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Oberhavel Wahlkampf auf Facebook
Lokales Oberhavel Wahlkampf auf Facebook
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00:18 03.03.2017
Die Online-Daten der Kandidaten. Sind viele „Likes“ ein Indiz für die Wahl im September? Quelle: Detlev Scheerbarth
Oranienburg

Wahlkampf findet nicht nur auf der Straße statt. Auch in den sozialen Netzwerken – vor allem auf Facebook – gehen die Oranienburger Bürgermeisterkandidaten auf Stimmenfang – mit teilweise ganz unterschiedlichen Ansätzen.

Einige wie Jennifer Collin (SPD), Kerstin Kausche (CDU) und Alex Laesicke (parteilos) haben öffentliche Personenseiten von sich zur Bürgermeisterwahl erstellt, auf denen sie Informationen teilen und zum Austausch anregen. „Weil nicht alle meine FB-Freunde der Oranienburger Wahlkampf in vollem Umfang interessiert“, begründet Alex Laesicke diese Entscheidung.

Jennifer Collin hat neben dem öffentlichen noch ein privates Profil: „Manchmal kommt es zu Überschneidungen“, gibt sie zu. Enrico Rossius (Linke) nutzt als Ort der Diskussion ausschließlich die Facebook-Seite der Oranienburger Linken, seine private bleibt Menschen vorbehalten, die er im realen Leben kennt. Heiner Klemp (Grüne) ist vorrangig als Privatperson unterwegs, da er keine „gespaltene Persönlichkeit“ sei.

Wir haben uns die verschiedenen Facebook-Auftritte der bisherigen fünf Bürgermeister-Kandidaten einmal genauer angeschaut:

Kerstin Kausche. Quelle: Heike Bergt

Kerstin Kausche (CDU): Die Zurückhaltende

Ihr Facebook-Titelbild zeigt Kerstin Kausche mit Leinenhose und Jeansjacke bekleidet vor dem barocken Oranienburger Schloss sitzend. Das Bild signalisiert Lässigkeit. Ihre Facebook-Präsenz wirkt aber starr und zurückhaltend. Sie teilt MAZ-Beiträge zur Bombensuche, Termine ihrer Bürgersprechstunde und Verweise auf die eigene Homepage. Dort können ihre Blog-Einträge nicht kommentiert werden. Was ihr auch durchaus schon vorgeworfen wurde. Zu Interaktionen kommt es deshalb selten. Es scheint, als nutze sie Facebook lediglich als Mittel, um auf ihre Seite hinzuweisen. „Durch die Verbindung zu meiner Website können sich interessierte Personen dort ausführlicher informieren“, sagt sie.

Viel persönlicher finde sie „Messenger“-Gespräche. Dort können Nachrichten via Facebook an sie geschickt werden. Auf Stimmenfang geht sie auf Facebook nicht. Sie möchte mit politischen Zielen und bisherigen Leistungen als stellvertretende Bürgermeisterin überzeugen. Auf dem sozialen Netzwerk fasst sie sich kurz und lässt sich selten auf Diskussionen ein. Wenn, dann kommt schnell der Verweis auf ihre Website. „Einmal Geschriebenes lässt sich nicht einfach zurück nehmen. Im Gespräch ist es möglich, mehr zu erklären oder auch zu berichtigen.“ Sie hofft auf einen fairen Wahlkampf – auch online. Für einen „Schmutzkübel-Wahlkampf“ stehe sie nicht zur Verfügung.

Heiner Klemp. Quelle: privat/Andreas Herz

Heiner Klemp (Bündnis 90/Grüne): Der Sachliche

Heiner Klemp sorgt für regelmäßigen Inhalt auf seiner privaten Facebook-Seite, meldet sich von einer Demo gegen Massentierhaltung, direkt aus Sitzungen, verlinkt Zeitungsartikel – und dreht kurze Live-Videos, in denen er Veranstaltungen ankündigt oder über die viel diskutierte Baumschutzsatzung spricht. Die neue Möglichkeit, „live auf Sendung“ zu gehen, findet er spannend. „Vor allem für den, der das Video dreht, da man in kurzer Zeit ohne Manuskript und Korrekturmöglichkeit Dinge auf den Punkt bringen muss“, sagt er. „Ob das bei den Zuschauern ankommt, da habe ich noch keine Einschätzung.“

Facebook sei für ihn direkter und schneller als klassische Printmedien. Wenn es in Kommentaren beleidigend wird, zieht er sich zurück oder reagiert mit Ironie. Aber er schätzt konträre Meinungen, die helfen, seine persönliche Sichtweise zu hinterfragen. „Ich kann daher nicht verstehen, wenn Kandidaten sich dieser Diskussion nicht stellen.“ Er mischt aktiv mit, kommentiert in Gruppen, bleibt dabei sachlich, manchmal etwas nüchtern und repetitiv, wird selten persönlich oder überschwänglich. Auf direkten Stimmenfang geht er schließlich nicht. Lust auf das Amt des Bürgermeisters hätte er, „aber ich habe auch einen interessanten Beruf und muss mir keinen Kindheitstraum mehr erfüllen.“

