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Wenn sich 15 Frauen zwei Toiletten teilen müssen

Flüchtlingsunterkunft in Stolpe Wenn sich 15 Frauen zwei Toiletten teilen müssen

Rund 15 Frauen aus dem Flüchtlingsheim in Stolpe-Süd beklagen die aus ihrer Sicht zu engen Räume im neu gebauten Haus auf dem Gelände. Speziell für die Entwicklung ihrer Kinder sei die beengte Unterkunft mit sechs Quadratmetern Raum pro Person nicht gut. Außerdem gibt es viel zu wenig Toiletten. In einem offenen Brief fordern sie nun die Kreisverwaltung zum Gespräch.

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Esther aus Kenia und Collet aus Kamerun (r.) und vor dem Heim. Die Zimmer im neuen Haus 6 finden sie zu eng (siehe kleines Foto).

Quelle: Kugler

Stolpe-Süd. Nachts muss Lilian mit offenem Fenster schlafen, sonst bekommt sie kein Auge zu. „Mein Zimmer ist so klein, dass die Luft immer schlecht ist“, sagt die 29-jährige Kenianerin. Sie lebt mit ihrem vier Monate alten Söhnchen Paul in einem Zwölf-Quadratmeter-Zimmer im neu gebauten Haus 6 des Flüchtlingsheims in Stolpe-Süd. Das Baby hat Asthma, die schlechte Luft tut ihm nicht gut. In dem Zimmerchen muss sie auch ihre Wäsche trocknen, auf dem Flur ist das verboten. Wiege, Bett, Schrank, Kühlschrank – alles steht dicht bei dicht. „Es ist einfach zu eng für uns, im alten Haus war das besser“, sagt die junge Frau.

Lilian ist eine von etwa 15 Frauen aus dem Heim, die sich am Mittwoch mit Mitgliedern der Initiative „Willkommen in Oberhavel“ im Pur-Gebäude trafen. Die Frauen, viele von ihnen aus Kenia, Kamerun oder Syrien, mussten im Sommer aus Haus 3 ausziehen, das saniert wird. Das neu gebaute Haus 6, da sind sich die Frauen einig, ist aber viel zu eng. Ein Schreiben an die Kreisverwaltung Ende August blieb unbeantwortet, nun versuchen die Frauen und die Initiative mit einem offenen Brief, die Verwaltung des Kreises zu einem Gespräch zu bewegen.

Frauen sehen die Entwicklung ihrer Kinder gefährdet

Besonders die Entwicklung ihrer Kinder sehen die Frauen in den beengten Räumen als gefährdet an. Zudem gebe es im neuen Haus 6 viel mehr Vier-Bett-Zimmer als im alten, so müssen sich viele Frauen ein 24 Quadratmeter kleines Zimmer teilen. Sechs Quadratmeter für jeden Menschen, das ist zwar der EU-Mindest-Standard. Darunter leide aber die Privatsphäre. „Nicht nur, weil wir beengt miteinander leben müssen, sondern auch, weil muslimische Frauen bei jedem Gang zur Küche ihren Hijab (also ihre Verschleierung) anlegen müssen“, heißt es in dem Brief. Die Frauen beklagen auch, dass Männertoiletten auf den Gängen seien, 15 Frauen müssten sich indes zwei Toiletten teilen.

Kreis-Sprecher Ronny Wappler zeigt Verständnis. „Die Menschen haben längere Zeit in dem anderen Haus gelebt und mussten umziehen. Das macht niemand gerne.“ Die Zimmer seien tatsächlich etwas kleiner, aber dafür komplett neu. Alles sei frisch renoviert und mit neuen Möbeln ausgestattet. Auch die Sanitäreinrichtungen seien in gutem Zustand. „Wir sind stolz darauf, den Menschen dieses neue Haus anbieten zu können“, so Wappler. Die Mindeststandards halte der Kreis dabei ein, viele andere Bundesländer hätten damit ihre Probleme. Zudem sei das Gebäude nicht einmal voll belegt. Maximal 196 Menschen könnten in dem neuen Haus 6 leben, Ende September waren es laut Kreisverwaltung genau 110.

Kreis lehnt Wohnungen ab, weil sie 10 Euro zu teuer sind

Die Frauen indes wollen künftig in die Zimmerbelegung einbezogen werden, um Konflikten vorzubeugen. Zudem müssten sie nach einem maximalen Aufenthalt von sechs Monaten im Heim eine realistische Aussicht auf eine Wohnung bekommen. Der Kreis sollte die Kosten der Unterkunft an den realen Mietspiegel anpassen, heißt es in dem offenen Brief. Es gebe Frauen, die selbstständig eine Wohnung gefunden hätten, aber denen sie verweigert wurde, weil sie entweder zu klein oder zehn Euro zu teuer gewesen sei, heißt es. Man müsse sich entscheiden, ob man die Menschen in Zukunft weiter vor den Toren der Stadt unterbringen oder sie endlich reinholen wolle, erklärte Simone Tetzlaff von der Initiative.

Von Marco Paetzel

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