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Oberhavel Weniger Lärm, aber geflogen wird weiter
Lokales Oberhavel Weniger Lärm, aber geflogen wird weiter
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11:58 23.09.2017
Jan-Dietrich Hempel (hinten) auf der Anlage in Gransee. Quelle: Uwe Halling
Gransee

Es hatte schon fast etwas von einem gläsernen Flugplatz. Nga Dieu und Jan Dietrich Hempel sprachen am Donnerstagabend in einer Offenheit über die Aktivitäten von Go Jump, wie es die Einheimischen bislang nicht kannten. Die neuen Eigentümer und Betreiber des in Ziegelscheune ansässigen Fallschirmsprung-Unternehmens haben augenscheinlich nichts zu verbergen, spielen mit offenen Karten, wollen sich einbringen, sind kommunikativ, beschönigen aber auch nichts. Eines machten sie in der Vorstellungsrunde während der Stadtverordnetenversammlung – die Gästestühle waren fast alle besetzt – deutlich: „Es ist ein Unternehmen, welches wirtschaftlich arbeiten muss.“

„Die Lärmbelastung soll möglichst gering bleiben.“

Die neuen Eigentümer kennen die Sorge vieler Granseer um den Fluglärm. Hempel zählte auf, was Go Jump seit der Übernahme der Firma Anfang dieses Jahres bereits getan hat, um da gegenzusteuern. So wurde ein schnelleres und wesentlich leiseres Flugzeug angeschafft, welches die Tandem- und Sportspringer auf die Höhe von 4000 Meter bringt (in elf statt 20 Minuten). „Die Lärmbelastung soll möglichst gering bleiben.“ Die Flugrouten sollen wechseln. Peter Seel von der Bürgerinitiative No Jump machte dazu andere Beobachtungen. „Es ist anhand von Flightradar nachgewiesen, dass der Pilot mehrheitlich in den Norden, aber auch mal in den Süden fliegt, aber fast gar nicht in den Westen.“ Hempel erklärte, „dass es verschiedenste Einflüsse gebe, die nicht in der Macht von Go Jump stünden. Dazu zählte er das Wetter (Wind), oder Anweisungen der Luftraumkontrolle.

Viele Gäste bei der Stadtverordnetenversammlung – das gibt es selten. Quelle: Stefan Blumberg

Manuela Röhken schilderte ihre Beobachtungen in ihrem Wohnort Kraatz: „Wenn das Flugzeug in geringer Höhe immer wieder über die selben Stelle fliegt, ist mir das sehr unangenehm, da wird man beobachtet.“ Besonders betroffen vom Fluglärm ist Rose Berger, die nur ein paar Meter vom Flugplatz entfernt wohnt. „Da entwickelt man Ohnmachtsgefühle. So möchte ich nicht bis zu meinem Ende leben. Ich fühle mich stark eingeschränkt.“ Was die Lärmbelastung betrifft, wenn das Flugzeug in der Luft ist, plädiert sie dafür, den Lärm solidarisch auf alle zu verteilen.

Kaum Hoffnung auf Mittagsruhe am Sonntag

Hempel redete nicht drumherum: „Ihr Haus ist so nah dran, den Fluglärm werden Sie immer hören.“ Auch den Wunsch von Marc Berger, die Einsatzzeiten zu reduzieren (zum Beispiel Mittagsruhe am Sonntag), werden die beiden Unternehmer wohl nicht umsetzen. „Da will ich Ihnen kaum Hoffnung machen.“ Am Wochenende wollten die meisten springen. In der Woche gingen sie arbeiten, am Wochenende hätten sie frei. An guten Samstagen gebe es etwa 25 bis 30 Flüge.

Eine Lanze für Go Jump brach die Stadtverordnete Ines Engelke (SPD): „Ich bin froh, dass Sie hier sind. Ich weiß von vielen Menschen in der Stadt, die bemerkt hätten, dass Sie lärmeinschränkend fliegen.“ Sie erhielt Applaus für dieses Statement.

Derweil zählte Jan Dietrich Hempel einige Veränderungen im Betrieb auf, die im ersten Jahr seit der Übernahme („Es war wegen des Wetters eine sehr schlechte Saison.“) bereits verändert wurde und woran noch gefeilt werde: man arbeite mit sechs Festangestellten (vorher war es ein freies Beschäftigungsverhältnis), zahle die Steuern in Gransee, biete Events an, verbessere das Verhältnis zur Fallschirmsportgemeinschaft, habe eine Auszubildende (aus Zootzen), unterschreite die Emissionswerte deutlich, setze sich mit Beschwerden auseinander, sei bereit, mit Schulen zusammenzuarbeiten, suche für die Mitarbeiter feste Unterkünfte. Sie sind bisher auf den Campingplatz untergebracht. Für sie soll eine Immobilie gesucht werden. Jan-Dietrich Hempel stellte klar: „Wir wollen langfristig bleiben.“

Sigrid Schlauer ist die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Flugplatz. Sie wurde eigens gegründet, um sich mit dem sensiblen Thema zu befassen. Der vorherige Go-Jump-Besitzer Mike Vetter lehnte eine Zusammenarbeit ab, die beiden neuen Inhaber stimmten sofort zu, beim nächsten Treffen dabei zu sein.

Von Stefan Blumberg

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