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Oberhavel Winter 1978/1979: Schneemassen ohne Ende
Lokales Oberhavel Winter 1978/1979: Schneemassen ohne Ende
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02:17 05.03.2018
Wahnsinn: Zwei Männer graben in Schleswig-Holstein mit einer Schaufel ein Auto aus den Schneemassen. Quelle: dpa
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Oberhavel

Schneefall ohne Ende mit Schneesturm – es war ein bis heute unvergessener Winter in Deutschland. Schneeverwehungen meterhoch, die kein Ende nahmen und unter denen ganze Dörfer verschwanden. Die Wintermonate Anfang 1979 stellten die Bevölkerung auf eine harte Probe. Wie die MAZ-Leser noch genau wissen:

„Ein dramatisches Ereignis“

„Dieser Winter war ein dramatisches Ereignis für mich“, erinnert sich die heute 44-jährige Peggy aus Schwante. Die ersten Jahre bei den Großeltern in Schwante aufgewachsen („Meine Eltern hatten zunächst keine eigene Wohnung bekommen“), zog die damals Sechsjährige erst Anfang 1979 zu ihren Eltern. Just zu dem Zeitraum, als meterhohe Schneewehen auch den Landkreis Oberhavel einschneiten. „Ich hatte Riesenheimweh nach meinen Großeltern. Deren Nachbarn erhielten damals dann einen Anruf – zu diesen Zeiten hatte ja noch nicht jeder ein eigenes Telefon – dass ich mit hohem Fieber krank lag. Mein Opa buddelte daraufhin sein Auto frei, welches in der Garage eingeschneit worden war, um mich aus Hennigsdorf abzuholen.“ Wieder in Schwante angekommen, erinnert sich die 44-Jährige noch heute an „Schneeberge, die größer als ich waren. Als ich aus dem zweiten Stockwerk auf den Hof schaute, lagen dort Berge von Schnee, durchzogen von einem Tunnelsystem. Opa musste zum Hühnerfüttern hinten zum Hof und hat in die Schneemassen regelrechte Tunnel geschippt.“

„Die Schneeberge waren größer als meine Eltern“

Kindheitserinnerungen an den Knochenwinter 1978/79 hat auch Corinna Weltzer-Hensel. Die gebürtige Flatowerin erinnert sich noch heute voller Freude an „die Massen an Schnee damals. Für uns Kinder war das der Burner. Das Haus meiner Eltern stand völlig frei, da konnte der Wind über die Äcker bis in unseren Hof hineinwehen. Die Schneeberge waren höher als meine Eltern, unser kompletter Hof war zugeweht. Mein Bruder und ich haben Iglus gebaut, ein Riesenspaß. Wir brauchten einfach nur Löcher in den Schnee buddeln und konnten in den Iglus stehen“, schwärmt die heute 50-Jährige. „Für unsere Eltern war es sicher weniger spaßig. Der Schneepflug kam gleich gar nicht durch. Sogar die K700-Radschlepper von der LPG scheiterten an den Schneemassen.“ Am Ende „mussten wir oben auf dem Schnee entlanglaufen, weil es anders gar nicht ging.“ Hungern und frieren „mussten wir nicht, aber die Strommasten fielen um, der Strom tagelang aus. Meine Eltern arbeiteten in der Landwirtschaft, dort erfroren in den Schweineställen alle neugeborenen Ferkel, weil die Wärmelampen nicht mehr betrieben werden konnten“, weiß Corinna Weltzer- Hensel noch.

