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Wachenleiter: „Es gibt keine Einbrüche mehr“

Hennigsdorf Wachenleiter: „Es gibt keine Einbrüche mehr“

Der Hennigsdorfer Wachenleiter Stefan Boye erklärt im Interview mit der MAZ, dass die Einbruchsserie, die die Hennigsdorfer zu Beginn des Jahres plagte, nun vorbei zu sein scheint. Auch zu Kriminalität von Asylbewerbern, illegalen Wildschweinjagden und Drogenkonsum an Schulen äußert sich der 43-Jährige.

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Stefan Boye ist froh, dass Einbrecher die Stadt derzeit meiden. Genug Kriminalität gibt es dennoch.

Quelle: Foto: Enrico Kugler

Hennigsdorf. Stefan Boye (43) ist seit November 2011 Leiter der Hennigsdorfer Polizeiwache. Mit der MAZ sprach er über die Einbruchsserie in Hennigsdorf, die Kriminalitätslage generell, illegale Wildschweinjagden und Drogenmissbrauch in Schulen.

MAZ: Herr Boye, zu Beginn des Jahres wurde Hennigsdorf verstärkt von Einbrechern heimgesucht, Sie sprachen von rund 30 Fällen innerhalb von drei Monaten. Wer steckte dahinter?

Stefan Boye: In diesen Fällen wird noch immer ermittelt, Spuren müssen noch ausgewertet werden. Auf jeden Fall war immer wieder dieselbe Vorgehensweise zu beobachten: Die Einbrüche fanden damals in einigen Bereichen der Stadt Hennigsdorf, gehäuft im Gebiet um das Paul-Schreier-Viertel statt, immer wurden Balkone überstiegen und die Türen aufgehebelt. Teilweise gab es hohe finanzielle Schäden, in einem Fall wurde auch eine große Summe Bargeld gestohlen. Oftmals überwogen aber ideelle Schäden und teils gibt es sicher immer noch Ängste der betroffenen Bewohner, dass Einbrecher in ihrer Wohnung gewesen sind.

Wie sieht die Lage mittlerweile aus?

Stefan Boye: Jetzt tendiert die Situation gen Null, es gab in den vergangenen Monaten keinerlei Einbrüche mehr in der Stadt Hennigsdorf. Wir hatten als Reaktion auf die Taten unter anderem deutlich mehr zivile Kräfte in der Stadt, die verstärkte Kontrollen durchgeführt haben. Das war ein großer Aufwand, bei der einige Arbeit liegen geblieben ist. Für mich war dabei verblüffend, dass es Anwohner gab, die von den Balkoneinbrüchen noch gar nichts gehört hatten.

Wie steht Hennigsdorf generell da, was Straftaten angeht?

Stefan Boye: Der Gesamtbereich des Reviers Hennigsdorf umfasst mit den Städten und Gemeinden Hennigsdorf, Velten, Hohen Neuendorf, Birkenwerder, dem Mühlenbecker Land und Glienicke/Nordbahn rund 100 000 Einwohner, das ist der halbe Landkreis. 2015 hatten wir 6071 Fälle, ein Jahr später 6083. Das ist nicht wenig. In den eher gut situierten Städten und Gemeinden des Polizeireviers ist unter anderem für Diebe einfach mehr zu holen, als in anderen Bereichen. Der flächenmäßig vergleichsweise kleine Hennigsdorfer Bereich hat in etwa die gleiche Kriminalitäts- und Verkehrsunfalllage wie der gesamte Landkreis Prignitz. Begünstigt werden die Straftaten dadurch, dass wir hier die verkehrlichen Anbindungen haben, mit denen es sich schnell in die Berliner Anonymität verschwinden lässt. Vergleichbar mit Berlin ist die Zahl der Straftaten aber glücklicherweise noch lange nicht.

Vor allem von Rechts kommt immer wieder der Vorwurf, Asylbewerber wären krimineller als Deutsche. Stimmt das?

Stefan Boye: Sie sind bei der Anzahl der Straftaten nicht stärker vertreten als die deutsche Bevölkerung. Innerhalb der Heime gibt es aber immer wieder verbale Auseinandersetzungen, die oftmals in körperlichen Auseinandersetzungen enden. Das ist ein Problem. Die Enge führt oftmals dazu, dass so etwas passiert, auch unter Alkoholeinfluss. Aber das sind dann nur wenige Heimbewohner, die immer wieder auffallen.

Ein weiteres heißes Thema ist eine nächtliche Wildschweinjagd in der Stadt. Mitte Mai soll gegen 23 Uhr im Wohngebiet am Konradsberg eine Bache geschossen worden sein, die Frischlinge kamen laut einer Zeugin davon. Unbekannte hätten das Tier laut einer Zeugin in ein Auto geladen. Weder Kreis noch Stadt oder Forstbehörde wussten aber von der Aktion.

Stefan Boye: Es läuft dort eine Strafanzeige wegen Jagdwilderei, die Kripo ermittelt in dem Fall. Wenn jemand im Wohngebiet schießt, braucht er eine Genehmigung und es muss eine konkrete Gefahr vorliegen, etwa wenn das Tier angefahren wurde und aggressiv reagiert. Angezeigt wurde aber bei uns nichts, wir hatten auch keinen Einsatz. Die Ermittlungen laufen nur aufgrund der Medienberichte.

Auch Giftköder beschäftigen Bürger derzeit. Im Facebook-Forum „Hennigsdorf verbindet“ wurde davor gewarnt, dass ein Hundehasser Rattengift in der Stadt auslegt.

Stefan Boye: Dazu haben wir überhaupt keine Rückmeldung, dass das tatsächlich so ist. Ich kenne dieses Gerücht auch nur von Facebook. Das Internet hat eben nicht immer Recht. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, das jemals so etwas passiert ist.

Ende 2015 ging die Direktorin der Schweitzer-Oberschule damit an die Öffentlichkeit, dass sie 21 Schüler beim Drogenkonsum erwischt hat. Wie ist die Lage jetzt?

Stefan Boye: Die Schweitzerschule ist nicht zuletzt aufgrund dieser Aktion eher unauffällig geworden. Es gibt eine hervorragende Zusammenarbeit mit uns, nichts wird unter den Teppich gekehrt. Den Konsum weicher Drogen gibt es aber mit Sicherheit im Zusammenhang mit allen weiterführenden Schulen. Wer sagt, dass es an seiner Schule keine Verstöße gibt, der ist gut beraten, sich einmal mit der Realität auseinanderzusetzen.

Ein häufiges Problem sind auch Enkeltricks. Ende April schmiss eine Veltenerin ihre kompletten Ersparnisse aus dem Fenster, weil falsche Polizisten es vor vermeintlichen Einbrechern schützen wollten.

Stefan Boye: Diese Tricks sind immer wieder und überall ein Problem, natürlich auch in Hennigsdorf. Hier hatten Unbekannte etwa im April 40 000 Euro von einem Rentner gefordert, im Juni waren es 23 000 Euro. In beiden Fällen hat der Trick allerdings nicht geklappt, weil die Betroffenen nicht darauf reingefallen sind. Wir sensibilisieren wiederholt in Seniorenheimen, wo wir meistens auf sehr verständige ältere Leute treffen. Dennoch gibt es leider immer wieder Einwohner, die darauf hereinfallen.

Von Marco Paetzel

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