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Oberhavel Vortrag bei der IHK in Oranienburg
Lokales Oberhavel Vortrag bei der IHK in Oranienburg
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19:30 17.06.2016
Vortrag des Landeskriminalamtes über Cyberkriminalität bei der IHK in Oranienburg. Quelle: Helge Treichel
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Oranienburg

Verlässliche Sicherheit gibt es im Internet nicht. Das gilt für Facebook, Geschäftsdaten und erst Recht fürs Online-Banking. Diese klare Botschaft vermittelt Denny Speckhahn vom Landeskriminalamt. Er muss es wissen. Er leitet die Ermittlungsabteilung für Cyberkriminalität. Am Mittwochabend stellte er die Erkenntnisse seiner Arbeit auf Einladung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam im Oranienburger IHK-Regionalcenter vor rund 20 Geschäftsleuten vor. Ein anschaulicher und alarmierender Vortrag.

Schlechte Nachrichten gab es insbesondere für die Nutzer der am weitesten verbreiteten Programme, Windows und Android. Die digitalen Räuber, Kidnapper und Erpresser konzentrieren ihre kriminelle Energie auf diese Massenware. Je mehr Nutzer, desto mehr Arglose, Sorglose und Unbedarfte, lautet die Prämisse. Für Android sind rund 2,5 Millionen Schadprogramme bekannt, bei Windows liegt diese Zahl noch viel höher. Und 60.000 neue Vieren, Würmer und Trojaner kommen TÄGLICH hinzu. Aber selbst die beste Schutzsoftware kennt vielleicht 20 bis 30 Prozent davon, schätzt der Fachmann. Zwischen drei und sechs Millionen Rechner seien in Deutschland dauerhaft infiziert.

Der beste Schutz ist, Infektionen zu vermeiden

Der beste Schutz sei deshalb, seinen Rechner vor solchen Attacken von vorn herein zu bewahren. Dafür sollte jeder User die sieben klassischen Infektionswege kennen: E-Mail (Anhang, Download-Link, Instant Messages (Chat, Skype), Nachrichten in sozialen Netzwerken, Filesharing, Verbreitung über Netzlaufwerke und USB-Sticks. Hinzu kommt ein Download und sogar ein unbemerkter und unbeabsichtigter Download ohne jede Interaktion.

Ziel der Angriffe mit diesen Methoden sei es, digitale Identitäten zu stehlen und zu vermarkten. Entweder werden die Daten an andere Gauner verkauft oder direkt zum Abzocken der Opfer genutzt. Eine beliebte Methode sei das Phishing. Dabei wird dem Opfer vorgegaukelt, dass er sich auf der Internetseite seiner Bank oder eines Bezahldienstes befindet und er persönliche Daten bestätigen soll. Tatsächlich „fischen“ die Gangster Nutzernamen, Passwörter und Codes ab. Bekannt seien täuschend echt aussehende Mails und gefälschte Internetseiten von Paketdiensten, Banken, Airlines oder Bezahldiensten. Die Namen der am meisten verbreiteten Bank-Trojaner: Carberb,Citadel, SpyEye und Zeus.

Zirka 20 Geschäftsleute verfolgten den Vortrag bei der IHK in Oranienburg. Quelle: Helge Treichel

Eine sich derzeit verbreitende Masche der Täter ist die digitale Erpressung. Mit Krypto-Ransomware werden die Datenbanken befallener Rechner verschlüsselt und erst gegen Zahlung eines Geldbetrages wieder freigegeben. Dabei operieren die Täter meist unter der Flagge der Bundespolizei, Gema oder Bundesregierung. Nach dem Überweisen des Lösegeldes wird die Schadsoftware meist wieder deinstalliert. Für einige der Trojaner wie CryptBit, Petya oder JigSaw gibt es Entschlüsselungstools. Speckhahn empfiehlt jedoch, ein Backup zu installieren – und nicht zu zahlen.

Wenn ein Schaden eingetreten ist, hat ein Internetnutzer in Deutschland schlechte Karten. Dienstleister wie Banken verändern ihre Geschäftsbedingungen und wälzen Risiken zunehmend auf ihre Kunden ab. Die Kripo kann Täter nicht ermitteln, da es keine Vorratsdatenspeicherung gibt. „Das ist die Realität und das ist der Preis der Freiheit“, sagt Denny Speckhahn. Er empfiehlt Alternativprogramme wie Linux und regelmäßige Systemsicherungen. Seine Maxime: „Sicherheit ist aufwendig und teuer.“ Lakonischer Kommentar einer Zuhörerin: „Ab morgen nehmen wir wieder die Schreibmaschine.“

Von Helge Treichel

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