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Zahlen die Glienicker zu wenig fürs Abwasser?

Birkenwerder, Glienicke, Mühlenbecker Land Zahlen die Glienicker zu wenig fürs Abwasser?

Zahlen die Glienicker seit Jahren zu wenig für ihr Abwasser? Diese brisante Frage wird aktuell im Zweckverband Fließtal heiß diskutiert. Denn: Im Gegenzug könnte das bedeuten, dass in Birkenwerder und im Mühlenbecker Land zu viel bezahlt wird.

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Ein unterirdisches Abwasserpumpwerk des Zweckverbandes in der Lessingstraße in Schildow.

Quelle: Helge Treichel

Birkenwerder/Glienicke/Mühlenbecker Land. Erhebliche Nachzahlungen kommen möglicherweise auf die Glienicker Abwasserkunden zu. „Es gibt unterschiedliche Sichtweisen zu dem, was Glienicke zahlt und zu dem, was tatsächlich anfällt“, sagte Henrik Lehmann (SPD), der Birkenwerder neben Bürgermeister Stephan Zimniok (B.i.F.) im Zweckverband Fließtal vertritt. Am Donnerstagabend hatte Geschäftsführerin Katja Richter in der Gemeindevertretersitzung in Birkenwerder die Tätigkeit des Zweckverbandes in den vergangenen anderthalb Jahren bilanziert. Im März 2015 hatte sie die Geschäftsführung im „Fließtal“ übernommen.

Katja Richter ist seit zwei Jahren  Geschäftsführerin des Zweckverbandes Fließtal

Katja Richter ist seit zwei Jahren Geschäftsführerin des Zweckverbandes Fließtal.

Quelle: Helge Treiche

Grundsätzlich stehe der Zweckverband wirtschaftlich solide da. Guten Gewissens könne sie von einer „stabilen Finanzlage“ sprechen, sagte Katja Richter. Seit dem vergangenen Jahr stelle sich ein positiver Effekt ein, weil im Jahr 2015 die Kredite zu historisch niedrigen Zinsen umgeschuldet wurden. Zugleich könne sie auf „ein starkes Team“ von zehn Mitarbeitern bauen. Der Umzug in die Hauptstraße führe zu einer stärkeren öffentlichen Wahrnehmung. Und die Geschäftsführerin kündigte an: „2018/2019 steigen wir in die Ausbildung ein.“

Henrik Lehmann dankte Katja Richter für ihre bisherige Arbeit. Sie habe „den Verband neu aufgestellt“. Eine „neue Kultur“ habe Einzug gehalten. Das gelte speziell auch für die Zusammenarbeit. Seine Freude und seinen Dank über die Entwicklung drückte auch Peter Ohme als Vorsitzender der Fraktion Birke aus. Der Zweckverband habe zuvor eine „echte Schieflage“ aufgewiesen.

Diskrepanz fiel vor anderthalb Jahren auf

Beim Durchsehen der bestehenden Verträge war die neue Chefin vor bereits anderthalb Jahren auf die Diskrepanz bei den Glienicker Abwasserkosten gestoßen. Bei der Abrechnung gebe es bislang unterschiedliche Betrachtungsweisen: Während in Glienicke die Abwassermengen als Maßstab angesehen werden, werde im Zweckverband eine kostenmäßige Abrechnung für gerecht erachtet. „Wir versuchen nun, den Mittelweg zu finden“, sagte Katja Richter außerhalb der Sitzung auf MAZ-Nachfrage. Auf jeden Fall werde sich daraus eine veränderte Zahlung ergeben. Aber nicht nur das: „Wir müssen vier Jahre rückwirkend Nachzahlungen in Anspruch nehmen“, sagt die Geschäftsführerin. Darüber hinaus müsse über einen finanziellen Ausgleich für die Jahre davor gesprochen werden.

Henrik Lehmann aus Birkenwerder vertritt die Gemeinde Birkenwerder in der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Fließtal

Henrik Lehmann aus Birkenwerder vertritt die Gemeinde Birkenwerder in der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Fließtal.

