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Woran der Hebammen-Notstand liegt

Oberhavel Woran der Hebammen-Notstand liegt

Ausfälle von Hebammen in Kreißsälen und zu wenige freiberufliche Hebammen bei stark steigenden Geburtenzahlen erfahren auch Schwangere in Oberhavel. Gerade an Feiertagen ist Hebammennotstand, werden Frauen mit Wehen von Klinik zu Klinik geschickt. Ursachen liegen in der Bezahlung von Hebammen und in hohen Haftpflichtbeiträgen.

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Dieses Baby in Erlangen ist per Kaiserschnitt zur Welt gekommen. Frauen wünschen sich, dass eine Hebamme nur für sie da ist.

Quelle: Karmann/dpa

Oberhavel. Notstand ist das richtige Wort. Was Pfingsten in Oranienburg passierte, geschieht auch in Berlin und ganz Deutschland. Frauen mit Wehen müssen weggeschickt und verlegt werden, weil es keine Hebamme gibt. Dabei haben die Geburten zugenommen. Die Klinik Oranienburg erreichte mit 862 Geburten und 868 Kindern 2016 ihren Höchststand seit 1981. Deshalb erweiterte die Klinikleitung den Stellenplan, um jeden Dienst mit zwei Hebammen besetzen zu können. Trotzdem, wie Pfingsten passiert, kommt es an Feiertagen, in Urlaubszeiten und krankheitsbedingt zu Ausfällen. „Trotz intensiver Bemühungen gelingt es gegenwärtig schwer, muttersprachliche Hebammen für den Dienst im Kreißsaal zu gewinnen“, sagt Oberhavel-Kliniken-Chef Detlef Troppens. Deshalb habe man mehrere ausgezeichnet ausgebildete Hebammen aus Italien eingestellt. Trotzdem würden die Oberhavel-Kliniken weiter ausbilden. Troppens sieht die Ursache für den Hebammenmangel im stationären Bereich der Geburtskliniken im „allgemeinen Fachkräftemangel in ganz Deutschland“.

Eine Hebamme untersucht in einer Praxis eine schwangere Mutter

Eine Hebamme untersucht in einer Praxis eine schwangere Mutter.

Quelle: dpa

Vielschichtiger erläutert die Hebamme Uta Lamprecht aus Birkenwerder die Misere. „Wenn sie ein bisschen mehr verdienten, würden mehr Frauen diesen Beruf ergreifen.“ Uta Lamprecht kann sich keine Praxisräume leisten und betreibt ihre Schreibaby-Ambulanz mit Hausbesuchen. „Die Eltern brauchen viel mehr Betreuung.“ Ständig schreiende Babys, das habe mit Stressfaktoren während der Schwangerschaft, Geburt und danach zu tun. Doch auch Lamprecht muss Eltern, insbesondere aus dem Nordkreis Oberhavel, abweisen. Ihren Stundenlohn beziffert sie auf 8,50 Euro, diverse Leistungen würden nicht von der Kasse erstattet. Geburten betreut Lamprecht im Geburtshaus in Charlottenburg. Dort werde eine Eins-zu-Eins-Betreuung sichergestellt und zu jeder Geburt eine zweite Hebamme dazugerufen. Weil Geburten nicht planbar seien, gebe es eine Rufbereitschaft. Doch die Pauschale für diese Bereitschaft zahle keine Kasse. „Das ist ein Unding“, ärgert sich die Hebamme und berichtet, dass ihr Geburtshaus die betreuten Frauen für diese Rufbereitschaft zur Kasse bitte mit 650 Euro pro Frau. Auch die hohen Haftpflichtbeiträge der Hebammen bei außerklinischen Geburten in Höhe von knapp 8000 Euro im Jahr, seien schwer zu stemmen. Zwar würden Kassen mit einem „Sicherheitszuschlag“ bis zu 4000 Euro unterstützen, doch die Anträge dafür seien aufwändig, oft zahlten die Kassen erst sechs Monate später.

Hebamme Uta Lamprecht appelliert zum Umdenken: „Wieso müssen sich die Hebammen versichern? Warum wird nicht die Geburt als Ereignis versichert? Der Staat will mehr Kinder, es ist seine Aufgabe, das zu organisieren!“ Stattdessen, ist Lamprecht wegen des Risikos entsetzt, würden sich immer mehr Frauen zu einer Alleingeburt zu Hause im Beisein von Helfern entscheiden. Positiv bezeichnet sie die Initiative des Geburtshauses Düsseldorf. Es gründete eine Hebammenzentrale mit 60 angeschlossenen Hebammen. Hier werden schwangere Frauen vermittelt. Die Stadt Düsseldorf betreibt diese Zentrale mittlerweile mit zwei Planstellen.

Von Marion Bergsdorf

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