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Von La Paz nach Oranienburg

Oranienburg Von La Paz nach Oranienburg

Für ein Jahr ist der 19-jährige Alfonso Suarez aus La Paz in Bolivien nach Oranienburg gekommen – über den Internationalen Christlichen Jugendaustausch. Er arbeitet in einem sozialen Projekt der Kita „Leuchtturm“. Und die Kinder mögen ihren Alfonso.

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Die Kinder mögen „ihren“ Alfonso, der aus einer katholischen Familie in La Paz stammt.

Quelle: Foto. Enrico Kugler

Oranienburg. Es gab vieles, was für Alfonso Suarez so ganz anderes war als zu Hause: weniger Sonne, saubere Straßen, dass warmes Wasser und Heizung für jeden zu Hause ganz normal sind, dass die Deutschen sehr pünktlich sind und jeder irgendwie ein Hobby hat. „Aber eigentlich sind doch alle Menschen gleich, sie leben nur anders. Hier sind sie zurückhaltender als in Bolivien, aber freundlich zu mir. Ich mag das“, sagt der 19-Jährige.

Seit 1. September letzten Jahres lebt der junge Mann aus La Paz in Oranienburg, bei einer Gastfamilie in Lehnitz. Nach dem Abi in der zwei Millionen Einwohner zählenden Heimatstadt wollte er in die Welt, bewarb sich über den Internationalen Christlichen Jugendaustausch (ICJA). Sein Ziel: Europa. Seine erste Wahl: Frankreich, „weil ich etwas Französisch kann“. Nun kann er schon ziemlich gut Deutsch – „die beste Schule sind die Kinder“, sagt er. Denn am 1. September landet er in Berlin, zusammen mit zwei anderen bolivianischen Jugendlichen. Seitdem hilft er in der Kita „Leuchtturm“ des Christlichen Jugendzentrums (CJO) in der Sachsenhausenner Straße. Gehört zur Gruppe zwei von Christina Meyer und Marlen Tebbe. Es ist das erste Mal, dass die Kita einen Praktikanten über den internationalen Austausch beschäftigt. Von Montag bis Donnerstag, jeweils von 8 bis 16 Uhr, ist er in der Gruppe dabei, hilft beim Anziehen, Essen austeilen, baut die Betten für den Mittagsschlaf auf, spielt und bastelt mit den Jüngsten. „Ich bin für ein Kinderprojekt gekommen. Ich habe Geduld, das ist gut für diese Arbeit“, sagt der 19-Jährige. Und schon ruft es aus vielen Kindermündern: „Alfoooonso!“

Jeden Tag steht er mit seiner Familie in La Paz via Internet in Kontakt: Seine Mutter ist studierte Tourismusmanagerin, der Vater Mechaniker für Straßenbaumaschinen, die Schwester wird Ingenieur. Und auch Alfonso hat ein Ziel: Er möchte ein Studium zum Sound-Techniker und Akustiker angehen. Wenn er frei hat vom Kita-Projekt, möchte er am liebsten reisen. Das ist mit 200 Euro Taschengeld der ICJA im Monat gar nicht so einfach. Doch seine Gastfamilie hat ihm schon viel gezeigt, berichtet er, war mit ihm in Frankreich, in Köln und Stuttgart und bei Fußballspielen. Alfonso ist sportlich und sportbegeistert. Ohne, dass er es gleich Hobby nennen würde.

Auch Christina Meyer und Merlen Tebbe mögen ihren Alfonso: „Wir haben schon viel mit ihm gelacht. Ihm ist oft kalt und er musste auch lernen, dass wir mit den Kindern bei jedem Wetter in den Garten gehen“, sagen sie. Anfangs hätten sie sich mit Händen und Füßen und ein wenig Englisch verständigt, jetzt gehe das schon prima auf Deutsch. Sie haben ihm erzählt, was es in Oranienburg zu sehen gibt und wo man günstig einkauft.

Ab und zu trifft Alfonso Suarez andere Austausch-Praktikanten bei Seminaren. Es geht dort zum Beispiel darum, Kultur, Politik und Lebensweise des Gastlandes verstehen zu lernen und möglichem Rassismus zu begegnen. Der sei ihm hier noch nicht begegnet: „Solche Leute gibt es wohl in jedem Land“, sagt Alfonso.

Bevor er im August die Heimreise antritt möchte er vor allem eines: noch viel reisen. Was er unbedingt noch ansehen möchte in Europa? „Alles“, sagt er und lacht.

Von Heike Bergt

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