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Wegwerf-Windel könnte bald ausgedient haben

Öko-Idee aus Brandenburg Wegwerf-Windel könnte bald ausgedient haben

Dominic Franck möchte nichts Geringeres, als die handelsübliche Einwegwindel zu revolutionieren. Endlich komplett erdölfrei und kompostierbar, soll das Massenprodukt vom brandenburgischen Mühlenbeck (Oberhavel) aus die Welt erobern. Dazu hat der promovierte Chemiker ein neues Granulat als Wasserspeicher entwickelt – das wäre sogar essbar.

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Dominic Franck mit einem Tütchen seines Super-Absorbers und dem ersten Einsatzgebiet – Windeln.

Quelle: Helge Treichel

Mühlenbeck. „Irgendwann hat mich der wissenschaftliche Eifer gepackt“, sagt Dominic Franck. Der promovierte Chemiker möchte nichts Geringeres, als die handelsübliche Wegwerfwindel zu revolutionieren. Endlich komplett erdölfrei und kompostierbar, soll das Massenprodukt vom brandenburgischen Mühlenbeck (Oberhavel) aus die Welt erobern. Denn was auch er sich erst bei der Geburt seiner zweiten Tochter vor Augen geführt hatte: In einer herkömmlichen Windel stecken bis zu 200 Milliliter Rohöl. Und so hat der 36-jährige gebürtige Schweizer so lange getüftelt, bis er auch das Herzstück einer jeden Einwegwindel, den saugstarken „Superabsorber“, aus modifizierter Kartoffelstärke synthetisieren konnte. Das weiße Pulver ist sogar essbar, sagt Franck und nimmt eine Prise. „Im Abgang etwas salzig“, beschreibt er grinsend den Geschmack.

Mehr als eine Tonne Windel-Müll pro Kind

„Die Einwegwindeln füllen bei uns zu Hause zu zwei Dritteln die Mülltonne“, sagt Dominic Franck. Darufhin sei er ins Grübeln gekommen. Denn es entstehe ein gigantischer zusätzlicher Abfallberg. In den zwei bis drei Jahren bis ein Kind trocken ist, sei das mehr als eine Tonne. Ganz nebenbei würden kostbare Ressourcen wie Erdöl verschwendet. Franck und seine Frau, die 15 Jahre Vertriebserfahrung hat, begannen zu recherchieren, ob es Alternativen gibt. „Leider hat uns keine Windel überzeugt, da auch alle so genannten Biowindeln Erdölprodukte für den Saugkern einsetzen.“ Gemeinsam riefen sie die Elternkampagne „Fairwindel“ ins Leben. Ziel ist die erste vollständig kompostierbare Windel, welche nicht nur kein Erdöl verbraucht, sondern auch frei von Schadstoffen und Parfüm und durch Bienenharz (Propolis) entzündungshemmend ist. Fair soll die Windel sowohl zur Umwelt sein, als auch zu Eltern: „Wir verzichten auf teuere Werbung und geben diesen Preisvorteil an die Kunden weiter.“ Das kalkulierte Ergebnis sei eine Windel, die preislich mit dem Marktführer mithalten kann und keinerlei Nachteile mit sich bringt. Im Gegenteil.

Im Abgang leicht  salzig

Im Abgang leicht salzig: das neu entwickelte Granulat.

Quelle: Helge Treichel

Mit dieser Idee und ihrem Konzept erreichte das Paar im Juli den dritten Platz beim BusinessplanWettbewerb Berlin-Brandenburg. In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen RAD Medical mit Sitz bei Potsdam werde die neue Windel entwickelt, wobei es Produkte mit einer wasserdichten Außenhülle aus Maisstärke bereits gibt. In dieser Woche spricht Dominic Franck bei einem Dresdener Unternehmen vor, das als Großhersteller des von ihm entwickelten Superabsorbers in Frage kommt.

Der Trick mit den zwei Molekülketten

Nächtelang hatte der Chemiker Literatur studiert und im Internet recherchiert, um sein aus deutschen Kartoffeln herstellbares Polyacrylpolymer zu entwickeln. In Gedanken habe er den Wasserspeicher auf molekularer Ebene zusammengebaut. Der Trick sind zwei verbundene Molekülketten. Die erreichen in Experimenten 70 Prozent der Saugkraft vergleichbarer Erdölprodukte. Eine konventionelle Windel hat immerhin eine Aufnahmekapazität von bis zu 0,8  Litern. Sie wird allerdings auch nicht innerhalb von 90 Tagen zur Hälfte kompostiert.

Weitere Anwendungsbereiche bereits ausprobiert

Nebenbei experimentiert Dominic Franck bereits mit weiteren Anwendungsgebieten seines Granulats. „Ich verwende es im Garten“, sagt er. Wasser werde so länger im Boden gespeichert. Sogar Waldbrände ließen sich damit bekämpfen. Aber die Fair-Windel, die sei ihm eine „Herzensangelegenheit“, sagt der Mühlenbecker, der gegenwärtig als Abteilungsleiter in einem mittelständischen Medizin-Technik-Unternehmen tätig ist und sich mit seiner Entwicklung selbstständig machen möchte. Anfang nächsten Jahres will er den Windel-Prototyp in der Hand halten und an seiner jetzt 13 Monate alten Tochter testen.

Hilfe für Unternehmensgründer

Der Businessplan-Wettbewerb (BPW) Berlin-Brandenburg unterstützt Unternehmensgründerinnen und -gründer seit 20 Jahren kostenlos beim Erstellen eines Geschäftskonzeptes.

Die Francks suchen nun Unterstützer für ihre Fairwindel-Kampagne. Verantwortungsbewusste Eltern können ihre Idee unterstützen, indem sie sich in den Newsletter auf www.fairwindel.de eintragen. Auf der Seite sind zudem nähere Informationen abrufbar, ebenso unter Twitter (@fairwindel) oder Facebook (Fair Family).

Von Helge Treichel

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