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Wildschwein attackiert Kind auf S-Bahn-Brücke

Bergfelde (Oberhavel) Wildschwein attackiert Kind auf S-Bahn-Brücke

Nur mit Fußtritten gelang es der Mutter, das Tier zu vertreiben. Ein Wildschwein hat am Sonntag ein Kind auf einer S-Bahn-Brücke im Kreis Oberhavel attackiert. Die Familie war vom Spielplatz auf dem Heimweg, als sie dem Tier begegneten.

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Im Knick der Auffahrt zur Fußgängerbrücke griff das verängstigte Tier an, Josefina (l.), Franziska und Papa Sven am Tatort.

Quelle: Marion Bergsdorf

Bergfelde. Mit blauen Flecken ist eine Familie aus Bergfelde davongekommen. Es passierte am Sonntag gegen 16.30 Uhr auf dem schrägen Aufgang zur Fußgängerbrücke über die S-Bahn. Sven Bandt und seine Frau Klara kamen mit ihren Töchtern Franziska (6) und Josefina (4) vom Zauberwald-Spielplatz und schoben ihre Fahrräder die eingezäunte Schräge zur S-Bahn-Brücke hinauf. Plötzlich sah der Familienvater ein Wildschwein von oben auf sich zukommen. Sven Bandt zog Josefina, die neben ihm lief, an das Geländer heran. Beide verhielten sich still, das Wildschwein rannte an ihnen vorbei. Doch dann kam die Kurve in der Auffahrt. Hier versperrte das Geländer den geraden Fluchtweg des Tieres. Und hier standen Mutter Klara mit Tochter Franziska. Weil das Wildschwein hin- und herrannte, schrie das sechsjährige Mädchen vor Angst. Sie strauchelte, ihr Fahrrad fiel um und auf sie drauf. In diesem Moment griff das Wildschwein das Kind an und biss über den Fahrradrahmen hinweg zu, Mutter Klara gelang es dann mit Rufen und Fußtritten, das Schwein zu verjagen. Es machte kehrt und rannte die Auffahrt wieder hinauf. Es türmte über die S-Bahn-Brücke. Vater Sven schnappte beide inzwischen schreienden Kinder und stellte sie auf einen erhöhten Papierkorb im Eingangsbereich der Auffahrt. Dann holte er die Fahrräder und wählte einen anderen Heimweg, weil er nicht eine erneute Begegnung mit dem Wildschwein riskieren wollte.

Franziska und Mutter Klara hatten Glück und erlitten keine Bisswunden, sondern nur Blutergüsse. Das sechsjährige Mädchen griff zu Hause gleich zu Buntstiften und malte ein Wildschwein, das vor Angst Kot fallen lässt. „Sie hat es gut verarbeitet“, sagt Vater Sven. „Wir haben ihr erklärt, dass das Tier in Panik war und nicht wusste, wohin es flüchten sollte.“

„Völlig richtig gedeutet“, sagt Henry Repkow, Leiter der Landeswaldoberförsterei in Borgsdorf. Das seien eine Ausnahmesituation und ein unerfahrenes junges Tier gewesen. „Ein altes Stück Schwarzwald wäre niemals über diese Brücke gelaufen.“

Unwahrscheinliches Glück bescheinigt auch der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes, Thorsten Fanselow, der Bergfelder Familie. Denn Wildschweinbisse seien schlimmer als die von Hunden und hochinfektiös, denn als Allesfresser trügen Wildschweine extreme Keime in sich. „Wenn die richtig zubeißen, können die eine Beinschlagader aufschlitzen.“ Auch Fanselow vermutet, dass es sich bei dem Tier um einen neugierigen Überläufer handelte, der am Bahndamm vielleicht Essensreste gerochen hatte. „Denn die Bachen haben jetzt Frischlinge und stoßen die Jungtiere ab.“

Beide Wildtier-Experten sprechen von einer Ausnahmesituation und sehen keinen Anlass zu allgemeiner Vorsicht. Man solle sich still verhalten und versuchen, den Tieren aus dem Weg zu gehen.

Von Marion Bergsdorf

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