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Oberhavel Wildschweine werden zum Problem
Lokales Oberhavel Wildschweine werden zum Problem
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02:16 19.05.2017
Wildschweine vermehren sich stark, auch weil sie etwa auf Komposthaufen Speisereste finden. Quelle: Foto: Archiv
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Hennigsdorf

Sie kommen fast jede Nacht. Mit ihren Rüsseln graben sich die Wildschweine in den Boden und wühlen ihn um. Was bleibt, sieht ein bisschen aus wie eine schlampig gepflügte Ackerfläche. „Das geht dann bis zum Gartenzaun. Auch die ungepflasterten Bürgersteige wühlen sie um“, sagt der Hennigsdorfer Peter Thiele. Ständig seien Ein-Euro-Jobber der Stadtverwaltung vor Ort, um die größten Schäden zu glätten. Peter Thiele muss es wissen. Er hat sein Grundstück in der Straße Am Eichenhain, quasi dem Epizentrum der Hennigsdorfer Wildschweinplage. Ähnliche viele Tiere habe es schon einmal in den 1990er-Jahren in der Gegend gegeben, doch dann seien die Schweine geschossen worden. Angst hat der Hennigsdorfer vor den Tieren aber nicht. „Man weicht eben aus, wenn man eine Rotte sieht“, so Thiele.

Auch Volker Riemann, Leiter des Hennigsdorfer Ordnungsamtes, räumt ein, dass es in der Stadt ein Problem mit den Wildschweinen gebe. 30 bis 40 seien derzeit unterwegs, vor allem Am Eichenhain und am Waldgebiet am Sportkomplex Süd sowie an allen angrenzenden Straßen. „Seit etwa zwei Monaten vermehren sie sich stark und verwüsten öffentliches Grün“, so Riemann. Die Ursache für die rasche Vermehrung seien unter anderem die milden Winter, die Schweine würden sich dann eher zweimal als nur einmal im Jahr paaren. Was wiederum heißt, dass eine Bache bis zu zehn Junge jährlich auf die Welt bringt. Dasselbe Problem gebe es mit Schwarzwild in Berliner Bezirken wie Tegel oder Spandau. „Da treiben sich die Schweine sogar auf Spielplätzen in Wohngebieten herum, das ist noch schlimmer als in Hennigsdorf“, so Riemann.

Auch die Kreisverwaltung beschäftigt das Thema. Es handele sich aber um ein allgegenwärtiges Problem im gesamten Bundesgebiet, insbesondere in Ballungsräumen, wo das Schwarzwild, aber auch andere Wildtierarten wie etwa Fuchs, Waschbär oder Steinmarder, ausreichend Deckung und Fraß finden, erklärt Sprecher Ronny Wappler. Hinzu komme, dass das Schwarzwild, durch weitere „Nahrungsangebote“ des Menschen wie Komposthaufen, zugängliche Küchenabfälle und Speisereste, Grünschnitthaufen oder gar durch zusätzliches Füttern verstärkt in die bewohnten Bereiche dränge. Zu diesem Thema hat der Landkreis seit Jahren die Informationsbroschüre „Wenn Waschbär, Fuchs & Co. in die Stadt kommen“ ins Netz gestellt und als Druck auch den Kommunen zur Verfügung gestellt. „Darin wird auch insbesondere auf die richtigen Verhaltensregeln hingewiesen, um das Wild nicht zusätzlich anzulocken und Schäden durch Wildtiere im innerörtlichen Bereich abzuwenden“, so Wappler. In der Broschüre wird dazu geraten, den Tieren Nahrungs- sowie Rückzugs- und Deckungsmöglichkeiten weitestgehend zu entziehen.

Obwohl das Schwarzwild von den Jägern stark bejagt werde, sei es nicht zu vermeiden, dass in die Ortslagen oder Stadtgebiete eindringt. „Dort wo die Jäger auf Grund der geltenden jagdrechtlichen Regelungen und aus Sicherheitsgründen das Schwarzwild nicht bejagen dürfen“, erklärt Ronny Wappler.

Im Hennigsdorfer Rathaus hat man versucht, eine Genehmigung zu bekommen, dass die Schweine auch innerorts geschossen werden dürfen. Doch das sei problematisch und gefährlich. „Wir müssten einen Jäger finden, der die Verantwortung übernimmt“, so Riemann. Gerade bei Schwarzwild könne es schon einmal vorkommen, dass es Querschläger gebe oder Tiere angeschossen würden und dann vor Schmerz durchdrehte „Die sind dann schweingefährlich“, so Riemann. Er nimmt eher den Jagdpächter im angrenzenden Wald in die Pflicht, für einen akzeptablen Bestand zu sorgen. „Schließlich kommen die Schweine aus dem Wald.“ Allerdings dürften die Tiere während der Schonzeit momentan ohnehin nicht geschossen werden.

Von Marco Paetzel

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