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Vorsichtshalber mit dem Auto zur Schule

Workshop zu klimafreundlicher Mobilität Vorsichtshalber mit dem Auto zur Schule

Wie klimafreundliche Mobilität in Hohen Neuendorf vorangebracht werden kann, das war am Montagabend Thema eines Workshops im Rathaus. Dabei wurde deutlich: Es müsste vor allem in mehr Sicherheit und Komfort investiert werden. Und clevere Software-Tools unterstützen bereits jetzt dabei, die Umwelt zu schonen.

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Das Treffen am Montagabend.

Quelle: Stadtverwaltung Hohen Neuendorf

Hohen Neuendorf. Wer in Hohen Neuendorf Fahrrad fährt, schont zwar die Umwelt, aber ist auch mit einem gewissen Unsicherheitsgefühl unterwegs. Das gelte ganz besonders für Kinder auf dem Weg zur Grundschule. Und genau an diesen Stellen sollte der Startpunkt gesetzt werden, um die Mobilität in der Stadt klimafreundlicher zu machen – und Hohen Neuendorf ein Stück lebenswerter. So lautet das Fazit eines Mobilitätsworkshops, zu dem der Hohen Neuendorfer Klimaschutzmanager Malte Stöck für Montagabend eingeladen hatte.

Knapp 20 Gäste hatten sich im Rathaus eingefunden, resümiert Stöck. Erfreut habe ihn besonders die Tatsache, dass diese Leute signalisiert hätten, sich weiter für klimafreundliche Mobilität einzusetzen. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt er mit Blick auf die Aufbruchstimmung im Saal. Klar sei aber auch: „Wir stehen noch ganz am Anfang.“

Rahmenpläne mit konkreten Projekten beleben

Die Stadt habe indes schon einige Aktivitäten aufzuweisen. Beispiele: Leitbild, Klimaschutzkonzept und Verkehrsentwicklungsplan. Letzterer enthalte auch ein Konzept für die Radwegeführung sowie eine Priorisierung. Die konkreten Projekte müssten nun allerdings erst noch ermittelt und abgearbeitet werden, wofür gesonderte Beschlüsse erforderlich sind. „Es bleibt also noch einiges zu tun“, sagt der Klimaschutzmanager.

Denn eines wurde in der Diskussion klar: Hohen Neuendorf ist sehr autofreundlich. Das klinge zwar gut, sagt Stöck, habe aber negative Auswirkungen für Radfahrer und Fußgänger. Besonders deutlich werde dieser Trend allmorgendlich vor der Grundschule Niederheide und der Waldgrundschule. Aus Angst vor der unübersichtlichen Situation vor der Schule, ausgelöst durch den Bringeverkehr, würden Eltern ihre Kinder vorsorglich lieber mit dem Auto bringen – ein Teufelskreis.

Jährlich 400 Autos mehr in der Stadt

Hinzu komme die wachsende Zahl von Kraftfahrzeugen im Stadtgebiet. Die Anzahl wuchs laut Zulassungsstelle des Landkreises jährlich nahezu linear um rund 400 Stück (2000 bis 2013). Insgesamt 15 743 Kraftfahrzeuge waren Ende 2013 angemeldet. Bleibt dieser Trend erhalten entspreche das 5600 neuen Kraftfahrzeugen in der Stadt bis zum Jahr 2030. Allein um diese abzustellen, werde eine Fläche mit der Größe von neun Fußballfeldern beansprucht.

Die Teilnehmer steuerten Erlebnisberichte bei, welchen Gefahrensituationen sie als Radfahrer bereits ausgesetzt waren. Insbesondere beim Abbiegen oder in Kreisverkehren wünschen sie sich mehr Sicherheit. Kommunalpolitiker Oliver Jirka (B 90/Grüne) merkten an, dass im städtischen Haushalt 2016 lediglich rund 200 000 Euro für Radwege reserviert sind. „Das reicht gerade für Reparaturen.“

Vom EU-Knöllchen-Report und cleverer Software

Dass die Einwohnerschaft ihrerseits aktiv werden kann, zeigte Referent Heinrich Strößenreuther von der Agentur für clevere Städte aus Berlin. Er berichtete vom Volksentscheid Fahrrad und brachte spannende Fakten mit. Zum Beispiel das Ergebnis eines Flächen-Gerechtigkeits-Reports, für den 200 Berliner Straßen vermessen wurden. Ergebnis: 19 Mal mehr Verkehrsflächen sind für Autofahrer (58 Prozent) gegenüber Radfahrern (3 Prozent) reserviert! Interessant auch der EU-Knöllchen-Report: Deutschland lädt zum Falschparken ein, weil die hiesigen Bußgelder 75 Prozent unterm EU-Durchschnitt liegen. Und er berichtete von Handy-Apps und Internet-Tools, mit deren Hilfe Radfahrer ihre Touren optimieren und Kraftfahrer ihr Auto besser auslasten können. Solche kleinen Schritte seien ein Anfang. Um aber die Kohlendioxid-Sparziele zu erreichen, sei mittel- bis langfristig eine tiefgreifende Umwälzung erforderlich, so Strößenreuther.

Laut Software werde zudem deutlich, dass sogar ein durchschnittlicher Radfahrer vom Hohen Neuendorfer Zentrum aus jeden Punkt im Stadtgebiet innerhalb von 15 Minuten erreichen kann. Malte Stöck sieht das optimistisch: „Das sind beste Voraussetzungen, um mehr Rad zu fahren.“

Eine AG Radverkehr mit zunächst einem halben Dutzend Mitstreitern formiert sich unter dem Dach des Radteams Borgsdorf. Eine Folgeveranstaltung des Workshops ist für Montag, 14. März, geplant. Beginn: 18 Uhr in der Stadthalle.

Information:
www.klimaschutz-hn.de und http://clevere-staedte.de/.

Von Helge Treichel

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