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Vom Obsthandel zur Mosterei

Oranienburg Vom Obsthandel zur Mosterei

Heutzutage kaufen die Kunden nur noch Eins-A-Tafeläpfel. Doch auf den Plantagen der Obstbauern liegen jede Menge Falläpfel. Weil die Mostereien gar nicht hinterherkamen, hat Obsthändler Kirk Köhler in Eden die Eigeninitiative ergriffen. Und zudem noch eine ganz pfiffige Verkaufsidee entwickelt.

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Die Köhlers hatten 2004 die Idee, nicht nur die perfekten Äpfel zu verkaufen, sondern auch das Fallobst selbst zu verwerten.

Quelle: Frank Liebke

Oranienburg. Kirk Köhler ist ständig auf dem Sprung. Vier mal in der Woche steht er auf den großen Märkten in Berlin. Köhler handelt seit mehr als 20 Jahren mit Obst und Gemüse, was er von den Obstbauern aus Werder oder aus der Region holt.

Was auf den Plantagen viel anfällt, sind Falläpfel, die heutzutage natürlich niemand mehr kaufen will. Das müssen schon Eins-A-Tafeläpfel sein. „Irgendwann haben wir die Falläpfel dann pressen lassen“, erzählt der Geschäftsmann. Aber bald hätte es die Mosterei gar nicht mehr geschafft. „Da sind wir auf die Idee gekommen, es selber zu machen.“ Und so rechnete er die Sache mit seiner Frau durch. September und Oktober sind die beiden Hauptmonate für eine Mosterei. „Wir schaffen das schon“, war das Fazit der Köhlers. Etwa 15 Jahre ist das her. Und wo wäre eine Mosterei besser angesiedelt, als in der Obstbausiedlung in Eden, dort wo schon immer Säfte hergestellt wurden.

Äpfel zu pressen, ist keine große Herausforderung. „Das ist ja kein Lehrberuf“, lacht Köhler. Man muss sich vor allem mit Lebensmittelgesetzen und der Technik auskennen. Bei letzterem hat sich Kirk Köhler für eine Packpresse entschieden. „Das ist eine traditionelle Form und wird schon seit ewigen Zeiten so gemacht.“

So sieht eine Packpresse aus

So sieht eine Packpresse aus.

Quelle: Frank Liebke

Durch das schonende Verfahren, bei dem die zermahlten Äpfel durch feinporige Tücher gepresst werden, sollen die Säfte besser schmecken. Ob das so ist, weiß Kirk Köhler auch nicht genau. Aber die Zahl seiner langjährigen Stammkunden spricht dafür.

Zwei Tage in der vollgepackten Arbeitswoche gehen im Herbst also für die Mosterei drauf. Nur der Sonntag bleibt eigentlich für die Familie. Und weil es am effektivsten ist, hat der Geschäftsmann seine Pressanlage auf den Hänger eines Lkw gebaut und fährt dorthin, wo die meisten Äpfel anfallen. In Eden selbst nimmt er nur noch Mengen ab 1000 Kilo an. So wie früher, als die Edener mit ein paar Wassereimern voller Obst kamen – das würde sich nicht mehr rechnen.

Das Abfüllen in Flaschen rechnet  sich nicht mehr

Das Abfüllen in Flaschen rechnet sich nicht mehr. Die Alternative sind große Saftbeutel.

Quelle: Frank Liebke

Anfangs hat der 49-Jährige auch noch Säfte in Flaschen abgefüllt. Jetzt ist das nur noch ein verschwindend kleiner Anteil. 95 Prozent seines Apfelsaftes wird in Beutel abgefüllt, fünf Liter ist die gängigste Größe. „So ein Beutel hält sich bei Zimmertemperatur, ungeöffnet, ein Jahr lang. Und selbst wenn der Beutel angebrochen ist, hält sich der Saft drei Monate, wohl bemerkt, bei Zimmertemperatur. Das Geheimnis ist das Auslassventil des Beutels. „Es ist so konstruiert, dass keine Luft in den Beutel eindringen kann.“ Reichlich 3000 Liter pro Tag kann Köhler in Beutel abfüllen. Bei Flaschen wäre die Menge nicht mal ein Drittel davon.

In solchen Pappkartons kann man die Saftbeutel aufbewahren

In solchen Pappkartons kann man die Saftbeutel aufbewahren.

Quelle: Andrea Kathert

Kirk Köhler lebt mit seiner Frau und der vierjährigen Tochter selbst in Eden, ist sogar Genossenschaftsmitglied. Seine Verkaufsstände baut er allerdings nur in Berlin auf. Doch auf die Apfelsäfte der Mosterei müssen die Edener und die Leute aus der Umgebung trotzdem nicht verzichten. „Ein Laden auf dem Gelände würde sich nicht lohnen“, meint Köhler. Er hatt eine viel bessere Idee. Sozusagen eine Schließfachanlage für seine Saftbeutel. Die steht auf dem Hof der Genossenschaft im Struveweg 505.

Und so sieht die Anlage mit den Schließfächern aus

Und so sieht die Anlage mit den Schließfächern aus.

Quelle: Andrea Kathert

Von 9 bis 19 Uhr können sich die Kunden selbst ständig bedienen. Bezahlt wird an einem ehemaligen Zigarettenautomaten, der nach der Bezahlung statt Glimmstengel die Schlüssel für das Schließfach mit dem gewünschten Apfelsaft ausspuckt. Bag in Box heißt seine Geschäftsidee, die ganz gut ankommt. Wer möchte kann sich auch einen Karton für den Saftbeutel dazu kaufen. Das ist einfacher beim Füllen der Gläser und sieht schicker aus.

Und nun doch noch eine Frage an den Fachmann. Wie war denn das Apfeljahr 2016? „Ach, das war ein gutes Durchschnittsjahr“, meint Kirk Köhler.

Von Andrea Kathert

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