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Weißer Ring hilft Veltener Rollstuhlfahrerin

Tag des Kriminalitätsopfers Weißer Ring hilft Veltener Rollstuhlfahrerin

Der 22. März ist der Tag des Kriminalitätsopfers. Karola Hartmann aus Velten ist ein Opfer, dem dank des Weißen Rings Oberhavel jetzt geholfen werden konnte. Ihr wurde der Joystick für den elektronischen Rollstuhl geklaut. Versicherungen weigerten sich, für den Schaden aufzukommen.

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Karola Hartmann (Mitte) ist wieder mobil: Ihr gestohlener Joystick wurde ihr vom Weißen Ring ersetzt, übergeben von den Mitarbeiterinnen Jana Baumgartl (links) und Michaela Krause (zweite von rechts).

Quelle: Marco Winkler

Velten. Für Karola Hartmann aus Velten hat sich der 8. September vorigen Jahres ins Gedächtnis eingebrannt. Es war der Tag, als sie ein weiteres Stück Freiheit verlor. Die 54-Jährige hat zwei Schlaganfälle hinter sich, ist auf ihren elektrischen Rollstuhl angewiesen. Sie hat Pflegestufe zwei. Anfang September dann der Schock: Der Joystick, der ihr Fortbewegungsmittel antreibt, wurde entwendet. „Dabei stand der Rollstuhl vor unserer Wohnungstür“, sagt sie. Eigentlich schraubt sie den aufsetzbaren Joystick immer ab, aber an diesem Tag hatte sie es vergessen.

Mit ihrem Mann Wolfgang Hartmann wohnt sie im Neubaugebiet, zweiter Stock mit Aufzug. Die Wohnung ist klein, 58 Quadratmeter. Ihr Rollstuhl passt nicht durch die Tür, deshalb steht er im Hausflur. „Ich habe zuerst bei Nachbarskindern gefragt, ob sie ihn aus Versehen mitgenommen haben.“ Diese verneinten. Also ging Familie Hartmann zur Polizei. Die Beamten rieten dem gesundheitlich angeschlagenen Paar, sich bei den Opferhelfern des Weißen Rings zu melden. Jana Baumgartl, ihr Sohn Uwe und Michaela Krause untersuchten dort den Fall. „Als erstes müssen wir immer prüfen, ob echte Hilfsbedürftigkeit besteht“, so Jana Baumgartl, stellvertretende Außenstellenleiterin des Weißen Rings in Oberhavel. Sie weiß: Ab und zu wird das Hilfsangebot ausgenutzt. Bei Familie Hartmann war das nicht der Fall.

Versicherungen wollten nicht zahlen

Michaele Krause hakte nach, bei Versicherungen und Krankenkassen, ob sie für den Diebstahl aufkommen würden. „In der Hausratsversicherung ist so ein Schaden nicht drin“, sagt sie. Die Versicherung warf den Hartmanns sogar vor, Beiträge nicht gezahlt zu haben. „Das konnte wir alles widerlegen“, so Michaela Krause. Die Hoffnung auf Kulanz oder Dringlichkeit waren vergebens. Das letzte Wort ist jedoch noch nicht gesprochen. „Die Krankenkasse hätte eigentlich zahlen müssen, weil Karola Hartmann Pflegestufe zwei hat“, so Michaela Krause. Jetzt haben sich sogar die Anwälte der Bundesgeschäftsstelle in Mainz eingeschaltet. Familie Hartmann bringt das Ringen der Anwälte erst einmal nichts.

„Meine Frau kann keine zwei Meter ohne den elektrischen Rollstuhl unterwegs sein“, so ihr Mann Wolfgang. Einkaufen gingen sie sonst zu Netto . Ein kurzer Fußweg. Aber selbst der ist Karola Hartmann zu anstrengend. „Wir wussten, jetzt müssen wir schnell helfen“, erzählen Michaela Krause und Jana Baumgartl, die den Hartmanns ein Stück Lebensqualität zurückbrachten.

„Jeder kann jederzeit Opfer werden“

Sie beauftragten eine Firma, bekamen einen Kostenvoranschlag für den Joystick. Montag konnten sie ihn übergeben, zusammen mit Dirk Schwedt von der zuständigen Firma Memotec aus Oranienburg. Gleich losfahren kann Karola Hartmann aber nicht. „Der Akku ist leer, wurde zu lange nicht gebraucht“, so Dirk Schwedt. Die Batterien, die sich unter dem Sitz befinden, wird er in den kommenden Tagen austauschen.

Für Jana Baumgartl ist der Fall stereotypisch: „Jeder kann jederzeit Opfer werden, ob von häuslicher Gewalt oder einem Diebstahl“, sagt sie. Woran es mangele, seien gute Psychologen, die Opfer fachgerecht betreuen. „Im Kreis gibt es kaum welche.“

Karola Hartmann ist glücklich, dass der Weiße Ring eingesprungen ist. Jetzt kann sie wieder mit ihrem kleinen Hund Strolch Gassi gehen. Und bald ziehen sie und ihr Mann in eine barrierefreie Wohnung „gleich um die Ecke.“

Weißer Ring Oberhavel

Der Weiße Ring ist ein gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern. Es gibt rund 50 000 Mitglieder, davon rund 3 000 ehrenamtliche Opferhelferinnen und -helfer.

Am 24. September 2016 feiert der Weiße Ring seinen 40. Jahrestag. Gegründet wurde er 1976 in Mainz.

Ein Infomobil wird am 21. Mai 2016 auf dem Schlossplatz in Oranienburg stehen. Anlass ist der Blaulichttag der Polizei.

Auf Spenden angewiesen : Die Kontonummer ist Weißer Ring e.V., IBAN: DE05370205000007234302, BIC: BFSWDE33XXX

Die Telefonnummer der Außenstelle Oberhavel: 0151 55164717

Von Marco Winkler

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