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Wie barrierefrei ist Oranienburg?

Oranienburg Wie barrierefrei ist Oranienburg?

Nicht jeder ist gut zu Fuß. Menschen mit Behinderung und vor allem Senioren wissen das wohl am besten. Auch Oranienburg hält trotz Verbesserungen noch einige Hürden, Stolper- und Gefahrenstellen für Gehschwache bereit.

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Südcenter: Katharina Scherenkow hat Probleme, ihre Klienten zu Edeka zu bringen.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Wenn Irene Bullert zu Rossmann oder zur Bank will, muss sie über den Fischerplatz . „Mit meinem Rollator bekomme ich auf dem Kopfsteinpflaster jedes Mal Probleme“, so die 79-jährige Oranienburgerin. Mit solchen Stolperfallen haben gehbeeinträchtigte Menschen jeden Tag zu kämpfen – meist bleiben sie aber unbemerkt. Die MAZ hat sich auf Spurensuche begeben.

Irene Bullert hat auf dem Kopfsteinpflaster  jedes Mal Probleme, wenn sie zu Rossmann oder zum Optiker geht

Irene Bullert hat auf dem Kopfsteinpflaster jedes Mal Probleme, wenn sie zu Rossmann oder zum Optiker geht.

Quelle: Enrico Kugler

Südcenter : Wenn Katharina Scherenkow, Mitarbeiterin im Betreuungsdienst der Caritas-Wohnen in der Berliner Straße, mit ihren Klienten zu Edeka einkaufen möchte, stößt sie schnell auf eine Hürde. „Es führt kein direkter Bürgersteig zum Markt, wir müssen an der Ampel einen Trampelpfad mit hohen Bordsteinkanten nehmen“, so die 26-Jährige. „Das Sturzrisiko ist enorm.“ Sie kann ihren geistig behinderten Klienten nicht erklären, dass sie einen Umweg nehmen müssten (der im Winter unpassierbar ist, weil zugefroren). „Sie haben kein Verständnis dafür.“ Also hievt sie die Rollstühle rückwärts auf die Straße.

Stadt weist auf Alternative hin

Ähnlich sieht es Betreuerin Manuela Birth: „Es gibt keinen Weg hinter Eisbein-Otto zum Edeka-Markt“. Sie betreut zehn Bewohner, inklusive zwei Rollifahrer. „Wenn es einen direkten Weg geben, wäre ich beruhigter, denn sie gehen auch allein.“ Einrichtungsleiterin Gerlinde Fielitz kennt das Problem. „Ich unterstützen das Anliegen meiner Mitarbeiter, hier für bessere Bedingungen zu kämpfen.“

Doch der Stadt sind die Hände gebunden: „Das Gelände gehört dem Betreiber, das ist keine Sache der Stadt“, so Stadtsprecherin Susanne Zamecki. Beim Bau der Berliner Straße sei eine sichere, rollstuhlgerechte Zuwegung auf Höhe Mitte Südcenter gebaut worden, den müssten die Betroffenen dann auch nehmen.

Das Aussteigen wird in der Emil-Polesky-Straße für geistig Behinderte zur Holperpartie

Das Aussteigen wird in der Emil-Polesky-Straße für geistig Behinderte zur Holperpartie.

Quelle: privat

Emil-Polesky-Straße 23 : Nicht nur ist die Sackgase vor der katholischen Kirche mit Autos zugestopft – was das Passieren des Caritas-Busses zum Kraftakt werden lässt. Auch die bordsteinlose Fläche vor der Tageseinrichtung der Caritas ist für Lisa Schönhardt nicht erreichbar. „Hier parken Autos, obwohl es keine Parkfläche ist, wir müssen unsere Klienten deshalb ein Stück weiter rauslassen“, so die 27-jährige Fachkraft.

Problem: An der Stelle gibt es einen Bordstein. Für die geistig Behinderten, die dazu noch „fußschwach“ sind, ist das eine Gefahrenstelle, die sie im schlimmsten Szenario zu Fall bringen kann. „Bisher ist das zum Glück nicht passiert.“ Die Stadt Oranienburg prüft derzeit die Zuständigkeit für die Falschparker.

Nicht barrierefrei ist der Fußgängerüberweg beim Turm

Nicht barrierefrei ist der Fußgängerüberweg beim Turm. Doch wenige Meter weiter gibt einen barrierefreien Übergang.

Quelle: Marco Winkler

Turm Erlebniscity : Eine Erfahrung, die Caritas-Mitarbeiter immer wieder machen – auf dem Behindertenparkplatz ist kein Platz mehr. Holger Dreher, Behindertenbeauftragter der Stadt Oranienburg, kennt das Dilemma. „Das ist schon lange ein Problem“, sagt er. Das Thema Barrierefreiheit hätte in den letzten Jahren zwar an Bedeutung gewonnen. „Aber gerade Gebäude mit Altsubstanz und Geschäfte sind oft schwer zu erreichen.“ Er sieht die öffentliche Hand und Gewerbetreibende in der Pflicht, bessere Bedingungen zu schaffen. Beim Turm sieht er wenig Chancen auf Besserung trotz „guter Gespräche“.

Turm-Marketingleiter Werner Siegler verweist auf weitere Behindertenparkplätze in der Heidelberger Straße. „Die werden wenig genutzt, sind aber ebenfalls kostenfrei.“ Auch der große Besucherparkplatz sei barrierefrei zu erreichen. „Ein paar Meter hinter dem Fußgängerüberweg befindet sich ein barrierefreier Übergang ohne Stufen.“

Schlosspark : Für Rollstuhlfahrer sollen Hauptwege ungeeignet sein. Laut Holger Dreher habe sich im Zuge der Landesgartenschau 2009 viel in Oranienburg getan, um Flächen rollstuhlgerecht zu gestalten – so auch im Schlosspark, wie die Tourismus und Kultur Oranienburg (TKO) bestätigt. Heißt: Barrierefreie Zu- und Ausgänge sind gewährleistet. Selbst die Toiletten sind behindertengerecht. Bemängelt werden oft die Hauptwege, die mit Rollstuhl schwer zu bewältigen sind.

Der Schlosspark ist gut besucht

Der Schlosspark ist gut besucht. Die meisten Menschen haben auf den Wegen keine Probleme. Die meisten Menschen haben auch keine Gehschwäche.

Quelle: Marco Winkler

Die „wassergebundene Decke“ sei rollstuhlgerecht, so Mona Schröder von der TKO. „Dies dient dem Ziel, gestalterischen Anspruch und Barrierefreiheit zu vereinbaren.“ Asphalt komme nicht in Frage. Bei Regen kann der barrierefreie Anspruch nicht immer erfüllt werden, wissen aber auch die TKO-Mitarbeiter. „Dies betrifft aktuell vor allem (nach unserer Kenntnis ausschließlich) den stark frequentierten Weg vom Eingang zum Schlosspark-Café“. Eine Erneuerung des Weges ist aber geplant und schon mit Haushaltsmitteln aus diesem Jahr unterlegt. Beginn: Herbst 2017. Wem Barrieren im Schlosspark auffallen, kann sich auch direkt an die TKO wenden per E-Mail an info@oranienburg-erleben.de.

Von Marco Winkler

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