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Wenn die Geige singt

City in Velten Wenn die Geige singt

Die DDR-Kultband City trat in der Ofenstadthalle in Velten auf. Die launigen Ansagen von Band-Chef Toni Krahl zwischen den bekannten Songs kamen gut an. Die Zuschauer waren begeistert und tanzten zur Musik. Der aus Bulgarien stammende Georgi Gogow ließ die für City typische Geige quietschen und jammern.

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Der Geiger Georgi Gogow in seinem Element.

Quelle: F. H. Koeser

Velten. Die Geige singt. Sie quietscht, klagt, jammert. Georgi Gogow streichelt ihre Saiten, er zupft, ja, zerrt an ihnen. Das virtuose Geigenspiel ist charakteristisch für City, die Kultband aus der einstigen DDR. Vergangenen Freitag spielten die Mannen um Frontmann und Sänger Toni Krahl in der gut besuchten Ofenstadthalle.

Unplugged, hatten die Plakate versprochen. So manchen Fan freut das. „Endlich mal schöner Akustik-Sound und nicht so viel Technik“, findet etwa Annette aus Velten. Sie hatte City das letzte Mal vor Jahrzehnten erlebt, in den 70ern, als Teenager. Zu DDR-Zeiten waren Konzertkarten rar gesät, erinnert sie sich.

Dann nimmt sie Platz, so wie alle anderen auch in der bestuhlten Halle. Johlen, Applaus und Pfiffe ertönen, als die Musiker die Bühne betreten. Die Ostrocker sind meist in warmes Licht getaucht, zwischendurch wird es auch mal tiefblau. Gitarrist Fritz Puppel etwa sieht mit seinem Cowboy-Hut dann aus wie John Wayne nach einem Tintenbad.

Schon nach wenigen Songs reißt es die ersten von den Sitzen. Manche tanzen ausgelassen, mache selbstvergessen am Rande der Halle zum eingängigen City-Sound. Zwischen den Songs macht Toni Krahl launige Ansagen, selbst beim Sprechen klingt seine markante Stimme herrlich rau. Auch seine Kollegen verschont er nicht. Der Drummer ist von Knorkator geliehen, bemerkt er, der ursprüngliche Schlagzeuger leide noch unter dem Silvesterblues. Georgi Gogow, den bulgarisch stämmigen „Teufelsgeiger“, ernennt er kurzerhand zum Erfinder der Balkanroute. „Die war damals aber noch ein Rinnsal“, beteuert er. Auch bei den Songs spart er nicht mit Frotzeleien. „Sag mir wo die Blumen sind“, kündigt er als Mutter aller Unplugged-Lagerfeuer-Lieder an. „Sind so kleine Hände“ widmet er allen „Menschen unter einem Meter“. Vielleicht etwas knapp bemessen? Okay, wir erhöhen auf 1,50 Meter, sagt der Sänger. Dann könne man Peter Maffay mit einbeziehen.

Matthias Haack aus Bötzow fasziniert ein ganz anderer Song. Casablanca. Den hat er auf Kassette, immer noch, dabei habe er die meisten dieser Tonträger längst weggeworfen. Nur diese Kassette, die will er auf jeden Fall behalten. Schließlich ist er sogar nach Marokko gefahren, extra wegen diesem Titel. Casablanca entpuppte sich für ihn zwar bald als Allerwelts-Stadt, aber der Urlaub war trotzdem toll. Den gleichnamigen Film mit Humphrey Bogart hat er auch nur aus diesem Grund gesehen.

Natürlich war er schon zu DDR-Zeiten auf City-Konzerten. Die Band, sagt er, „hat meine Jugend bestimmt“.

Von Fritz Hermann Köser

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