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Von Elvis bis zur Fee

Oranienburg Von Elvis bis zur Fee

Die Oranienburgerin Marion Joswig sammelt und näht Kostüme. Sie verleiht die Sachen gegen einen kleinen Obolus – auch in der kommenden Woche, wenn es eine Schlossparkführung in historischen Gewändern mit Louise Henriette gibt.

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Marion Joswig ihn ihren heiligen Hallen im Keller in der Weißen Stadt.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Man mag es kaum glauben, aber Marion Joswig war in diesem Jahr zum ersten Mal beim Karneval! Als Burgfräulein in Germendorf. Das liegt daran, dass 58-jährige Oranienburgerin gar nicht so sehr vernarrt ist ins Kostümieren, sondern vielmehr darin, die verschiedenen Roben zu sammeln, selbst welche zu nähen, um andere damit auszustaffieren und glücklich zu machen.

Marion Joswig ist seit 30 Jahren in der Weißen Stadt zu Hause. Die Kostümleidenschaft der ehemaligen Postzustellerin begann damit, dass sie ihre vier Kinder zum Fasching benähte. Denn Kostüme für vier Sprösslinge waren teuer. Doch zum Wegwerfen waren die Hüte, Kleider und Hosen einfach viel zu schade. Alles wanderte anfangs in „Stoffschränke“, inzwischen nehmen die Bügelbatterien mit rund 1500 Kostümen zwei Kellerräume ein. Dort hinunter steigt Marion Joswig nahezu täglich, schaut nach dem Rechten oder hat Kundschaft. Denn sie leiht die Kostüm aus. Und das zum kleinen Preis: zehn Euro, maximal 15, „das ist der Preis zum Passendmachen, waschen und wieder herrichten. Es bleibt ja mein Hobby“, sagt sie. Behalten kann man die Kostüme drei Tage, nach Absprache auch länger. Dass mancher sie allerdings behält und dann von nichts mehr wissen will, das mache sie schon traurig. Ihre Telefonnummer kennen viele, sagt sie. Herein kommen sie als Otto Normalverbraucher, hinaus spazieren sie als Polizist, Napoleon, als Seemann, Mönch, Elvis, Obelix, Fee oder Jäger. Nichts, was es nicht zu geben scheint. Manches Kostüm bekam sie geschenkt, andere ersteigerte sie bei eBay, einige hat sie selbst genäht, wie ein Rock-’n’-Roll-Outfit. Gern hätte sie noch eine Rokokokostüm – „aber das traue ich mir nicht zu, selbst zu nähen“.

Es gibt Modisches aus DDR-Zeiten, wie Monster-Schlaghosen, Blusen mit Rüschen und Riesenmustern. FDJ-Blusen hängen neben Weihnachtsmannoutfits, sie kann ein ganzes Herrenballett ausrüsten. Es gibt Brautkleider, die durch Einfärben zu Elfenkostüme mutieren und Festliches, das sich mancher, der es nicht so dicke hat, für ein Familienfest holt und so für einen kleinen Preis einen großen Auftritt erlebt. Marion Joswig hat Ketten und Hüte, Federboas und Handschellen, Gürtel und die Bibel. „Ich kann einfach nichts wegwerfen. Irgendwann passt es zu einem Kostüm dazu.“ Zum 80. Geburtstag des inzwischen verstorbenen Tierparkchefs Horst Eichholz trat die ganze Gratulantenschar tierisch auf.

„Jeder kennt mich. Wenn in der Stadt was los ist, klingelt bei mir das Telefon.“ So wird es wohl auch in der kommenden Woche sein, denn für Sonnabend, 26. August, lädt Louise Henriette alias Vivienne Netzeband von der TKO zum Lustwandeln in historischen Roben durch den Schlosspark ein. Ab 19 Uhr wird bei einer Tasse Tee über den Wandel des Kurfürsten oder die Erziehungsmethoden von Otto von Schwerin geschwatzt. Marion Joswig ist beim Einkleiden für den Abend behilflich (0172/9 94 62 78).

Lieblingsstück der Oranienburgerin, die, wenn sie nicht gerade ihren Fundus pflegt und erweitert, gern in Oberhavel die Angelrute auswirft, ist ein langes, schwarzes Kleid, bestickt mit goldenen Borten, weiten Ärmeln und Kapuze. Das habe sie mal „für zwölf Euro per Handy gekauft“. Und sie weiß schon heute: „Das werde ich beim nächsten Fasching tragen.“

Von Heike Bergt

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