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Oberhavel Wo die Bässe dröhnen
Lokales Oberhavel Wo die Bässe dröhnen
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08:03 23.08.2014
Unter der Diskokugel bleiben heute häufiger Lücken als noch vor zehn Jahren. Wenn allerdings die 99-Cent-Partys anstehen, ist der Laden meist rappelvoll. Quelle: Björn Walter
Marwitz

Die Bässe dröhnen, diffuses Licht bricht sich unter einer riesigen Diskokugel. Auf der Tanzfläche springt der Funke über. Eine Handvoll Feierwütige bewegen sich ausgelassen zu eingängigen Mainstream-Klängen. Mittlerweile ist es 1 Uhr in Marwitz.

Im Außenbereich der Beat-Fabrik steht Tom Wittenbecher am Grill. Für seine Gäste wendet er saftige Steaks und belegt üppige Burger. Hier legt der Chef noch selbst Hand an. „Sonst stehe ich am Einlass. Ohne den direkten Kontakt macht das keinen Spaß“, sagt der 48-Jährige Inhaber, dessen Aufgaben vielfältig sind: „Gastwirt, Diskotheker, Hausmeister – das sind ganz viele Berufe in einem.“
Vor 17 Jahren öffnete er erstmals die Tore zur Beat-Fabrik, seitdem ist viel passiert. Der schmucke Außenbereich lässt Urlaubsgefühle aufkommen. Neben einer gemütlichen Couchecke am loderndem Kamin laden Strandkörbe zum Entspannen ein. Für das heißblütige Partyvolk lockt ein Pool mit kristallklarem Wasser zur schnellen Abkühlung. „Den habe ich seit den Mittagsstunden gereinigt. Ansonsten ist der Vorlauf des Veranstaltungstags eher erholsam“, so der gebürtige Berliner. Den Hauptjob erledigt er zwischen den Events – planen, Waren einkaufen und handwerkliche Tätigkeiten stehen dann auf der Tagesordnung. Rasen mähen auf dem neu eingesäten Gästeparkplatz gehört aktuell auch zu Wittenbechers Aufgaben. 1987 machte sich das Multitalent selbständig und ist seitdem fester Bestandteil der Branche. Anfangs als DJ und Tontechniker, nach der Wende führte er unter anderem Clubs in Pritzwalk und Frankfurt/Oder. Für seine Schulkameraden war schon früh klar, was aus Wittenbecher werden würde: „Sie wussten, dass ich später mal eine Disko haben werde. Trotz aller Probleme ist es immer noch ein Traumjob.“

Hier grillt der Chef noch selbst: Tom Wittenbecher im Einsatz. Quelle: Björn Walter

Auch an diesem Abend ist spürbar, welche Schwierigkeiten gemeint sind. Gäste treffen nur vereinzelt ein. Gegen 2 Uhr bleibt der Besucheransturm überschaubar. Die Beat-Fabrik vereint vier Bars, zwei Floors und einen großzügigen Biergarten – reichlich Platz für bis zu 600 Nachtschwärmer. Tom Wittenbecher öffnet in dieser Nacht nur die Hälfte seines Partytempels. Bei den 99-Cent-Partys am Ende jedes Monats ist der Laden aber immer rappelvoll, sagt er. Insgesamt sei der Sommer eine schwierige Zeit. Auch den Einfluss der neuen Medien sieht Wittenbecher als ursächlich: „Die Bedeutung der Diskothek hat sich verändert. Früher kamen die Leute, um Kontakte zu knüpfen. Heute ersetzen die sozialen Netzwerke oftmals diese Funktion.“

Zudem fehlt der Partynachwuchs. Die Generation der Anfangsjahre ist entweder weggezogen oder hat neue Lokalitäten für sich entdeckt. Magneten sind das nahe Berlin und punktuelle Veranstaltungen im Umland. „Nur des Geldes wegen mache ich das nicht“, betont der Chef des Hauses. Dennoch sind in der anstehenden Sommerpause Korrekturen am Konzept geplant: „Ich will aus dem Trott ausbrechen und im Herbst mit neuen Ideen an den Start gehen. So macht es auch meinem Personal keinen Spaß.“

Kurz nach 3 Uhr erlischt die Flamme am Grill. Der geübte Koch versorgt die letzten Hungrigen mit Köstlichkeiten und freut sich auf den Wechsel ins legere Outfit. Auf der Tanzfläche tummeln sich seit Stunden die gleichen Gesichter. Angeheizt von einer bayrischen DJ-Crew feiern sich die wenigen Gäste selbst. Vor allem im Außenbereich kommt es zu pikanten Enthüllungen: Trotz der abgekühlten Marwitzer Luft, lassen es sich drei Spieler eines nordrhein-westfälischen Hockeyvereins nicht nehmen, ihren ganz eigenen Saisonausklang zu feiern. Splitterfasernackt springen die angeheiterten Sportler in den Pool. Ihre spitzen Schreie deuten auf die gemäßigte Wassertemperatur hin. Kein Grund, um auszurasten, denkt sich Tom Wittenbecher. Schlägereien gibt es in der Beat-Fabrik kaum noch. Früher ging es da heftiger zur Sache, wenn ein Dorf auf das andere traf. Um Ruhe ist der Inhaber aber vor allem im Sinne der Nachbarn bemüht.

Mit dem einsetzenden Morgengrauen verstummt die Musik. Einige Gäste wollen noch nicht gehen, werden aber freundlich und bestimmt vom Gelände gewiesen.

Um 5.15 Uhr fällt das schwere gusseiserne Eingangstor ins Schloss. Bei Tom Wittenbecher mischt sich in die Erleichterung auch Enttäuschung: „Ich bin froh, dass alles friedlich abgelaufen ist. Jetzt fällt der Druck erstmals ab. Ein positiver Abend ist allerdings etwas anderes. Gewinn habe ich nicht gemacht. Immerhin werden sich einige Gäste immer daran erinnern.“

Bevor in der Beat-Fabrik Ruhe einkehrt, ist noch Teamarbeit angesagt. Fegen, wischen und die Kassenabrechnung. Tom Wittenbecher hat schon schönere Nachtschichten erlebt. Umhauen lässt er sich von diesem Abend aber mit Sicherheit nicht.

Von Björn Walter

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