Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oberhavel Wenn sich 15 Frauen zwei Toiletten teilen müssen
Lokales Oberhavel Wenn sich 15 Frauen zwei Toiletten teilen müssen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:57 12.10.2016
Esther aus Kenia und Collet aus Kamerun (r.) und vor dem Heim. Die Zimmer im neuen Haus 6 finden sie zu eng (siehe kleines Foto). Quelle: Kugler
Anzeige
Stolpe-Süd

Nachts muss Lilian mit offenem Fenster schlafen, sonst bekommt sie kein Auge zu. „Mein Zimmer ist so klein, dass die Luft immer schlecht ist“, sagt die 29-jährige Kenianerin. Sie lebt mit ihrem vier Monate alten Söhnchen Paul in einem Zwölf-Quadratmeter-Zimmer im neu gebauten Haus 6 des Flüchtlingsheims in Stolpe-Süd. Das Baby hat Asthma, die schlechte Luft tut ihm nicht gut. In dem Zimmerchen muss sie auch ihre Wäsche trocknen, auf dem Flur ist das verboten. Wiege, Bett, Schrank, Kühlschrank – alles steht dicht bei dicht. „Es ist einfach zu eng für uns, im alten Haus war das besser“, sagt die junge Frau.

Lilian ist eine von etwa 15 Frauen aus dem Heim, die sich am Mittwoch mit Mitgliedern der Initiative „Willkommen in Oberhavel“ im Pur-Gebäude trafen. Die Frauen, viele von ihnen aus Kenia, Kamerun oder Syrien, mussten im Sommer aus Haus 3 ausziehen, das saniert wird. Das neu gebaute Haus 6, da sind sich die Frauen einig, ist aber viel zu eng. Ein Schreiben an die Kreisverwaltung Ende August blieb unbeantwortet, nun versuchen die Frauen und die Initiative mit einem offenen Brief, die Verwaltung des Kreises zu einem Gespräch zu bewegen.

Frauen sehen die Entwicklung ihrer Kinder gefährdet

Besonders die Entwicklung ihrer Kinder sehen die Frauen in den beengten Räumen als gefährdet an. Zudem gebe es im neuen Haus 6 viel mehr Vier-Bett-Zimmer als im alten, so müssen sich viele Frauen ein 24 Quadratmeter kleines Zimmer teilen. Sechs Quadratmeter für jeden Menschen, das ist zwar der EU-Mindest-Standard. Darunter leide aber die Privatsphäre. „Nicht nur, weil wir beengt miteinander leben müssen, sondern auch, weil muslimische Frauen bei jedem Gang zur Küche ihren Hijab (also ihre Verschleierung) anlegen müssen“, heißt es in dem Brief. Die Frauen beklagen auch, dass Männertoiletten auf den Gängen seien, 15 Frauen müssten sich indes zwei Toiletten teilen.

Kreis-Sprecher Ronny Wappler zeigt Verständnis. „Die Menschen haben längere Zeit in dem anderen Haus gelebt und mussten umziehen. Das macht niemand gerne.“ Die Zimmer seien tatsächlich etwas kleiner, aber dafür komplett neu. Alles sei frisch renoviert und mit neuen Möbeln ausgestattet. Auch die Sanitäreinrichtungen seien in gutem Zustand. „Wir sind stolz darauf, den Menschen dieses neue Haus anbieten zu können“, so Wappler. Die Mindeststandards halte der Kreis dabei ein, viele andere Bundesländer hätten damit ihre Probleme. Zudem sei das Gebäude nicht einmal voll belegt. Maximal 196 Menschen könnten in dem neuen Haus 6 leben, Ende September waren es laut Kreisverwaltung genau 110.

Kreis lehnt Wohnungen ab, weil sie 10 Euro zu teuer sind

Die Frauen indes wollen künftig in die Zimmerbelegung einbezogen werden, um Konflikten vorzubeugen. Zudem müssten sie nach einem maximalen Aufenthalt von sechs Monaten im Heim eine realistische Aussicht auf eine Wohnung bekommen. Der Kreis sollte die Kosten der Unterkunft an den realen Mietspiegel anpassen, heißt es in dem offenen Brief. Es gebe Frauen, die selbstständig eine Wohnung gefunden hätten, aber denen sie verweigert wurde, weil sie entweder zu klein oder zehn Euro zu teuer gewesen sei, heißt es. Man müsse sich entscheiden, ob man die Menschen in Zukunft weiter vor den Toren der Stadt unterbringen oder sie endlich reinholen wolle, erklärte Simone Tetzlaff von der Initiative.

Von Marco Paetzel

Der SPD-Stadtverordnete und Lehnitzer Ortsvorsteher Matthias Hennig sah sich genötigt, sein Bekenntnis zur Sozialdemokratie öffentlich zu erneuern. Am Montag machte ein fingierter Schriftwechsel die Runde, laut dem der 39-Jährige die Fronten wechseln wolle, um doch noch Bürgermeisterkandidat zu werden. Die SPD Oranienburg hat Jennifer Collin nominiert.

13.10.2016

Die Kremmener feiern am Wochenende im Scheunenviertel das Kürbisfest. Es beginnt am Freitag mit einem Lagerfeuer. Am Sonnabend und Sonntag gibt es viele Wettbewerbe, Aktionen und Live-Musik. Organisiert wird das traditionelle Fest vom Scheunenviertelverein.

12.10.2016

Schon 2004 ist ein Kooperationsvertrag zwischen der Vehlefanzer Nashorn-Grundschule und der Öffentlichen Bibliothek Oberkrämer unterzeichnetet worden. Inzwischen gibt es eine neue Schulleiterin und auch Bürgermeister Leys war 2004 noch nicht im Amt – deshalb gab es nun einen neuen Vertrag.

12.10.2016
Anzeige