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Warum sich im Summter See die Haare kräuseln

Summt Warum sich im Summter See die Haare kräuseln

Naturkrause und Nassrasur: Eine Badende hatte geschildert, dass sich ihre Körperhaare nach dem Baden im Summter See gekringelt hätten und danach mühelos zu entfernen waren. Der Bürgermeister der Gemeinde Mühlenbecker Land veranlasste eine Wasserprobe. Das Ergebnis liegt nun vor – und gibt Aufschluss.

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Im Summter See kann bedenkenlos gebadet werden, obwohl dort Kieselalgen für natürliche Haarentfernung sorgen könnten.

Quelle: Foto: Enrico Kugler

Summt. Das Rätsel um den Summter See scheint gelöst zu sein. Eine Nutzerin aus dem Mühlenbecker Land hatte im August auf Facebook geschildert, wie sich nach dem Baden im See Haare an Beinen und Armen kringelten. Dann könne man sie mühelos entfernen. Sie gehe schon seit Jahren in diesem See schwimmen, aber so etwas habe sie noch nie erlebt. Kinder sollten ihrer Meinung nach vom See ferngehalten werden.

Erschrocken hatte der Bürgermeister der Gemeinde Mühlenbecker Land, Filippo Smaldino-Stattaus (SPD), reagiert, als er auf Anfrage der MAZ mit den Schilderungen der Facebook-Nutzerin konfrontiert wurde. Zwar sei der Summter See kein offizielles Badegewässer und Baden geschehe dort auf eigene Gefahr. Dennoch nehme er die Sache ernst. Er veranlasste, dass sofort eine Wasserprobe aus dem See entnommen wurde.

Die Untersuchungsergebnisse liegen nun vor. Im Auftrag der Gemeinde entnahm das Prüfinstitut LWU-Hygiene GmbH Proben von zwei verschiedenen Stellen des Summter Sees. Die Prüfer entdeckten in den Proben Kieselalgen der Gattung „Cyclotella“. Diese Algen besitzen ein hartes, aus Siliciumoxid bestehendes Außenskelett. Dieses könne unter bestimmten Bedingungen wie eine Rasierklinge wirken und die Körperhaare über der Haut abtrennen. So wird das Phänomen im Prüfbericht erläutert. Genau wegen dieser Eigenschaft würden die Außenskelette abgestorbener Kieselalgen beispielsweise in Reinigungsmitteln verwendet.

In dieser Ursachenforschung waren eine Forschungsgruppe der Freien Universität Berlin, Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem behilflich. Zwei vergleichbare Fälle wurden gefunden, so zum Beispiel bei einigen Badegästen im Attersee in Österreich im Jahre 1995. Eine Depilation (Entfernung des sichtbaren Teils des Haares außerhalb der Haut) trat auch 2015 bei einigen Schwimmern im Sonthofer Baggersee auf. Im Wasser war eine hohe Dichte an Kieselalgen gefunden worden.

Gleichzeitig geben die Prüfer aber Entwarnung. Denn eine chemische Reaktion mit der Haut könne ausgeschlossen werden. Denn stark reduzierende Chemikalien, die wie Enthaarungscremes wirken, seien nicht nachgewiesen worden. Der hygienische Zustand des Summter Sees weise eine „ausgezeichnete Qualität“ auf. Der Gehalt an Coli-Bakterien und Enterokokken sei sehr gering. Das Baden sei weiterhin bedenkenlos möglich. Die Prüfer betonen in ihrem Analysebericht: Derartige Fälle einer Depilation seien äußerst seltene, aber natürliche Ereignisse. Weiter heißt es: „Bei der Vielzahl an Badeseen und Badenden in Deutschland mag diese geringe Anzahl an Depilationen verwundern, zumal Kieselalgen prinzipiell in allen Seen vorkommen können. Anscheinend sind jedoch weitere zusätzliche Bedingungen erforderlich, die erst zusammen zu dem beobachteten Effekt einer Depilation führen.“

Die Gemeinde Mühlenbecker Land lässt außerdem in ihrer Mitteilung wissen, dass es mit der „natürlichen Haarentfernung“ im Summter See bald vorbei sei, weil die nun allmählich einsetzende Abkühlung des Seewassers das Algenwachstum in nächster Zeit bremsen werde.

Von Marion Bergsdorf

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