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Wasserturm und Rathaus

Oranienburgs City vor 200 Jahren Wasserturm und Rathaus

Der Schlossplatz in Oranienburg bot Mitte des 18. Jahrhunderts ein hervorragendes architektonisches Bild, wie es in einer Chronik heißt. Ein markantes Gebäude war der Wasserturm. Das prächtige Rathaus war schon 1711 eingeweiht worden.

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Oranienburg City 1795 mit Wasserturm, Amtshaus, Neuer Marstall und Rathaus. Das Originalbild eines unbekannten Künstlers befindet sich im Kreisarchiv Oberhavel.

Quelle: Bodo Becker

Oranienburg. In der Nähe des neuen Amtshauses, unmittelbar an der Havel gelegen, entstand ein technisches Bauwerk, das die Stadtsilhouette gegenüber dem Schloss mitprägte. Durch Johann Friedrich Eosander (Hofbaumeister, 1670-1729) ließ Friedrich I. eine Erweiterung und Ausgestaltung des Lustgartens vornehmen, was auch eine Erneuerung der Anlagen für die Wasserspiele erforderlich machte.

1702 wurden deshalb die hölzernen Wasserrohre gegen eiserne ausgetauscht. Für den benötigten Wasserdruck errichtete Eosander einen massiven Wasserturm. Vom 25 Meter hohen Turm liefen unter dem Schlossplatz drei Hauptleitungen entlang. Grundlegende Veränderungen in Aussehen und Funktion erfuhr das Jagdzeughaus. 1695 war es die Wohnung des reformierten Hofpredigers geworden. Die Stadt brachte es 1709 durch Tausch gegen ein Grundstück an der Pfarrkirche in ihren Besitz. Mit dem Verkauf von Holz finanzierte der Magistrat den Umbau des Hauses zum städtischen Rathaus. Dabei erhielt es eine neue Fassade, die bis in die 1950er Jahre erhalten geblieben war. Der Bau war im Jahre 1711 beendet, so dass am 6. Juli der Magistrat seine erste Sitzung im nunmehr prächtigen Rathaus abhalten konnte.

Im Verlauf der letzten Restaurierung (zweite Hälfte der 1950er Jahre) entdeckte man die ursprüngliche Putzfarbe. Es war ein helles Ziegelrot, durch das man den Eindruck holländischer Backsteinbauten erreichen wollte. 2004 fanden die Archäologen noch eine Vielzahl der leuchtend roten Ziegelsteine in der Erde. Der Architektur des holländischen Klassizismus entsprach auch die vertikale Mittelbetonung der Fassade und des Mansardwalmdaches, wie sie durch die profilierte hölzerne Umrahmung des Portals, den Uhrenturm mit Schweifhaube und einer Wetterfahne mit dem Fischsymbol aus dem Oranienburger Wappen hervorgerufen wurde. Dieser Dachreiter zeigte die Verwandtschaft zu den märkischen Barockrathäusern von Prenzlau, Templin und Lychen. Die architektonische Anlehnung an das Amtshaus war unübersehbar. Das Hauptgesims mit Balkennägeln, die Fensterprofile, das Portal und auch das gewalmte Mansarddach zeigten weitgehende Ähnlichkeit. Erst im Jahre 1789 erhielt der Rathausturm seine Uhr. Nur das obere Stockwerk nutzte der Magistrat für Zusammenkünfte. In der ersten Etage des Hauses befand sich der Ratskeller, der vom Ratspächter bewirtschaftet wurde. Er besaß in Oranienburg das Monopol für den Bier- und Weinausschank.

