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Volles Haus bei Sarrazin

Ex-Bundesbanker stellt Buch vor Volles Haus bei Sarrazin

In der ausverkauften Orangerie stellte Thilo Sarrazin sein Buch "Europa braucht den Euro nicht" vor, rund 200 Gäste hörten ihm zu. Draußen vor dem Tor patroullierten Polizisten. Vorsichtshalber. Denn Sarrazin ist einer der umstrittensten Köpfe Deutschlands.

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Rund 200 Gäste waren am Mittwoch in die Orangerie gekommen, um Thilo Sarrazin zu hören. Vor dem Tor bewachten Polizisten die Veranstaltung.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Wenn Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke eine Brücke bauen wollte, sagt Thilo Sarrazin, müsste er ohne die nötigen Millionen darauf verzichten. Er müsste sonst an der Statik sparen und riskieren, dass die Brücke irgendwann zusammenbricht.

"Man würde sie doch für verrückt halten und hoffentlich des Amtes entheben", so Sarrazin zu Laesicke, der vorn im Publikum saß. Helmut Kohl habe einen solchen Fehler begangen, als er der Einführung des Euro zustimmte. "Es ist eine Anmaßung von Politik, Dinge zu entscheiden, von denen sie nichts versteht." Applaus im Saal. Vor Thilo Sarrazin lag sein Buch "Europa braucht den Euro nicht", rund 200 Gäste in der ausverkauften Orangerie hörten ihm zu.

Draußen vor dem Tor patroullierten Polizisten. Vorsichtshalber. Denn Sarrazin ist einer der umstrittensten Köpfe Deutschlands. Vor drei Jahren veröffentlichte er sein Buch "Deutschland schafft sich ab", in dem er die Folgen von Geburtenrückgang, wachsender Unterschicht und Zuwanderung aus muslimischen Ländern skizziert. Muslime waren empört, die SPD wollte ihn gar ausschließen. Für Sarrazin, der als Berliner Finanzsenator einst ALG-II-Empfängern zu dicken Pullovern statt aufgedrehten Heizungen riet, ist das Vergangenheit. "Die in der SPD sagten, das geht gar nicht, was der Sarrazin da sagt, sind schmählich gescheitert", so der 68-Jährige. Von seinem Buch, wegen dem er sogar als Rassist angefeindet wurde, habe er bis heute kein einziges Wort zurückgenommen.

Sonderlich sozialdemokratisch klangen Sarrazins Thesen auch am Mittwoch nicht. Er vergleicht die EU-Staaten mit Läufern auf einer 400-Meter-Strecke. Deutschland rennt mit Finnland und den Niederlanden vorneweg."Dann kann ja wohl kaum die Ansage sein, dass die, die vorne sind, langsamer laufen, damit die hinten nicht so eine große Lücke haben", sagt der Ex-Bundesbanker. Seine Prognose ist düster: Staaten wie Portugal oder Griechenland, für Sarrazin ein "Katastrophenfall", verschulden sich weiter, weil sie sich auf die Rettungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) verlassen. Die Deutschen müssen im Gegenzug noch mehr Geld geben, für mehr Schulden anderer Länder bürgen und die Leistungsfähigkeit ihrer Unternehmen drosseln. "Es wird Versuche geben, die, die etwas haben oder etwas leisten, zu behindern."

Die Rückkehr zu eigenen Währungen ist für Sarrazin die einzige Lösung. Griechenland, das sich in den Euro "gelogen und geschmuggelt" habe, müsste seine Währung um 50 bis 60 Prozent abwerten. Das Geld wäre weniger wert. Exporte würden teurer werden, Importe billiger. "Das System würde sich wieder einpendeln, das wäre keine Katastrophe." Ein Vorbild sieht Sarrazin im Nachbarland Türkei, das seine eigene, billige Währung hat. Der Tourismus boomt, während er in Griechenland eher vor sich hin dümpelt, so Sarrazin. Eine Ursache: "Ein Kellner in der Türkei kostet etwa halb so viel wie einer auf einer griechischen Insel 20Kilometer entfernt."

Ohne eigene Währung sieht Sarrazin die klammen EU-Länder in der Falle: Mit Deutschland im Wettbewerb zu stehen, gehe nur, wenn man so bescheiden sei oder so arbeite wie Deutsche. Die Anmaßung der Währungsunion sei letztlich der Glaube, dass alle so werden könnten. "Und das", so Sarrazin, "ist eine Utopie."

Von Marco Paetzel

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