktioniert aber nur, wenn man in den Grundsätzen die gleiche Position hat.“ So werde vor allem über Kleinigkeiten und Details verhandelt. Auch bei der Gestaltung des Zuhauses. „Mein Mann ist der Techniker, ich bin der Schöngeist, aber wir kommen immer auf einen Nenner“, gibt die zweifache Mutter zu, deren erwachsene Kinder und Enkelkinder in Chile und Hamburg leben. Enkeltochter Maja ist bei den Großeltern in Hennigsdorf aufgewachsen.

Statt zur Bürgermeisterwahl anzutreten, wollte Ursel Degner eigentlich auf Reisen gehen, ihren Sohn in Chile besuchen und die Schönheit der Atacama-Wüste bei einer Jeeptour genießen. Nun aber setzt sie sich als Bürgermeisterkandidatin für mehr bezahlbaren Wohnraum in Hennigsdorf, für mehr Elektromobilität, eine Schulküche sowie ein vielfältigeres Spielplatzangebot ein. Dafür sei auch der Bürgerhaushalt ein sinnvolles Instrument, findet sie. Man brauche natürlich auch Gewerbe für die Stadt, aber wichtig sei, das zu erhalten, was man bis jetzt schon in Hennigsdorf habe, so Frühaufsteherin Degner, die vor dem Frühstück schon mal Krimis von Mankell, Elisabeth George oder Werke von Isabell Allende verschlingt. „Das Schwimmbad wird eine Herausforderung, es hätte schon vor vielen Jahren gebaut werden müssen.“ Denn es gebe zwar in der Stadt eine tolle Musikschule und Sportvereine. Aber an den Wochenenden sei zu wenig los. Degner wünscht sich mehr Engagement, vor allem in Hennigsdorf-Nord. „Der Stadtteil wird von der Stadt abgehängt“, stellt sie bedauernd fest. Man könne auch dort einmal eine Bühne bei der Fête de la Musique aufstellen, wünscht sich die Diplomlehrerin, die lange an der heutigen Fontaneschule und an der Torhorstschule in Oranienburg unterrichtet hat. Es sei toll zu sehen, wie sich Kinder entwickeln würden. Wie selbst aus „frechen“ Exemplaren vernünftige Erwachsene werden. Auf 98 Prozent schätzt Degner die Erfolgsquote. „Man muss sich ihnen widmen, ihnen vertrauen, ihnen aber auch Grenzen setzen.“

Dabei wollte die Hennigsdorferin eigentlich Hochseefunk-Ingenieurin werden. „Mein Onkel war Kapitän, war überall auf der Welt unterwegs.“ Doch für Frauen habe es kaum Berufe auf See gegeben, erzählt die ehemalige Amateurfunkerin. Und so wurde auch ihr Wunschstudiengang für Frauen gesperrt. Degner überlegte nicht lange und wurde Lehrerin. „Ich habe es niemals bereut, Lehrerin geworden zu sein. Es war der richtige Beruf.“

Von Ulrike Gawande

Britta Lohmann aus Velten hat eine Passion: Sie verwandelt mit ihren Schminkkünsten auf Kinderfesten Mädchen in kleine Schmetterlinge und Eisköniginnen, freche Jungs in Drachen und Piratenkapitäne. Und das alles gegen eine Spende und stets für einen guten Zweck. Hauptberuflich ist die gebürtige Berlinerin Verwaltungsleiterin bei der Caritas.

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