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Oberhavel Viele Fragen zur neuen Asylunterkunft
Lokales Oberhavel Viele Fragen zur neuen Asylunterkunft
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19:30 25.02.2016
Als „saumäßig organisiert“ bezeichnete dieser Herr den Abend – weil er anstehen musste. Quelle: Helge Treichel
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Hohen Neuendorf

2000 Asylbewerber sind im vergangenen Jahr im Landkreis Oberhavel angekommen. Bis dato wohnen lediglich zwei in den vier Hohen Neuendorfer Stadtteilen, sagte Landrat Ludger Weskamp (SPD). Aus diesem Grund werde 2016 und 2017 verstärkt auf die drittgrößte Oberhavel-Stadt geschaut, um die Menschen unterzubringen.

Was genau nahe dem Bahnhof Hohen Neuendorf-West geplant ist, das wollten am Mittwochabend rund 600 Einwohner aus erster Hand erfahren. Eine lange Schlange hatte sich am Einlass vor der Stadthalle gebildet, Parkplätze wurden im gesamten Umfeld knapp. Allein 200 direkte Anwohner hatten sich für die am Ende gut dreistündige Informationsveranstaltung angemeldet.

1835 neue Unterkunftsplätze sind geplant

Insgesamt 2768 Plätze würden derzeit im Landkreis vorgehalten, sage der für Asylbewerber und Flüchtlinge zuständige Sozialdezernent Matthias Rink. 1835 weitere Plätze seien geplant. 194 davon entfallen auf die in Modulbauweise vorgesehene Unterkunft an der Margeritenstraße in Borgsdorf, die ab 1. September dieses Jahres sukzessive bezogen werden soll. Bis zu 200 Plätze sollen in zweigeschossigen Häusern an der Friedrich-Naumann-Straße geschaffen werden (MAZ berichtete). Die Inbetriebnahme der Wohnungsverbünde in den Stadtvillen soll im dritten Quartal 2017 erfolgen, erläuterte Rink. Später werde daraus bezahlbarer Wohnraum. Kosten: fünf bis zehn Millionen Euro.

Im Podium (v.l.): Lars Borchardt, Klaus-Dieter Hartung, Ludger Weskamp und Matthias Rink. Harald Schmidt vom Schulamt fehlte wegen Krankheit. Quelle: Helge Treichel

Unruhe entstand im Saal, als Rink einen Lageplan zeigte – ohne Gebäude. Das zeige, dass die Planungen noch „in den Kinderschuhen“ steckten. Erst im November sei das Grundstück von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben für genau diese Zweckbestimmung angeboten worden. Unverzügliche Informationen und Transparenz hätten im Vordergrund gestanden. „Wir wollen Sie mitnehmen“, versicherte der Dezernent den Anwesenden. Und „weil wir Menschenverstand haben“ werde auch „kein großer Betonklotz“ entstehen, sondern Gebäude, die sich in das Umfeld einpassen. Einen Spielplatz werde es ebenso geben wie Fahrradstellplätze. Mit einem Zaun werde das Gelände eingefriedet. Es gebe einen Wachschutz rund um die Uhr sowie Sozialarbeiter und Betreuer. Zudem sei vorgesehen, dass die künftigen Bewohner der Unterkünfte Selbstversorger sind, selbst einkaufen und selbst kochen. Das Gerücht in Borgsdorf, wonach die dortige Schulküche in Beschlag genommen werde, „ist dummes Zeug“, sagte Rink.

Die Gäste äußerten Kritik an der Informationslage und an der Größe der Unterkunft. Sie hinterfragten Sicherheitskonzepte, wer kommen wird, Schul- und Kita-Kapazitäten, die Zuwegung – und wer eigentlich die Kosten des Straßenausbaus trägt.

Die Stadthalle war am Mittwochabend voll besetzt. Quelle: Helge Treichel

Der wiederkehrenden Annahme einer höhere Kriminalitätsbelastung widersprach der Landrat. Der Leiter der Polizeiinspektion Oberhavel, Lars Borchardt, belegte das mit Zahlen: 27 000 Einsätze gab es nach seinen Worten im Kreisgebiet im Jahr 2015, lediglich 150 davon in Flüchtlingsunterkünften. Und nicht jedes Mal habe eine Straftat vorgelegen. Meist ging es um Streitigkeiten um Küche, Dusche und TV-Programm. „Wir vertuschen nicht eine Straftat“, sagte Borchardt. Das zog ein Anwohner in Zweifel, der in Berlin für mehrere Filialen einer Supermarktkette verantwortlich ist. In der Nähe von Flüchtlingsheimen seien Diebstähle massiv angestiegen, was bei Inventuren auffiel. Die Polizei könne natürlich nur angezeigte Taten bearbeiten, sagte Borchardt auf MAZ-Nachfrage. Gemeinsam mit dem Landkreis werde für jede Asylunterkunft ein Sicherheitskonzept erstellt. Sechs Streifenwagen stünden in Oberhavel ständig zur Verfügung.

Warum viel Geld investiert wird und nicht stattdessen das Hotel im Veltener Businesspark oder die leer stehende Francotyp-Immobilie in Birkenwerder als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird, erkundigte sich ein Bürger. In Deutschland entscheide der Eigentümer und nicht der Staat, was mit seinen Objekten passiert, antwortete der Landrat. Für das Krankenhaus-Grundstück in der Niederheide gebe es noch keine Planungen. Der Abriss sei nicht überstürzt erfolgt, sondern um Gefährdungen auf dem schwer zu sichernden Gelände zu vermeiden.

Wegen der Einlasskontrolle bildete sich vor Veranstaltungsbeginn eine lange Schlange am Eingang. Quelle: Helge Treichel

Die Erschließung mit Wasser, Abwasser, Strom, Gas – all das werde die Anwohner nichts kosten, sagte Bürgermeister Klaus-Dieter Hartung (Linke). Bei Straßenbeleuchtung und Fahrbahn „wird der Landkreis nicht anders behandelt als jeder andere Einwohner“. Da die Kinderzahlen gegenwärtig zu sinken beginnen, seien genügend Kita- und Schulplätze vorhanden, so Hartung: „Das stecken wir locker weg.“ Einer Mutter, deren zehnjährige Tochter sie fragte, ob sie noch alleine auf die Straße gehen kann, riet der Bürgermeister: „Beantworten Sie die Frage mit Ja!“

Die Erfahrungen zeigen, dass sich viele Ängste auflösen, wenn die Flüchtlinge erst da sind, sagte der Landrat. Wer kommt, könne noch niemand sagen. Aber seine Empfehlung: „Gehen Sie auf die Menschen zu!“

Kommentar von Helge Treichel

Die Flüchtlingskrise wird in Oberhavel souverän und geräuschlos gemanagt: Keine Zelte, keine längerfristig belegten Turnhallen, kein Unterrichtsausfall. Konzepte statt Krise. Und: Jeder kann mithelfen, damit Flüchtlinge in unserer Mitte ankommen. Über neue Unterkünfte wird nach der Entscheidung so zeitnah informiert, dass konkrete Planungen noch nicht vorliegen (können). Das ist keine Schwäche, sondern eine Stärke. Ärgerlich wäre vielmehr, wenn vollendete Tatsachen geschaffen wurden, bevor endlich die Katze aus dem Sack gelassen wird. Mein Fazit: Weiter so!

Von Helge Treichel

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