In den Neubauten fielen die Heizungen aus

Auch Marlies Bärbel Arian aus Eden hat noch lebhafte Erinnerungen an die Zeit: „Es gab Stromausfall in Oranienburg, in den Neubauten fielen die Heizungen aus. Wir rückten zusammen und halfen ein­ander. Da ich in der Altstadt wohnte und selbst noch Öfen heizen musste – in diesem Fall zum Glück – nahm ich Mütter und Kleinkinder bei mir auf. Das Gesundheitsamt im ehemaligen Waisenhaus hatte noch Strom, und so kochten wir dort unsere Fläschchen und den Brei für die Kleinsten.“ Die Kinder der heute 64-Jährigen waren damals gerade einmal sieben Monate und 5 Jahre alt. „Mein Mann kam nicht mehr zur Arbeit, weil die S-Bahnen ausfielen. Spontan half er, wie viele andere, beim Schneeschippen aus. Immer wieder fiel auch Silvester der Strom aus. Wir feierten trotzdem. Die Menschen wurden überall kreativ, um die schwierigen Situationen zu meistern und halfen sich unterein­ander. Unsere Kinder hatten ihren Spaß am vielen Schnee.“ Doch nicht nur die gegenseitige Hilfsbereitschaft blieben der Oranienburgerin im Gedächtnis. Auch an die unzulängliche Bauweise zur Trinkwasserversorgung erinnert sie sich: „Die Rohre waren aus Blei und deshalb ungeeignet für so tiefe Temperaturen.“ Jede Menge Wasserrohrbrüche waren das Resultat. Harte Zeiten erlebte auch der Winterdienst: „Jeder Betrieb musste Winterdienst machen. Die Betriebshandwerker waren in dem Winter rund um die Uhr im Einsatz, um die Straßen frei zu machen und zu streuen.“

Ein wahnsinnig großes Iglu

14 Jahre jung war damals Sabrina Karbe. Die heute 53-jährige Oranienburgerin erinnert sich noch heute ganz genau „an dieses wahnsinnig große Iglu, das wir bauten und das ewig stand.“ Auch ein Schneemarsch vom Bahnhof nach Sachsenhausen ist hängen geblieben. „Vorher hatte ich schon Stunden auf den Bus gewartet, um überhaupt zum Bahnhof zu kommen. Dort fuhr dann wegen des Schnees keine S-Bahn mehr. Damit fiel auch meine Jugendweihestunde aus. Also hieß es zurück nach Hause. Laufen. Es fuhr ja nix mehr. Ich hatte an dem Tag auch noch Geburtstag, keine Ahnung nach wie vielen Stunden ich wieder zu Hause war. Als ich endlich ankam, hieß es für mich zu guter Letzt auch noch: Schnee schippen, damit die Geburtstagsgäste überhaupt ins Haus gelangen konnten. Ich habe einen schmalen Gang von der Tür bis zum Tor geschaufelt, der Schnee lag bis in Brusthöhe. Alle paar Minuten musste ich wieder raus und schippen, um den Gang frei zu halten.“ Kohlemangel an den Schulen sorgte in den Winterwochen für verkürzte Unterrichtsstunden. „Wir haben aber jede Menge Hausaufgaben bekommen. Die Lehrer haben uns nach 15 Minuten wieder heim geschickt.“ Nicht nur Wasser- und Stromleitungen froren in dieser Zeit ein. „Auch unser WC funktionierte nicht mehr. So mussten wir schließlich bei den Nachbarn aufs Plumpsklo gehen. Das war aufgrund der damaligen Nachbarschaftshilfe kein Problem.“

Wasserleitung hielt den Minusgraden nicht stand

Kerstin Gerstendörfer aus Zootzen, die in der Stadtverwaltung Fürstenberg arbeitet, erlebte den Winter 1979 so: „Zimperlich waren wir damals ja nicht.“ Zur Schule nach Bredereiche mussten sie und ihre beiden älteren Geschwister laufen, wenn der Schulbus nicht kam. Im Winter 1979 fiel der Unterricht allerdings aus. Für die damals 16-Jährige war das eher erfreulich als dramatisch. Einen Lebensmittelengpass gab es nicht. „Damals hatten ja alle Viehzeug, haben geschlachtet  und eingeweckt. Die Versorgung  war  also gesichert.“ Allerdings hielt die Wasserleitung den Minusgraden nicht stand. Deshalb kam ein  Wasserwagen ins Dorf, aber auch das war keine Besonderheit. „Schnee geschippt hat damals jeder“, erinnert sich die 55-Jährige. Der Nachbar zog mit seinem Pferd los, die Betriebe waren in Bereitschaft – das war der Winterdienst.

Von Nadine Bieneck und Sebastian Morgner

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