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Oberhavel Wolf attackiert Hund im Stadtwald
Lokales Oberhavel Wolf attackiert Hund im Stadtwald
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17:37 10.04.2018
Peter Keibel mit Hündin Mira. „Ihr Leben hing am seidenen Faden“, sagt der Oberförster i. R. Quelle: Julian Stähle
Zehdenick

Für Peter Keibel war es eine vollkommen unerwartete Attacke, für Jack-Russell-Hündin Mira (7) ging es am Karfreitag von einem Moment auf den anderen um Leben oder Tod: Bei einem Spaziergang im Zehdenicker Stadtwald griff ein Wolf die kleine Hündin an. Die Fangzähne haben tiefe Wunden an Hinterläufen und Rumpf hinterlassen. Aber Mira hatte Glück im Unglück. Innere Organe wurden nicht lebensbedrohlich verletzt. Eine Woche nach der tierärztlichen Versorgung bewegt sie sich wieder völlig normal. Nur das Schutzkorsett macht ihr zu schaffen.

Es war ein normaler Morgen für den 88-jährigen Oberförster im Ruhestand, der nach wie vor den etwa 300 Hektar großen Stadtwald von Zehdenick betreut und als Jäger tätig ist. Peter Keibel streifte gegen 9.30 Uhr durch den Forst, beobachtete Vögel und andere Tiere durch ein Fernglas, wollte seine Wildkamera überprüfen. Begleitet wurde er von Mira, der Hündin seiner Enkelin Elisabeth Hartwig. Die 29-Jährige lebt in Hennigsdorf und hat ihren kleinen Terrier seit einem Vierteljahr in Pension zum Opa nach Zehdenick gegeben.

Schnappschuss der Wildkamera von Peter Keibel. „Das ist ein Wolf“, bestätigt der Wolfsbeauftragte Robert Franck. Quelle: Julian Stähle

„Plötzlich hat sie aufgeschrien“, schildert Peter Keibel die Ereignisse. Im nächsten Moment sah er die Hündin wegrennen, der Wolf wenige Meter hinter ihr. Der erfahrene Waldläufer, der seine langjährige Arbeit als Forstmann und Jäger in Buchform reflektiert hat, rief und pfiff nach Mira. Kurz darauf stand sie verletzt vor ihm.

„Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Vorfall öffentlich schildere“, sagt Keibel. Doch es habe der Wunsch überwogen, andere Hundebesitzer zu warnen. Seine Botschaft: Es leben Wölfe in der Region. Das Waldgesetz verbiete es zwar grundsätzlich, Hunde unangeleint im Wald laufen zu lassen, aber selbst Tiere mit gutem Appell (die gehorchen) sollten angeleint werden. Er habe sogar bereits Jägerkollegen getroffen, die ihre Jagdhunde vorsichtshalber nicht mehr von der Leine lassen, so Keibel.

Die verletzte Mira. Die Wunden der Fangzähne sind gut zu erkennen. Beim Wolf beträgt der Abstand genau 4,5 Zentimeter, sagt der Wolfsbeauftragte. Quelle: Julian Stähle

Dass den Angriff tatsächlich ein Wolf verübt hat, daran hat Peter Keibel keine Zweifel. Exakt neun Minuten vor dem Angriff hat seine Wildkamera einen Wolf aufgenommen. Der Jäger ist sich sicher, dass es sich um das selbe Tier handelt, das ganz in der Nähe dann den Hund überfiel. Dafür hat der Ruheständler auch eine Erklärung. Einerseits werde ein Hund vom Wolf als Nahrungskonkurrent identifiziert. „Und da kennt er in seinem Revier kein Pardon.“ Andererseits hätten die eingewanderten Wölfe „keine Angst mehr vor Menschen“. Sie seien intelligent und würden sich an diese dicht besiedelte Region anpassen. Eine unkontrollierte Ausbreitung führe deshalb zwangsläufig zu Konflikten.

Elisabeth Hartwig aus Hennigsdorf. Ihr gehört Mira, die vor Ostern Opfer einer Wolfsattacke wurde. Als sie von dem Angriff erfuhr, konnte sie es zunächst nicht fassen. Viele wollten ihr die Geschichte gar nicht glauben, sagt sie. Quelle: Julian Stähle

„Ich habe nichts dagegen, dass Wölfe mit uns zusammenleben“, sagt Peter Keibel. Viele Bewohner der Region und auch er selbst hätten aber kein Verständnis dafür, „dass es keinen aktuellen Managementplan für den Wolf gibt“. Was bislang vorgelegt wurde, nennt er „halbherzig“.

Dem widerspricht der Wolfsbeauftragte Robert Franck aus Rheinsberg, der für die Landkreise Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin ehrenamtlich das Monitoring für diese Tierart betreut. Zwar sei der Managementplan 2017 nach fünf Jahren ausgelaufen, aber an einer Fortschreibung werde gearbeitet. Vorerst könne natürlich auch der bisherige Plan genutzt werden, um sich über Zuständigkeiten, Meldewege, Entschädigungen und vieles mehr zu informieren. Darüber hinaus sei gerade die Brandenburger Wolfsverordnung in Kraft getreten. Diese bestimmt das Landesamt für Umwelt (LfU) als verantwortliche Behörde für das Vergrämen, Fangen oder Töten von Wölfen und gibt Hilfestellung zum Prozedere.

Ein Wolf in Zehdenick ist dem Wolfsbeauftragten neu. Ob die Bissspuren vom Wolf stammen, hätte sich nur mit einer Speichelprobe beweiskräftig feststellen lassen, so der 53-Jährige, der Menschen die Natur mit einem privaten Tourismusunternehmen näher bringt. Robert Franck ist sich aber sicher: Das Foto aus Keibels Wildkamera „zeigt einen Wolf“.

Verordnung für den Wolf

Umweltminister Jörg Vogelsänger hat als Teil des Wolfsmanagementplans die Brandenburger Wolfsverordnung (BbgWolfV) unterzeichnet. Sie trat nach ihrer Veröffentlichung im Februar 2018 in Kraft.

Die Verordnung regelt den Umgang mit Wölfen, die ein problematisches Verhalten zeigen.

Das Wolfsmanagement umfasst überdies: Monitoring, Prävention, Entschädigung sowie Aufklärung und Beratung.

Von Helge Treichel

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