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Was eine Frau beim Notruf erlebte

Wenn Retter absagen Was eine Frau beim Notruf erlebte

Sie hatte starke Schmerzen, konnte sich kaum bewegen – da rief eine Oranienburgerin die 112 an und wurde abgewiesen. Noch in der Nacht ist die Frau auf eigene Faust ins Krankenhaus gefahren, wenig später ist sie operiert worden. Die MAZ hat bei der Notruf-Leitstelle nachgefragt und eine überraschende Antwort bekommen.

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Symbolbild

Quelle: dpa

Oranienburg. Am 13. November hat Cordula Lange aus Oranienburg ihr Vertrauen in den Rettungsdienst ein Stück weit verloren. Am Abend dieses Tages wurde sie nach dem Essen von „einem Becher Milchreis, Brot und Quark“ von starken Schmerzen im Bauch geplagt: „Ich konnte wirklich kaum aufrecht stehen“, erinnert sie sich. Gegen 20 Uhr habe sie schließlich die 112 angerufen, den Notruf gewählt. Dort sei man ihr ziemlich barsch gekommen und auf ihre Auskunft hin, was sie gegessen habe, „sagte man mir, wer weiß, wie viel Kilo Milchreis sie gegessen haben“. Um 23.30 Uhr hielt sie es nicht mehr aus, wählte erneut die 112. Diesmal habe sie der selbe Mitarbeiter „ausgelacht und verhöhnt und mir geraten, wenn sie in Oraneinburg wohnen, laufen sie doch zum Krankenhaus. Ich konnte kaum stehen und es sind fünf Kilometer bis zur Rettungsstelle.“ Gegen Mitternacht nahm sie ein Taxi und fuhr schließlich zum Krankenhaus, wo sie noch am selben Tag, am Mittag des 14. November, operiert worden ist. Der Ultraschall ergab, dass sie Gallensteine hat und die Gallenblase akut entzündet war und entfernt werden musste. Inzwischen ist sie wieder zu Hause und auf dem Weg der Besserung, aber sie versteht auch die Welt nicht mehr. „Ich habe Angst, wenn mal wieder was ist, die 112 anzurufen.“ Sie sei absolut nicht der Mensch, der aus Jux und Tollerei die Rettungsstelle anrufe: „Was ist denn mit unserem Gesundheitssystem los?“ fragt die Oranienburgerin.

Cordula Lange aus Oranienburg  traut sich jetzt einfach nicht mehr, im Fall der Fälle den Rettungsdienst zu rufen

Cordula Lange aus Oranienburg traut sich jetzt einfach nicht mehr, im Fall der Fälle den Rettungsdienst zu rufen.

Quelle: Morgner

Sven Kobelt, Sachgebietsleiter der Leitstelle in Eberswalde, gibt auf Nachfrage der MAZ folgende Antwort: „Aufgabe der Mitarbeiter in den Leitstellen für Feuerwehr und Rettungsdienst sei es unter anderem, durch gezielte Fragen festzustellen, ob eine lebensbedrohliche Situation vorliegt.“ Frau Lange habe sich „am 13. November um 23.31 Uhr erstmals in der Leitstelle gemeldet und klagte über Magenschmerzen, die seit mehreren Tagen immer mal wieder vorhanden wären. Sie berichtete über eine mehrfache Tabletteneinnahme, die keine Linderung brachte. Sie teilte noch mit, dass sie nicht mehr richtig stehen könne.“ Für den Mitarbeiter der Leitstelle sei keine lebensbedrohlichen Situation erkennbar gewesen, die Empfehlung, zum Hausarzt oder in die Rettungsstelle zu gehen, sei nicht zu beanstanden.

Personal wird für Notrufdialoge geschult

Die Auswertung der Tonbandaufzeichnungen belegten Nachfragen des Mitarbeiters, „bestätigen aber nicht die Aussagen des Mitarbeiters“, wie von Cordula Lange behauptet. Er habe auf eine Vorstellung in der Rettungsstelle hingewiesen, „der Hinweis auf eine Alternative, den kassenärztlichen Notdienst, konnte er nicht mehr übermitteln, da Frau Lange das Gespräch mit dem Hinweis beendete, den Mitarbeiter der Leitstelle im Bedarfsfall zur Verantwortung ziehen zu wollen. Um 23.38 Uhr meldete sich Frau Lange ein weiteres Mal“, habe das Telefonat aber beendet.

So unangenehm die Situation von Frau Lange zum Zeitpunkt des Anrufes auch gewesen sei: „Eine Einsatzindikation für die Notfallrettung war objektiv und auch aus rechtlichem Aspekt zu diesem Zeitpunkt nicht erkennbar“, so Kobelt. Die Ressourcen des Rettungsdienstes seien begrenzt, müssten bedarfsgerecht eingesetzt werden. Er verwies darauf, dass das Personal für Notrufdialoge geschult werde. Er bedauerte, dass den Mitarbeitern der Leitstellen immer öfter mit strafrechtlichen Konsequenzen gedroht werden, „dass kann aber keine Grundlage für eine Entscheidung sein“, so Sven Kobelt.

Von Heike Bergt

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