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Wenn Modelmaß zur Krankheit wird

Oberhavel Wenn Modelmaß zur Krankheit wird

Donnerstag startet eine neue Staffel von „Germanys next Topmodel“. Immer wieder steht das Format in der Kritik, ein verheerendes Idealbild zu propagieren. Resultat: Essstörungen. Auch in Oberhavel sind Magersucht und Bulimie unter Jugendlichen nach wie vor ein Thema.

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Ab heute laufen sie wieder: Die Teilnehmerinnen bei „Germanys next Topmodel“. Viele Mädchen sind dabei erschreckend dünn.

Quelle: ProSieben

Oberhavel. „Für dich habe ich leider kein Foto.“ Wenn „Germanys next Topmodel“ am Donnerstag mit einer neuen Staffel an den Start geht, wird Heidi Klum ihren berühmten Satz erneut aufsagen dürfen. Vor ihr: Models, oft sehr jung und sehr dünn. Schlechte Vorbilder, die Anorexie und Bulimie fördern? Auch in Oberhavel sind Essstörungen unter Jugendlichen nach wie vor ein Thema.

„Die Medien vermitteln oft ein falsches Bild, preisen ein Schönheitsideal an, das für viele Kinder und Jugendliche unerreichbar ist“, sagt Anne Döhring-Klawin, Sozialarbeiterin der Goethe-Oberschule in Kremmen. Hinzu komme, dass Siebt- und Achtklässler oft noch in einer Entwicklungsphase stecken, ohne gefestigte Persönlichkeit. Sie haben zu wenig Selbstbewusstsein, um Sätze wie „Die hat aber einen fetten Arsch“ einfach wegzustecken. Wenn zusätzlich familiäre Probleme und erhöhter Leistungsdruck auftreten, kann Ess-Brecht-Sucht (Bulimie) die Folge sein. „Wir haben vermehrt damit zu tun“, so Döhring-Klawin.

Einen eigenen Kontrollbereich schaffen

Auch in der Hugo-Rosenthal-Oberschule in Hohen Neuendorf ist das Thema präsent. „Es tritt immer wieder auf“, so die dortige Sozialarbeiterin Sylvia Bahr. „Es gibt dabei nie nur eine Ursache.“ Eine Rolle spielen falsche Vorbilder, extrem schlanke Frauen in Werbung, Zeitungen, Fernsehsendungen. „Für Mädchen ist das viel Druck.“ Sie fühlen sich dann machtlos. „Deshalb erobern sie sich einen eigenen Kontrollbereich.“ Ihr Essen können sie kontrollieren, und damit ihre Figur.

„Sie wollen in die Gesellschaft passen und modellieren ihren Körper“, sagt Katja Arnicke, Sozialarbeiterin an der Oberschule Velten. Leider seien die Fälle von Essstörungen nicht weniger geworden, dafür unauffälliger, weil der Wunsch, dünn zu sein, normal geworden sei. „Die Umwelt lebt damit, es ist fast schon Mode geworden.“

Vor allem Mädchen betroffen

Selbst Eltern nehmen die Essstörung ihrer Kinder oft nicht wahr. „Sie halten sie für normal“, so Amtsarzt Christian Schulze, Kinder- und Jugendpsychiater. „Die Patienten werden bei uns nicht mehr, aber dafür immer jünger.“ Auch, da die Pubertät früher einsetzt. Ins Gewicht fallen können zudem psychische Gewalt und sexueller Missbrauch. „Betroffen sind etwa zehn mal mehr Frauen als Männer“, so Schulze.

Das bestätigt Claudia Schmidt-Troschke, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Mühlenbeck. „Jungs haben oft andere Alternativen.“ Ein Sixpack sei erstrebenswerter als eine Hose in Kleidergröße 32/34. Der Druck für Mädchen ist vielleicht nicht höher, aber anders. Gerade wegen der medialen Prägung, unter anderem durch Modelkörper wie sie in „Germanys next Topmodel“ zu sehen sind

Zwölf-, Dreizehnjährige mit Anorexie sind keine Seltenheit. „Eltern wissen oft zu wenig über die Brisanz der Krankheit.“ Kontrolle und Verbote seien dabei kontraproduktiv. „Die Jugend muss sich ausprobieren dürfen“, so Claudia Schmidt-Troschke. Eltern sollten aber genau hingucken, aufmerksam sein, sollten sich Jugendliche dünne Modelkörper wieder zum Vorbild nehmen.

Von Marco Winkler

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