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Oberhavel Wieder ein Ausnahmetag
Lokales Oberhavel Wieder ein Ausnahmetag
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14:14 21.12.2017
In vier Metern Tiefe lag der Bombenblindgänger unter dem Louise-Henrietten-Steg. Die Grundwasserhaltung war sehr aufwendig. Quelle: Foto: Enrico Kugler
Oranienburg

Mehr als 200 Mal haben die Oranienburger diese Prozedur nach der Wende schon mitgemacht. Und doch versetzt eine Bombenentschärfung die Stadt und ihre Menschen immer wieder in einen Ausnahmezustand. So wie auch gestern. Kurz vor 8 Uhr hatten es viele eilig, den Sperrkreis noch rechtzeitig zu verlassen. Auf dem S-Bahnsteig herrschte ab 7.51 Uhr, nachdem die letzte Bahn Oranienburg verlassen hatte, gähnende Leere. Bald darauf sah es in den Straßen nicht anders aus. Große Teile der Innenstadt rund um den Fundort der Bombe am Henrietten­steg waren verwaist.

Die 91-jährige Gisela Wangemann (l.) und die 82-jährige Sigrid Hofmann (r.) wurden von Jennifer Bonk in der Germendorfer Turnhalle betreut. Quelle: Enrico Kugler

Wer nicht zur Arbeit musste, nutzte den Tag für Einkäufe oder Besuche bei den Verwandten. Doch besonders ältere Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, waren auf die Ausweichquartiere angewiesen. Ein Bus-Shuttle und etliche Krankentransporte steuerten die Turnhalle in Germendorf an. Dort hatte es auch Sigrid Hofmann hinverschlagen. Die 82-Jährige wohnt in der Mittelstraße. Mitarbeiter von domino hatten sie nach Germendorf gebracht. „Ich bin das erste Mal hier", sagte die rüstige Dame. Sonst sei sie immer zu ihrem Bruder nach Gransee oder nach Berlin gefahren. Doch das Autofahren musste sie aufgeben, obwohl die Oranienburgerin noch jeden Tag ihre Wohnung im vierten Stock ohne Hilfe erreicht. „Na ich will doch noch Hundert werden und mit meiner Urenkelin Walzer tanzen“, erzählte die 82-Jährige gut gelaunt. In der Turnhalle hatte die ehemalige leitende OP-Schwester sogar noch eine Kollegin aus dem Oranienburger Krankenhaus getroffen. Die 91-jährige Gisela Wangemann aus der Liebigstraße war nicht weniger gut gelaunt. „Schauen Sie mal, hier können wir nachher noch Fußball spielen“, lachte die Rentnerin und zeigte auf ein Handballtor an der Hallenwand.

Auch Hausmeister Frank Ebell versorgte die Evakuierten. Quelle: Enrico Kugler

Etwa 50 Evakuierte saßen schon gegen 9.30 Uhr in der Germendorfer Turnhalle. Und immer noch trudelten weitere Menschen ein. Jennifer Bonk aus der Stadtbibliothek, Vivien Bayer von der TKO und Hausmeister Frank Ebell kümmerten sich rührend um die Evakuierten. Sie reichten kostenlos Kaffee, Tee, Stollen und Lebkuchen. „Wir haben sogar eine Frau mit einem Bandscheibenvorfall hier“, sagte Vivien Bayer. Für sie hatten die städtischen Mitarbeiter ein paar Matten aufgestapelt, auf denen sich die Frau ausruhen konnte. Für die Mittagsversorgung hatte sich Ellen Speer, Inhaberin des Schlemmerkörbchens in Wensickendorf, angeboten. Sie brachte Möhreneintopf und Kesselgulasch in die beiden Unterkünfte.

Sie sorgten im Lehnitzer Kulturhaus Friedrich Wolf dafür, dass sich die Wartenden wohl fühlten (v. l.): Astrid Holzendorf, Hausmeister Dirk Baumann und Elena Wiezorreck. Quelle: Enrico Kugler

Auch im Friedrich-Wolf-Haus in Lehnitz waren schon am Vormittag etwa 60 Evakuierte eingetroffen. Sie bekamen nicht nur einen warmen Sitzplatz im Saal, sondern noch ein zusätzliches Kulturprogramm. „Ja, die Kita-Kinder aus Lehnitz waren ganz spontan hier“, erzählte Astrid Holzendorf von der Stadtverwaltung. Die Kinder hatten ein kleines Weihnachtsprogramm mit Liedern und Gedichten vorgetragen und bekamen ordentlich Applaus dafür. Für den Rest sorgte Hausmeister Dirk Baumann, auch Maxe genannt. Er hatte extra den geschmückten Weihnachtsbaum noch stehen lassen, spielte Adventslieder und legte für die Kinder eine DVD in den Laptop. Bis kurz vor 15  Uhr mussten die Menschen ausharren, dann verkündete das Heulen der Sirene, dass die 203. Bombe entschärft war.

Von Andrea Kathert

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