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Wasserqualität: Unklare Aussichten für Stolpe

Stolpe, Hennigsdorf, Glienicke Wasserqualität: Unklare Aussichten für Stolpe

Die Berliner Wasserbetriebe haben ein Sondermessprogramm zur Trinkwasserqualität im Wasserwerk Stolpe gestartet – als Reaktion auf Kritik. Damit wollen sie dokumentieren, dass ihr Wasser in jeder Hinsicht den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Doch die Kritik aus Glienicke reißt nicht ab und aus Hennigsdorf droht weiteres Ungemach.

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Rund 10 000 Tonnen verseuchter Boden wurden in Hennigsdorf schon abgebaggert, das Grundwasser wird kontrolliert. Weitere 11 500 Tonnen sollen nun entfernt werden.

Quelle: Robert Roeske

Stolpe/Glienicke/Hennigsdorf. Wie gut ist das Trinkwasser aus dem Wasserwerk in Stolpe, das den Berliner Norden und den Südzipfel des Oberhavelkreises versorgt? Zweifel an der Qualität waren aufgekommen, als Glienicker Einwohner eine leichte Gelbfärbung bemerkten (MAZ berichtete). Als Reaktion starteten die Berliner Wasserbetriebe als Werksbetreiber im Juni ein Sondermessprogramm. Die Ergebnisse stellte Dietmar Peterson, Leiter für Qualitätssicherung, am Donnerstagabend vor Kommunalpolitikern in Glienicke vor. Das Fazit: „Das gelieferte Trinkwasser entspricht den gesetzlichen Anforderungen, insbesondere der Trinkwasserverordnung“, so Petersohn.

In allen gemessenen Wasserproben sei der Standard-Grenzwert für die Färbung eingehalten worden. Allerdings seien weitere Untersuchungen nötig, um die Schwankungen im Reinwasser zu ermitteln. Denn Messungen vom Technologiezentrum Wasser (TZW) Dresden hatten eine „deutliche Schwankung“ der scheinbaren Färbung bestätigt.

Dietmar Petersohn (l) in Glienicke

Dietmar Petersohn (l.) in Glienicke.

Quelle: Helge Treichel

Zwei weitere Messprogramme flankieren die TZW-Analysen, eines vom eigenen Labor der Berliner Wasserbetriebe, eines von einem unabhängigen Labor im Auftrag des Gesundheitsamtes Oberhavel. Zehn Probenentnahmestellen in Hohen Neuendorf (2), Birkenwerder, Schönfließ, Schildow, Mühlenbeck/Summt, Borgsdorf, Bergfelde und Glienicke (2) gibt es – und in beiden Messprogrammen werde die Trinkwasserverordnung eingehalten, beteuerte Dietmar Petersohn. Joachim Tetzlaff aus Glienicke allerdings, der den Stein gemeinsam mit seinem Nachbarn Helmut Kimmling ins Rollen brachte, kritisiert die Analyse. Es würden Medianwerte betrachtet, also statistischen Mittelwerte. Wenn mit diesen Angaben Grenzwerte knapp eingehalten würden, müsse es folglich auch Überschreitungen geben.

Die Färbung stamme von Huminstoffen, die dem Wasser von den Torfschichten im Einzugsgebiet des Wasserwerkes mitgegeben werden, erläuterte der Qualitätssicherer. Als Maßnahmen kündigte er Färbungskontrollen am Wasserwerksausgang an – „mindestens zweimal pro Woche“. Seit Ende Oktober gebe es zudem eine permanente Onlinemessung. Und 20 von 91 Brunnen sollen bis 2018 erneuert werden. Diese Brunnen der Galerie Borgsdorf liefern besonders klares Wasser, das dann zum „Mischen“ genutzt werden soll.

Die Brunnengalerie Borgsdorf mit ihren 20 Einzelbrunnen soll bis 2018 regeneriert  werden

Die Brunnengalerie Borgsdorf mit ihren 20 Einzelbrunnen soll bis 2018 regeneriert werden.

Quelle: Robert Roeske

Eine Gefahr für das Trinkwasser lauert aber etwa einen Kilometer vom Wasserwerk entfernt. Etwa 24 Tonnen Alkylphenole – potenziell krebserregend Stoffe – sind auf einem 18 000 Quadratmeter großen Gelände der alten Schwelgasanlage im Hennigsdorfer Gewerbegebiet Nord 4 nachweisbar. Über das Thema diskutierten am Donnerstag die Abgeordneten des Hennigsdorfer Bauausschusses. Das Problem: Die Teeröle bis in acht Metern Tiefe sind leicht löslich und fließen mit dem Grundwasser Richtung Wasserwerk.

Es ist eine unfassbare Umweltsünde: Ab Anfang der 1950er-Jahre bis 1976 wurde in der Anlage Braunkohle zur Gasgewinnung verschwelt, vermutlich über Löcher im Keller gelangten die Schadstoffe über Jahrzehnte ins Erdreich. Sie seien heute zwar im Wasser eines der Brunnen nachweisbar, allerdings in sehr geringen Mengen. „Momentan ist das keine akute Gefahr für die Trinkwassergewinnung“, so Sven Wiese, Chef der Gesellschaft für Kommunale Immobiliendienstleistungen (GKI).

Der Boden soll ausgetauscht werden, denn die Schadstoffe würden sich im Laufe der Zeit weiter ausbreiten. Etwa 11 500 Tonnen kontaminierter Erde werden ab Sommer 2017 abtransportiert. Das Erdreich soll durch Bohrlöcher nach oben befördert werden. Mehr als 3,6 Millionen Euro soll das kosten, etwa 215 000 Euro steuert die Stadt bei. Die Maßnahme ist Teil des Ökologischen Großprojekts Region Oranienburg. Seit Anfang der 1990er-Jahre werden Industrieböden saniert, damit sie wieder für Investoren nutzbar werden.

Zugang zum Wasserwerk in Stolpe

Zugang zum Wasserwerk in Stolpe.

Quelle: Robert Roeske

Es ist nicht die erste Maßnahme auf dem Gelände der alten Schwelgasanlage. Schon 2003 begann die erste Sanierung, fünf Jahre später die zweite. Rund 10 000 Tonnen verseuchter Boden und Bauschutt, etwa 33 Tonnen Teer und mehr als 800 Liter Öl wurden aus dem Boden geholt und etwa 24 Millionen Liter Grundwasser gereinigt. Die Qualität des Wasser muss aber auch nach der dritten Sanierung noch über Jahre beobachtet werden.

Als sich Glienickes Bürgermeister Hans G. Oberlack (FDP) nach dem Gefahrenpotenzial aus Hennigsdorf erkundigte, beschwichtigte Petersohn. Bisher sei im Wasserwerk „noch nichts festgestellt“ worden. Ohnehin wirke die Havel als „natürliche Barriere“.

Von Helge Treichel

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