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Von Oranienburg in den Vatikan

Oranienburg Von Oranienburg in den Vatikan

Außerhalb des Protokolls bei der Visite der Kanzlerin bei Takeda: Vom roten Teppich, leckeren Häppchen, zerschnittenen Bändern und Bonbons, die auf Hightech-Maschinen in Blister gepackt werden.

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Es hatte kurz geregnet: Der rote Teppich wurde deshalb vorher abgedeckt.

Oranienburg. Die Kanzlerin trug am Freitag königliches Blau: das Jackett zur hellen Hose. Schließlich hatte Angela Merkel zwei hochkarätige Termine am diesem Tag: Um 11 Uhr die Einweihungsfeier für den 100-Millionen-Erweiterungsbau beim Pharmaunternehmen Takeda in Oranienburg. Und von da ging es direkt zum Flieger nach Rom – zur Papst-Audienz in den Vatikan.


Punktlandung: Der Helikopter war gegen 10.40 Uhr auf dem Sportplatz der Polizeifachhochschule in Oranienburg gelandet. Von da war es nur ein Katzensprung in die Lehnitzstraße.


Background: Journalisten-Tross und Personenschützer lauschten während des Wartens auf die Ankunft der Kanzlerin: Es trommelte zu lauter Musik. Auf der Havel hatte das Stadtfest mit den Drachenbootläufen begonnen.


Protest : Auf dem Rewe-Parkplatz protestierte die AfD.


Polizeiaufgebot: 100 Beamte aus Oberhavel hatten schon am Morgen Verstärkung von Kollegen der Bereitschafts- und Verkehrspolizei bekommen. Es gab strenge Taschenkontrollen am Eingang für Besucher und Presse. Jede Kamera wurde gecheckt, musste beim Probefoto beweisen, dass es sich wirklich um eine Kamera handelt. Waffen wurden gestern bei der Polizei ganz offen getragen.


Schnüffelei: Cooper, der belgische Schäferhund hatte die richtige Nase, er musste das Areal vor dem Eintreffen der Gäste auf versteckten Sprengstoff absuchen.


Gute Nase: Die und vor allem guten Geschmack bewies Ralf Blockus. Seit sieben Jahren ist er der „Chefkoch“ bei Takeda in Oranienburg. Bekocht die Mitarbeiter ebenso wie Gäste des Unternehmens und das Publikum von Feierlichkeiten wie gestern mit 550 Gästen. Nach Häppchen zum Frühstück nach Ankunft, gab es am Mittag nach den Reden kleine Schälchen mit Herzhaftem, von Fisch bis Fleisch. Der Clou: Brandenburgisch-japanische Desserts und Smoothies in Miniflaschen mit Ananas und Spinat. Lecker!


Bandschnipsel : Azubis begrüßten gestern die Kanzlerin vorm Haus. Zwei von ihnen hielten das weiße Band, das die Kanzlerin zusammen mit dem Brandenburgischen Ministerpräsidenten, dem japanischen Botschafter und dem Takeda-Präsidenten durchschnitt. Eine davon war Celine Rost aus Borgsdorf. Die Kanzlerin befragte die angehende Pharmakantin nach ihrer Ausbildungszeit: „Drei Jahre“, antwortete sie ganz ohne große Ehrfurcht.


Bonbondreher : Seit 20 Jahren im Haus arbeitet Andy Dinse aus Oranienburg. Er ist Mitarbeiter der Konfektionierung, wird bald im Neubau arbeiten und gehörte gestern zum Team, das die Maschinen während des Kanzlerinnenrundgangs bediente. „Heute sind wir Bonbon-Dreher“, sagte er in Kollegenrunde.


Ohne Nebenwirkungen : Erst nach der Einweihung läuft nun die pharmazeutische Produktion von Tabletten und Kapseln an. Da gestern keine Reinstraum-Umgebung bei den vielen Gäste möglich war, wurden Bonbons in Tabletten-Blistern hergestellt: „Takeda lemon fresh“. Sebastian Jazon gab Angela Merkel eine Schachtel mit. Sie bemerkte sofort: „Alles hightech, doch das Einpacken ist noch Handarbeit.“


Beipackzettel: Der war extra zum Eröffnungsevent gedruckt worden. Statt über Einnahmevorschriften informiert er über die 130-jährige Geschichte der Pharmazie am Standort Oranienburg.


Physikerin über Chemiker : Merkel würdigt in ihrer Rede auch Oranienburgs großen Sohn Friedlieb Ferdinand Runge, dessen Todestag sich 2017 zum 150. Mal jährt. „Lange hat er in Oranienburg gewohnt und ich hoffe, der Bürgermeister hat ihn ausreichend gewürdigt“, meinte sie mit einem Schmunzeln.


Tschüss Oranienburg: Nach ihrer Rede stieg sie um 11.53 Uhr wieder ins Auto, das sie zum Hubschrauber brachte.

Von Heike Bergt

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