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Oberhavel Von „mordenden Gasen“ und Wutbürgern
Lokales Oberhavel Von „mordenden Gasen“ und Wutbürgern
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07:27 09.08.2014
Blick von der alten Schlossbrücke in Richtung Bernauer Straße, links die Chemische Fabrik Oranienburg um 1901. Quelle: Archiv Bodo Becker
Oranienburg

Am Beginn des 20. Jahrhunderts gehört Oranienburg zu den Zentren der chemischen Industrie in Preußen. Das Adressbuch für Oranienburg und Umgegend 1912/13 weist fünf chemische Fabriken nach. Bis auf eine Ausnahme liegen alle an der Mühlenstraße (Sachsenhausener Straße) und Lehnitzstraße. Umweltschäden und Gesundheitsgefahren für die Anwohner sind außerordentlich hoch. Jedoch wachsen auch das Umweltbewusstsein und die Bereitschaft zum Widerstand der Bürger, wie man immer wieder der Oranienburger Presse in der ersten Jahreshälfte 1914 entnehmen kann. Im Januar kommt es vor dem Oranienburger Schöffengericht zu einer Verhandlung über den Widerspruch des Direktors der Hüttenwerke C. Wilh. Kayser & Co. gegen einen amtsgerichtlichen Strafbefehl über 60 Mark. Anwohner in der Mühlenstraße hatten Anzeige gegen die Hüttenwerke wegen der Verbreitung schädlicher Gase erstattet.

Anwohner erstatten Anzeige

Das Amtsgericht entsprach der Anzeige und ahndete das Vergehen mit dem nun zur Verhandlung stehenden Strafbefehl. Zeugen und ein Sachverständiger sollen zur juristischen Klärung beitragen. Der Sachverständige entlastet jedoch die Hüttenwerke als Verursacher. Nach seiner Auffassung entstehen die giftigen Dämpfe und Gase bei der Fabrikation von Superphos phat, das von der Chemischen Fabrik Oranienburg A.G., ebenfalls Mühlenstraße, produziert wird. Das Gericht folgt der Argumentation des Sachverständigen in dieser Frage. Den Strafbefehl hebt es jedoch nicht auf, denn die Hüttenwerke haben mit einem Erweiterungsbau ohne Genehmigung und dem Abrösten von Kupfersteinen im Freien gegen die Gewerbeordnung verstoßen. Wie sensibel die Öffentlichkeit auf mögliche Umweltschäden reagiert, zeigt der Bericht „Verflogene Träume“ im Februar. Der Autor wendet sich gegen die Errichtung einer Düngemittelfabrik auf dem Areal eines gescheiterten Flugplatzprojektes. „Wenn die Fabrik gebaut wird, dann wird es auch mit der guten, gesunden Luft, die sonst mit Recht an unserer Stadt gerühmt wird, ein Ende haben. Gewiss, Oranienburg entwickelt sich zur Industriestadt, aber muss gerade solche Fabrik, die hygienisch gefährlich werden kann, bei uns gebaut werden? Es muss im Interesse unserer Stadt und der Umgegend gegen dieses Projekt auf das energischste Front gemacht werden.“

Ende März verhandelt der Bezirksausschuss des Regierungsbezirks Potsdam zahlreiche Einsprüche von Anliegern der Mühlenstraße, die sich gegen die Errichtung einer Versuchsanlage von Seiten der Hüttenwerke wenden. Doch die Firmenvertreter und ein Sachverständigengutachten können den Ausschuss von der Nichtgiftigkeit der austretenden Gase überzeugen. Er erteilt die Genehmigung zur Errichtung der Versuchsanlage. Anfang Juni spricht man über „mordende“ Gase, die die Vegetation in der Mühlenstraße durch eine akute Säurevergiftung schwer geschädigt und zum Teil zum Absterben gebracht haben. Die betroffenen Anlieger erheben Schadensersatzklage gegen die Chemische Fabrik.

Diskussion in der Öffentlichkeit

In den nachfolgenden Wochen kommt es zu einer Diskussion in der Öffentlichkeit. „Muss sich nicht die Stadt selbst gegen die Vernichtung des Straßenbaumbestandes in der Mühlenstraße und auf der Sachsenhausener Chaussee wenden? Wo bleibt der Verschönerungsverein, den doch diese Fragen auch angehen, und was sagt der Gartenbau- und Bienenzucht-Verein dazu? Nur ein geschlossenes, nachdrückliches Vorgehen kann Abhilfe schaffen und den schwer benachteiligten Anliegern eine einigermaßen entsprechende Entschädigung bringen“, fordert ein engagierter Umweltschützer. Auch der Haus- und Grundbesitzerverein bezieht Stellung zu den akuten Umweltschäden. Auf einer Versammlung Ende Juni verabschiedet er mit einer Gegenstimme eine Resolution an die städtischen Behörden, gegen den Umweltfrevel von Seiten der Unternehmen vorzugehen.

Hohe Ordnungsstrafe

Dass dies erfolgreich sein kann, zeigt das städtische Vorgehen gegen die Havelverschmutzung auf. Bei einer Inspektion der Uferstrecke, die sich im Besitz der Chemischen Fabrik befindet, entdeckte man ein unmittelbar über den Wasserspiegel liegendes Abflussrohr. Eine Untersuchung der eingeleiteten Flüssigkeit ergab, dass sie stark von Chemikalien durchsetzt war. Die Fabrik musste dafür eine hohe Ordnungsstrafe entrichten. Seitdem wird an dieser Stelle nur noch gereinigtes Wasser in die Havel geleitet. Es werden aber auch Stimmen der chemischen Unternehmen laut, die vor einem allzu rigiden Vorgehen warnen. Neben dem Hinweis auf deren Bedeutung als Arbeitgeber und Steuerzahler führen sie ein weiteres, damals wichtiges Argument an: „Gemeinnützige Anstalten sind zu gründen und zu unterstützen, es gilt tatkräftige Hilfe für Notleidende aller Art zu leisten. Bei wem geht der Klingelbeutel zuerst um? Bei der Großindustrie!“

Anfang Juli 1914 beschäftigt sich der Bezirksausschuss mit Beschwerden über einen ohne Genehmigung errichteten Kühlturm auf dem Gelände der Chemischen Fabrik. Die Konzession wird nachträglich unter der Bedingung seiner Umweltverträglichkeit erteilt.

Von Bodo Becker

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