Natürlich war auch der Schlossplatz selbst Stätte des alltäglichen und festlichen Geschehens der Stadt. Dazu gehörte der Wagenverkehr, denn immerhin führten seit dem Ende des 17. Jahrhunderts zwei wichtige Straßen über ihn hinweg. Er war aber auch Handelsplatz. Bereits 1697 hatte der damalige Kurfürst Friedrich III. dem Magistrat Privilegien zum Abhalten von Märkten verliehen. Heute kann man sich buntes Markttreiben auf dem Schlossplatz vor dem ehemaligen Rathaus nur noch schwer vorstellen. Das Anlegen von „Fleisch- und Brotbänken“ sowie „Krambuden“ erlaubten königliche Privilegien aus dem Jahre 1716. Der Glanz barocker Hoffeste absolutistischer Herrschaft entfaltete sich im Schloss und auf dem Schlossplatz anlässlich der Krönung und des Einzugs des ersten Preußenkönigs. Wenige Tage nach der Rückkehr aus Königsberg, am 21.März 1701, kam König Friedrich I. in seine kleine Residenz Oranienburg, die dem Monarchen einen festlichen Einzug darbrachte. Schon die Krönung selbst hatten das Schlosspersonal und die Bürgerschaft mit einem Gottesdienst, einer Parade und einer Beleuchtung von Schloss und Amtsgebäuden festlich begangen.

2012 legten Archäologen die Pfahlgründung des Wasserturms frei und fanden den Grundstein aus dem Jahre 1710

2012 legten Archäologen die Pfahlgründung des Wasserturms frei und fanden den Grundstein aus dem Jahre 1710. Heute steht die Stadtbibliothek an dieser Stelle.

Quelle: Bodo Becker

Als Vorfeier des Einzugs fand am 19. März die erste Einweihung eines Standbildes auf dem Schlossplatz statt. Die vom flandrischen Bildhauer Gabriel de Grupello (1644-1730) im Jahre 1692 aus weißem Marmor gefertigte Figur stellte den nunmehrigen König noch als Kurfürst dar. Im Verlauf seines Einzugs musste der König durch drei Ehrenpforten. Große Porzellanpyramiden sollten den besonderen Reichtum des Schlosses aufzeigen, aus deren Beständen sich die Festdekorateure bedient hatten. Die nachfolgenden Jahrzehnte brachten für den Schlossplatz keine bemerkenswerten Veränderungen. Ballhorn kennzeichnete Oranienburg in seiner Stadtgeschichte wie folgt: „Doch die ganze Beschaffenheit der Stadt war ja noch der Art, dass nur der Schlossplatz, die Breite- und Berliner Straße ein einigermaßen städtisches Ansehen hatten. Noch im Jahre 1722 gab es vierzehn mit Eichenspänen gedeckte Häuser und viele mit Rohr und Stroh gedeckte Ställe und Scheunen in der Stadt.“

Erst Prinz August Wilhelm (1722-1758), der Bruder von König Friedrich II. (1712-1786) und neuer Besitzer des Schlosses, wandte sich ab 1742 wieder Oranienburg zu. Er ließ unter anderem die beiden Vorderflügel für das Schloss bauen. „Um diese Zeit muss der Schlossplatz ein architektonisch geradezu hervorragendes Bild geboten haben“ schreibt Max Rehberg im Jahre 1934. Für unser Thema bietet erst der Beginn des 19. Jahrhunderts bemerkenswerte Vorgänge im Bereich des Schlossplatzes. In der Nacht vom 26. zum 27. Juli 1810 stand der Leichnam der Königin Luise (1776-1810, Gattin von Friedrich Wilhelm III.) in einem mit schwarzem Tuch verkleideten Bretterhaus auf dem Schlossplatz. Der Name Luisenplatz erinnerte bis 1945 an dieses Ereignis.

Nur drei Jahre später rückte der Schlossplatz in das Zentrum militärischer Ereignisse während der Befreiungskriege. Am 7.8. 1813 traf das Hauptquartier des schwedischen Kronprinzen Jean-Baptiste Bernadotte (1763-1844, ab 1818 als Karl XIV. Johann schwedischer König), Führer der alliierten Nordarmee gegen Napoleon, in Oranienburg ein. Bernadotte selbst nahm sein Quartier im Amtshaus. Hier fand auch der berühmte Kriegsrat mit führenden Generälen statt.

Von Bodo Becker

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