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Oberhavel Wenn das Geld schon lange vorn und hinten nicht reicht
Lokales Oberhavel Wenn das Geld schon lange vorn und hinten nicht reicht
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17:02 08.08.2018
André Schultz würde auch gern die Kreditwirtschaft mit in die Pflicht nehmen für die Finanzierung der Schuldnerberatung.
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Oranienburg

Am Schreibtisch von André Schultz gibt es sehr oft Tränen. Denn wer hier sitzt, dem geht es nicht gut. Der hat Schulden, ob einige oder ganz schön viele. Und nicht selten machen die auch noch krank. „Im Durchschnitt vergehen 66 Monate, bis sich die Leute eingestehen, es geht nicht mehr und zu uns kommen. Manche leben dann schon im Dunkeln, weil sie die Stromrechnung nicht mehr bezahlt haben“, weiß André Schultz, seit knapp drei Jahren Leiter der Schuldner- und Insolvenzberatung für Oberhavel beim Märkischen Sozialverein in der Liebigstraße 4. Insgesamt 638 Menschen haben sie 2017 in Sachen Schulden beraten und dabei manches Schicksale erfahren.

André Schultz stammt aus Schwedt, hat in Potsdam studiert und lebt mit Frau und Kindern in Berlin. Der 40-Jährige ist Volljurist: „Mein Traum war es nie in einer Rechtsanwaltskanzlei zu arbeiten.“ Er wollte gern für einen Verein oder als Justiziar tätig sein. Vor drei Jahren bewarb er sich beim MSV. Und bekam die vakante Stelle. Zusammen mit zwei Kollegen beraten sie Betroffene. Die haben alle gemeinsam, dass ihr Einkommen für die Verbindlichkeiten nicht reicht. Das geht quer durch die Gesellschaft, Leute mit Hartz IV und kleinen Einkommen, Rentner, Obdachlose, Flüchtlinge, Selbstständige.

Dabei ist der wichtigste Rat den André Schultz parat hat, „rechtzeitig zu kommen. Oft ist die Situation schon sehr festgefahren, wenn die Betroffen bei uns sitzen“. Dann ginge es erst einmal um die Existenzsicherung. „Miete und Strom zu bezahlen ist wichtiger, als alle Gläubiger zu bedienen, die sicherlich Druck machen.“ Der Rat der Fachleute ist kostenlos, „doch die Leute haben auch eine Eigenverantwortung, sie müssen auch wollen, dass ihre Schulden dauerhaft abgebaut werden. Und, man darf sich nicht schämen, zu uns zu kommen.“

In die Schuldenfalle geraten viele junge Leute durch Handy-Verträge: „Das ist oft der Einstieg. Oder auch durch Strafen wegen Schwarzfahrens.“ Bei den Erwachsenen geraten viele auch unverschuldet in Not: Arbeitslosigkeit, Tod des Partners, Scheidung, gescheiterte Selbstständigkeit. Dass es in Deutschlang angeblich allen gut geht und alle vom Aufschwung profitieren, das sieht Schultz nicht so: „So ist es einfach nicht“.

„Wir entwickeln ganz individuelle Strategien, die Schulden abzubauen. Raten zu einem „P-Konto“, damit immer ein geschützter Betrag auf dem Konto bleibt. Wir wollen auch die Angst nehmen in Sachen Gerichtsvollzieher. Und es kommt auch niemand ins Gefängnis, weil er Schulden hat“, so Schultz. „Wir kriegen es bei fast allen hier gemeinsam hin.“ Dabei bezeichnet der Jurist sich und sein Team als „Zehnkämpfer“. Denn sie müssen sich mit Familienrecht ebenso auskennen wie mit Geldstrafen, Insolvenzrecht, Rentenrecht, Flüchtlingsfragen, Erbrecht. Er wünscht sich vor allem zwei Dinge: „dass es in den Schulen ein Fach Finanzkompetenz gibt“. Er selbst erklärt bereits in Präventionskursen, dass Kredite auch Folgen haben, man nur Geld ausgeben sollte, das man auch hat. Das sei bis heute auch seine eigene Finanzphilosophie. Natürlich sei nichts gegen einen Kredit einzuwenden, wenn plötzlich die Waschmaschine kaputt ist.

Und er wünscht sich mehr politische und finanzielle Anerkennung für die Arbeit der Berater: „Seit 1993 ist die Finanzierung der Schuldnerberatung unverändert.“

Die Schuldner- und Insolvenzberatung des MSV für Oberhavel hat drei Beratungsstellen.

In Oranienburg, Liebigstraße 4, 03301/ 6 89 69 30,

In Fürstenberg, Brandenburger Straße 5, 03301/6 89 69 35,

In Zehdenick, Falkenthaler Chaussee 1, 03301/6 89 69 36,

In Liebenwalde, Ernst-Thälmann-Straße 33, jeden 1. Mittwoch im Monat von 13 bis 16 Uhr.

Berater sind: André Schultz, Marina Schläfke und Ralph Cufal.

Die Beratung ist kostenfrei. Finanziert wird sie vom Landkreis und den Kommunen.

Von Heike Bergt

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