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Oberhavel Wenn der Bildschirm zum Fixpunkt wird
Lokales Oberhavel Wenn der Bildschirm zum Fixpunkt wird
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11:00 03.01.2015
Jannis Wlachojiannis: Experte bei Suchtproblemen. Quelle: Philip Häfner

MAZ: Herr Wlachojiannis, wie viel Zeit sollten Jugendliche vor dem Computer und speziell im Internet verbringen?

Jannis Wlachojiannis: Das kann man pauschal nicht sagen, auch weil sich die Mediennutzung der Jugendlichen verändert. Die Zeit, die ein Jugendlicher heutzutage durchschnittlich im Internet verbringt und die als ganz normal gilt, hätte vor fünf Jahren noch die Alarmglocken läuten lassen. Viele Teenager gehen inzwischen nicht mehr extra ins Internet, sondern sind ständig online. Im Netz wird telefoniert, sich per Whatsapp ausgetauscht sowie für die Schule recherchiert

Was ist mit mit Computerspielen?

Wlachojiannis: Man darf die Gamer-Szene nicht pauschal verunglimpfen. Computerspielen hat sich zu einem beliebten Hobby entwickelt. Ich selbst kenne einen renommierten Forscher, der pro Woche 35 Stunden Computer spielt, aber trotzdem sozial voll integriert ist. Problematisch wird es nur bei den Menschen, bei denen die Computernutzung zu Veränderungen und im Alltag führt.

Was für Veränderungen können das sein?

Wlachojiannis: Zum Beispiel Kontrollverlust, Stress oder Schweißausbrüche, wenn man nicht spielen kann. Für die Betroffenen entsteht ein regelrechter Suchtdruck, ähnlich wie bei Cannabis oder anderen Substanzen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich bei Computersucht neurobiologisch ähnliche Prozesse abspielen wie bei anderen Süchten.

Trotzdem ist Computerspielsucht noch keine anerkannte Krankheit.

Wlachojiannis: Das stimmt. Die Medienabhängigkeit, wie Computer- und Internetsucht zusammenfassend bezeichnet werden, ist bislang nicht offiziell als Diagnose anerkannt. Viele Forscher sind aber mittlerweile der Ansicht, dass es sich dabei sehr wohl um eine Krankheit handelt.

Wie ist Ihre persönliche Meinung?

Wlachojiannis: Ich plädiere ebenfalls dafür die Computerspielsucht als Krankheit anzuerkennen. Dadurch würden sich in der Behandlung ganz neue Möglichkeiten ergeben, beispielsweise in Kliniken mit suchtspezifischem Ansatz. Bei der Glückspielsucht hat man bereits reagiert. Die deutschen Renten- und Krankenversicherungen haben das pathologische Glücksspielverhalten im Jahr 2001 als Erkrankung anerkannt.

Es gibt das Klischee des übergewichtigen Computerspielers mit ungewaschenen Haaren, der zwischen Stapeln leerer Pizzakartons vor seinem Bildschirm hockt. Wie viel Wahrheit steckt darin?

Wlachojiannis: Viele meiner Klienten haben tatsächlich Probleme mit der Hygiene und einer gesunden und regelmäßigen Ernährung. Einige nehmen stark zu, andere aber auch ab, weil sie nicht mehr zum regelmäßigen Essen kommen. Exzessives Rauchen und starker Kaffeekonsum sind ebenfalls weit verbreitet.

Sind Männer häufiger betroffen?

Wlachojiannis: 90 Prozent unser Klienten sind Männer, meist zwischen 23 und 25 Jahren alt. Sie spielen überwiegend Fantasy- und Actionspiele. Es ist kein Zufall, dass die Berliner Einrichtung „Lost in Space“ für Computersüchtige gegründet wurde, als das Rollenspiel „World of Warcraft“ seine Blütezeit erlebte. Aber auch übermäßiger Pornokonsum ist ein Thema. Viele ekeln sich irgendwann vor sich selbst und haben auch körperliche Beschwerden. Man kann sich leicht ausmalen, wie hoch der Leidensdruck sein muss. Ein Klient sagte mir, er habe große Scham gehabt, mit seinem Problem zu einer katholischen Beratungsstelle zu gehen.

Nutzen Frauen den PC anders?

Wlachojiannis: Das weibliche Klientel ist im Durchschnitt etwas älter und bewegt sich eher in sozialen Netzwerken wie Facebook oder in Browsergames. Diese greifen sehr stark in den Alltag ein. Die Nutzer loggen sich mehrmals täglich ein, weil sie Angst haben ansonsten etwas zu verpassen.

Zur Person

Jannis Wlachojiannis ist Sozialpädagoge. Gerade absolviert er eine Zusatzausbildung zum Suchttherapeuten.
Der 33-Jährige arbeitet bei der Caritas in Berlin, sowohl bei der Jugend- und Suchtberatung in Spandau als auch bei der Einrichtung für Computersüchtige „Lost in Space“ in Kreuzberg. Dorthin werden auch schwere Fälle von Medienabhängigkeit aus dem Havelland überwiesen. Es ist die einzige Einrichtung ihrer Art in Berlin.
Ein ähnliches Angebot der Arbeiterwohlfahrt (Awo) existiert in Potsdam.

Haben die Betroffenen vorher schon soziale Probleme und verkriechen sich dann vor dem Computer – oder erfasst die Sucht auch Menschen mit intaktem Umfeld?

Wlachojiannis: Beides gibt es. Einige sehen den Computer als eine Art Selbstmedikation gegen ihre Ängste und ihre Unsicherheit. Erreichen tun sie damit jedoch genau das Gegenteil, nämlich einen weiteren sozialen Rückzug. Es gibt aber auch Fälle, bei denen von einer Computerspiel-Clique am Ende nur einer nicht den Absprung schafft, während die anderen Freundinnen haben oder eine Ausbildung beginnen.

Wie läuft die Therapie ab? Als kalter Entzug?

Wlachojiannis: Ab heute nur noch Schreibmaschine – das funktioniert nicht. Der Computer gehört heutzutage in vielen Lebensbereichen einfach dazu. Wir schauen vielmehr, welche Bereiche problematisch sind. Wenn jemand zehn Stunden täglich mit einem Rollenspiel verbringt, muss man ihm den Zugang zu sozialen Netzwerken nicht verwehren. Es geht darum, dass die Betroffenen nicht wieder abgleiten. Mir ist ein Fall bekannt, bei dem der Betroffene einem Freund das Passwort gegeben hat, damit dieser alle problematischen Seiten blockt. Wir motivieren aber auch dazu neue soziale Kontakte aufzubauen und alternative Freizeitmöglichkeiten für sich zu entdecken.

Noch ein Wort zur Prävention. Sollten Eltern feste Regeln für die Computernutzung vorschreiben?

Wlachojiannis: Eltern sollten vor allem auch ihr eigenes Mediennutzungsverhalten überdenken und damit ein gutes Vorbild sein..

Interview: Philip Häfner

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