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Wandern mit der Mülltonne

Hohen Neuendorf Wandern mit der Mülltonne

Der kreiseigene Abfallentsorger AWU hat Anwohner der Puschkinallee verärgert. Sie sollen ihre Tonnen und Gelben Säcke plötzlich bis zu 200 Meter weit zur nächsten Straßenecke bringen, damit sie abgeholt werden können. Die überwiegend älteren Leute wehren sich gegen diese Dienstleistung für den Dienstleister – und hoffen auf das klärende Vor-Ort-Gespräch.

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Stein des Anstoßes: die Sackgassen an der Bahnunterführung der Puschkinallee. Anwohner Siegfried Schild (84): „Da hier überwiegend ältere Leute wohnen, ist nicht zu verstehen, warum die Tonnen gleich bis zur Waldstraße geschafft werden sollen.“

Quelle: Helge Treichel

Hohen Neuendorf. Viele Jahre lang konnten sich die Anwohner der Stichstraßen an der Puschkinallee in Hohen Neuendorf nicht über die Serviceleistungen der Abfallwirtschaftsunion Oberhavel GmbH (AWU) beklagen. Seit Anfang September ist das anders. Von einem Tag auf den andern sollten die knapp 20 Anwohner mit ihren Müll- und Papiertonnen sowie den Gelben Säcken auf Wanderschaft gehen. Um die Dienstleistung noch in Anspruch nehmen zu können, sollen sie selbst zum Dienstleister werden: Die überwiegend älteren Anwohner werden gebeten, ihre Abfallbehälter künftig an den Fahrbahnrand der Waldstraße zur Leerung oder Abholung bereitzustellen – und zwar zwischen 6 und 16 Uhr. Der nicht genauer definierte Stellplatz ist jedoch zwischen 100 und 200 Meter von den jeweiligen Grundstücken entfernt, sagt Siegfried Schild und schüttelt verständnislos mit dem Kopf.

„Ihr Bereich der Straße ist eine Sackgasse ohne Wendeanlage für dreiachsige Entsorgungsfahrzeuge und darf nicht mehr befahren werden. “ Mit diesem Satz begründet das Entsorgungsunternehmen den überraschenden Schritt in einem Schreiben, das die Anwohner am Tag vor der nächsten Abholung in ihrem Briefkasten gefunden hatten.

Er habe großes Verständnis für die Verständnislosigkeit der Betroffenen, sagt AWU-Geschäftsführer Manfred Speder. Aber: „Es gibt gesetzliche Vorgaben von der Berufsgenossenschaft.“ Als nämlich die Stadt im vergangen Jahr – nach Kritik von der AWU – die Bordsteine richten, die desolate Fahrbahn reparieren und mit einer Asphaltdecke versehen sowie ein Geländer aufstellen ließ, sei die Straße auf nicht einmal drei Meter verengt worden. „Wir brauchen aber mindestens 3,55 Meter“, sagt Speder. Durch den Umbau sei die Ausnahmegenehmigung erloschen, die ansonsten für Wald- und Wiesenzufahrten gilt – und auf der anderen Seite der Bahnstrecke Anwendung finde. „Das Problem ist die fehlende Kommunikation mit der Kommune“, sagt Speder. „Man hätte einfach mit uns über das Umbauvorhaben sprechen müssen.“

Dieter Rutsch (74)

Dieter Rutsch (74): „Es kann nicht sein, dass sich die AWU aus ihrer Service-Verantwortung zurückzieht. Ich sehe sehr viele Ungereimtheiten in der Begründung.“

Quelle: Helge Treichel

Die Hohen Neuendorfer CDU gibt es noch einen anderen Hintergrund. Nämlich, „dass mit den immer größer werdenden Fahrzeugen und dem Verzicht auf den Einsatz eines Mitarbeiters zur Unfallsicherung die AWU das Rückwärtsfahren ablehnt.“ Fraktionsvorsitzender Christian Wolff hält es für „unzumutbar, wie die kreiseigene AWU Kosten auf unsere Bürger abwälzt“. Es werde scheinbar vergessen, dass sie in Serviceunternehmen im Eigentum der öffentlichen Hand ist, das sich nach den Bedürfnissen der Bürger ausrichten sollte. Wolff: „Hier tritt die AWU als Verhinderer von Straßensanierungen auf. Denn wie sollen wir in ähnlichen Fällen auch nur einen Stein bewegen, wenn der Verlust des Bestandsschutzes droht.

Für Dieter Rutsch steht fest: „Hier will man ein Exempel statuieren, um einen Einstieg zum Ausstieg zu begründen.“ Heute würden Sackgassen nicht mehr befahren, morgen unbefestigte Straßen oder Nebenstraßen. Über das AWU-Angebot, jede Tonne für zusätzlich zehn Euro 30 Meter weit, für 20 Euro 70 Meter weit und darüber hinaus für 30 Euro vom Grundstück abzuholen, können er und Christel Seifert nur müde lächeln.

Christel Seifert (86)

Christel Seifert (86): „Das ist eine regelrechte Posse. Für mich ist die Situation unfassbar und untragbar. Ich habe meine AWU-Einzugsermächtigung gekündigt.“

Quelle: Helge Treichel

Einen echten Kompromiss soll ein Ortstermin erbringen, zu dem die AWU für diesen Montag, 17. Oktober, zu 17 Uhr eingeladen hat. „Es gibt mehrere Möglichkeiten, die wir mit den Bürgern besprechen wollen“, sagt Manfred Speder, der auf die Teilnahme auch von Stadtverordneten hofft: „Wir wollen eine möglichst bürgerfreundliche Lösung.“

Von Helge Treichel

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