Quelle: privat

Über die Größenordnung hielt sich Katja Richter bedeckt. „Das lässt sich noch nicht genau beziffern“, sagte sie auf MAZ-Nachfrage. „Wir sind noch mitten im Rechnen.“ Aus zuverlässiger Quelle hat die MAZ jedoch erfahren, dass Glienicke laut Überschlagsrechnung jährlich rund 700 000 Euro zahlt, zugleich jedoch Kosten von 1,1 Millionen Euro auflaufen. Diese Zahlen wollte auch Henrik Lehmann weder bestätigen noch dementieren.

Lehmann: Verantwortliche müssen „klare Kante“ zeigen

Die entstandene Differenz von rund 400 000 Euro pro Jahr wäre somit von den übrigen Abwasserkunden zu tragen. „Wir müssen darauf achten, dass ordentlich abgerechnet wird und die Einwohner der Gemeinden Birkenwerder und Mühlenbecker Land nicht benachteiligt werden“, sagte Lehmann und fügt hinzu: „Die Verbandsversammlung und die Geschäftsführerin müssen an dieser Stelle klare Kante zeigen.“ Lehmann bedauerte zugleich, dass sich die Glienicker Verwaltungsspitze bislang offenbar „taub gestellt“ habe. Inzwischen allerdings sei man im Gespräch über die Problematik. Glienickes Bürgermeister Hans G. Oberlack (FDP) war wegen einer Reise nach Frankreich über Pfingsten zunächst nicht zu erreichen und äußerte sich zunächst nicht zu diesem Thema.

Bei den Gesprächen sollen noch ein paar andere Sachen geregelt werden. Denn der bisherige Vertrag zwischen dem Zweckverband und Glienicke hatte eine Kündigungsfrist von lediglich drei Jahren. „Das hat Investitionen verhindert“, bedauerte Katja Richter. Dass auch über einen Beitritt Glienickes zum Zweckverband verhandelt wird, merkte Henrik Lehmann an. Dazu gelte es allerdings, erst einmal die Differenzen zu klären. Vielleicht gelinge es im zweiten Anlauf, ein gemeinsames Entsorgungsgebiet zu bilden – ab 2024 möglichst auch mit der Stadt Hohen Neuendorf zusammen.

Die größte Sorge: Verstopfung

Als eine ihrer größten Sorgen beschrieb Katja Richter regelmäßige Verstopfungen in den 305 Abwasserpumpwerken des Zweckverbandes. Diese würden in erster Linie durch Feuchttücher verursacht, die entgegen der Herstellerangaben nicht in die Toilette gehören. Die Folge sei ein erhöhter Verschleiß der Pumpenanlagen.

Der Zweckverband und Glienicke

Das Gebiet des Zweckverbandes „Fließtal“ umfasst das Territorium der Gemeinden Birkenwerder und Mühlenbecker Land (ohne den Ortsteil Zühlsdorf).

Im Einzugsgebiet des Zweckverbandes leben derzeit rund 20 600 Einwohner mit Haupt- und Nebenwohnsitz.

Die Schmutzwasserentsorgung Glienickes obliegt der Gemeinde Glienicke/Nordbahn. Die Überleitung in das Klärwerk Schönerlinde erfolgt über das Leitungsnetz des Zweckverbandes Fließtal durch die Gemeinde Mühlenbecker Land. Die Abrechnung übernimmt die Wasser Nord GmbH & Co KG.

In Glienicke beträgt die Mengengebühr seit Januar dieses Jahres 2,59 Euro pro Kubikmeter (alt: 2,13 Euro). Hinzu kommt eine Grundgebühr von 26 Cent pro Nutzungseinheit und Tag (mit Anschlussbeitrag) oder 39 Cent (ohne Anschlussbeitrag).

Die Mengengebühr des Zweckverbandes beträgt 2,50 Euro pro Kubikmeter. Die Grundgebühr liegt bei 8 Euro pro Monat und Wohneinheit.

Von Helge Treichel

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