Jennifer Collin. Quelle: Andrea Kathert

Jennifer Collin (SPD): Die Eifrige

Von allen Kandidaten ist Jennifer Collin wohl die aktivste auf Facebook. Sie berichtet von fast jedem Schritt ihres Wahlkampfes, von Besuchen in Einrichtungen und Institutionen der Stadt, ihren Aktionen, zitiert Wählerstimmen, postet Pressemitteilungen und wenn sie Teambesprechungen hat. Möglichst zeitnah will sie informieren, möglichst nahbar rüberkommen. „Eine Facebook-Präsenz ist heute unabdingbar“, sagt sie. „Sie ersetzt aber nicht den persönlichen Kontakt.“ Den sie dann wieder postet. Ein Kreislauf, ein etwas übereifriger vielleicht.

Aber sie zeigt Präsenz, ist von allen Kandidaten bisher diejenige, die ihre Person am stärksten und vielleicht effektivsten auf Facebook „bewerben“ kann. Dennoch sei ihr das persönliche Gespräch lieber. „Dort kommt es auch seltener zu Missverständnissen.“ Der Ton im Netz sei rauer geworden. Urteile werden schnell gefällt. Konstruktive Kommentare und Denkanstöße fließen in ihre Arbeit aber mit ein. „Pöbeleien überlese ich.“ Auch in den Oranienburger Gruppen kommentiert sie fleißig. Mit den weiteren vier Bürgermeisterkandidaten kommuniziere sie bisher eher wenig. „Aktuell halte ich mich da zurück.“ Im Wahlkampf werde es noch genug Möglichkeiten zur Auseinandersetzung geben. Zudem wolle sie lieber mit eigenen Akzenten punkten.

Alex Laesicke. Quelle: Robert Roeske

Alex Laesicke (parteilos): Der Vorsichtige

„Wie man es macht, man macht es sowieso falsch.“ Das schreibt Alex Laesicke unter seinen jüngsten Facebook-Eintrag. Thema: Sein Vater Hans-Joachim. In Beiträgen stellt er neben Terminankündigen sich selbst vor, spricht über seine Parteilosigkeit, den Wachstum der Stadt und – seinen Vater. Bei fast sämtlichen Einträgen lächelt oder lacht er, zeigt meist Zähne. Für den Online-Wahlkampf hat er ein Konzept. Trotzdem wolle er niemanden mit Wahlkampf „nötigen“, will aber Schwerpunktthemen vorstellen. In Gruppen ist er so vorsichtig wie beim „Gefällt mir“- Drücken anderer Beiträge.

Dennoch habe er durch diverse Gruppen schon Aha-Effekte erlebt. Dort sieht er, was Menschen sich wünschen, wie sie (oft emotional) debattieren. „Allerdings wäre ich vorsichtig damit, die Diskussionen als allgemeines Stimmungsbild zu werten“, sagt er. „Online-Diskussionen sind nicht selten aggressiver, oberflächlicher, missverständlicher und von Parteien oder Initiativen getrieben. Gespräche in der ’echten Welt’ verlaufen völlig anders.“ Facebook sei nur ein Teil seiner Wahlkampfstrategie, „zumal nur ein Bruchteil der Oranienburger Politik auf FB verfolgt.“ Nachhaltiger sei der persönliche Kontakt. Ein Händedruck oder ein Blick in die Augen des Gegenübers könne durch Facebook-Präsenz nicht ersetzt werden.

Enrico Rossius. Quelle: Enrico Kugler

Enrico Rossius (Linke): Der Stürmische

„Ein reines Profil für den Wahlkampf, das dann bei so manchem nach der Wahl genauso verschwand wie die Hinweise der Menschen, lehne ich ab“, so Enrico Rossius. Er nutzt für seinen Online-Wahlkampf deshalb die Facebook-Seite von „Die Linke Oranienburg“. Strategie: „Transparenz, Themenorientierung und garantiert keine Bilder von unseren süßen Katzen.“ Nur ist nicht unbedingt ersichtlich, welche Beiträge zum Wahlkampf gehören. Alle? Einzig ein Beitrag lässt sich zuordnen. Er beginnt mit „Liebe Jennifer“ und thematisiert die Idee des holländischen Viertels der SPD-Kandidatin.

Auf der Seite schwirren sonst Beiträge, die polemisch angekündigt werden mit: „Oranienburger Kettensägen-Massaker verhindern!“, „Wieso sind Bildungschancen der Kinder dem SPD-Bürgermeister eigentlich egal?“. „UN-Konventionen umsetzen? Klappt mit schwarz-rot im Bund eher weniger.“ Streitbar. Wie Enrico Rossius selbst. Das passt auch wieder, versprach er schon in einem MAZ-Interview zu seiner Kandidatur, keinen persogenbezogenen Wahlkampf betreiben zu wollen. So ganz transparent ist das vom oftmals stürmisch argumentierenden Enrico Rossius allerdings nicht. Er setzt lieber auf die direkte Kommunikation. „Diskussionen und Beiträge auf Facebook verführen häufig zum Zuspitzen, Vereinfachen und lassen viel Platz zum Auslegen.“

Von Marco Winkler

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