Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oberhavel Woran der Hebammen-Notstand liegt
Lokales Oberhavel Woran der Hebammen-Notstand liegt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 16.06.2017
Dieses Baby in Erlangen ist per Kaiserschnitt zur Welt gekommen. Frauen wünschen sich, dass eine Hebamme nur für sie da ist. Quelle: Karmann/dpa
Anzeige
Oberhavel

Notstand ist das richtige Wort. Was Pfingsten in Oranienburg passierte, geschieht auch in Berlin und ganz Deutschland. Frauen mit Wehen müssen weggeschickt und verlegt werden, weil es keine Hebamme gibt. Dabei haben die Geburten zugenommen. Die Klinik Oranienburg erreichte mit 862 Geburten und 868 Kindern 2016 ihren Höchststand seit 1981. Deshalb erweiterte die Klinikleitung den Stellenplan, um jeden Dienst mit zwei Hebammen besetzen zu können. Trotzdem, wie Pfingsten passiert, kommt es an Feiertagen, in Urlaubszeiten und krankheitsbedingt zu Ausfällen. „Trotz intensiver Bemühungen gelingt es gegenwärtig schwer, muttersprachliche Hebammen für den Dienst im Kreißsaal zu gewinnen“, sagt Oberhavel-Kliniken-Chef Detlef Troppens. Deshalb habe man mehrere ausgezeichnet ausgebildete Hebammen aus Italien eingestellt. Trotzdem würden die Oberhavel-Kliniken weiter ausbilden. Troppens sieht die Ursache für den Hebammenmangel im stationären Bereich der Geburtskliniken im „allgemeinen Fachkräftemangel in ganz Deutschland“.

Eine Hebamme untersucht in einer Praxis eine schwangere Mutter. Quelle: dpa

Vielschichtiger erläutert die Hebamme Uta Lamprecht aus Birkenwerder die Misere. „Wenn sie ein bisschen mehr verdienten, würden mehr Frauen diesen Beruf ergreifen.“ Uta Lamprecht kann sich keine Praxisräume leisten und betreibt ihre Schreibaby-Ambulanz mit Hausbesuchen. „Die Eltern brauchen viel mehr Betreuung.“ Ständig schreiende Babys, das habe mit Stressfaktoren während der Schwangerschaft, Geburt und danach zu tun. Doch auch Lamprecht muss Eltern, insbesondere aus dem Nordkreis Oberhavel, abweisen. Ihren Stundenlohn beziffert sie auf 8,50 Euro, diverse Leistungen würden nicht von der Kasse erstattet. Geburten betreut Lamprecht im Geburtshaus in Charlottenburg. Dort werde eine Eins-zu-Eins-Betreuung sichergestellt und zu jeder Geburt eine zweite Hebamme dazugerufen. Weil Geburten nicht planbar seien, gebe es eine Rufbereitschaft. Doch die Pauschale für diese Bereitschaft zahle keine Kasse. „Das ist ein Unding“, ärgert sich die Hebamme und berichtet, dass ihr Geburtshaus die betreuten Frauen für diese Rufbereitschaft zur Kasse bitte mit 650 Euro pro Frau. Auch die hohen Haftpflichtbeiträge der Hebammen bei außerklinischen Geburten in Höhe von knapp 8000 Euro im Jahr, seien schwer zu stemmen. Zwar würden Kassen mit einem „Sicherheitszuschlag“ bis zu 4000 Euro unterstützen, doch die Anträge dafür seien aufwändig, oft zahlten die Kassen erst sechs Monate später.

Hebamme Uta Lamprecht appelliert zum Umdenken: „Wieso müssen sich die Hebammen versichern? Warum wird nicht die Geburt als Ereignis versichert? Der Staat will mehr Kinder, es ist seine Aufgabe, das zu organisieren!“ Stattdessen, ist Lamprecht wegen des Risikos entsetzt, würden sich immer mehr Frauen zu einer Alleingeburt zu Hause im Beisein von Helfern entscheiden. Positiv bezeichnet sie die Initiative des Geburtshauses Düsseldorf. Es gründete eine Hebammenzentrale mit 60 angeschlossenen Hebammen. Hier werden schwangere Frauen vermittelt. Die Stadt Düsseldorf betreibt diese Zentrale mittlerweile mit zwei Planstellen.

Von Marion Bergsdorf

Fast jedes Wochenende sind die Schwimmer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft im Sommer im Einsatz. Damit diese Tradition in Hennigsdorf fortgeführt werden kann, wird im Stadtbad jeden Montag Nachwuchs ausgebildet. Auch die Retter selbst trainieren regelmäßig.

16.06.2017

Betrüger haben am Montag in Hennigsdorf und in Oranienburg versucht, mit dem Enkeltrick zwei ältere Damen übers Ohr zu hauen. Das Vorhaben scheiterte, weil die Seniorinnen aufpassten und die Anrufer eiskalt abblitzen ließen.

13.06.2017

Baumfällarbeiten an der A 10, nördlicher Berliner Ring, zwischen Oranienburg und Havelland, können bis Ende September stets kurzfristig den Verkehr einschränken. Altersschwache Pappeln an der Autobahn müssen gefällt werden. Parasiten wie Pappelbock und Hornissenglasflügler haben die Bäume zusätzlich geschädigt.

16.06.2017
Anzeige