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Zehdenick Erdgasförderprojekt vor Zehdenicks Norden treibt Bürger auf die Straße
Lokales Oberhavel Zehdenick Erdgasförderprojekt vor Zehdenicks Norden treibt Bürger auf die Straße
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23:13 08.02.2019
Demo gegen Erdgas-Probebohrungen in Zehdenick am Donnerstagabend vor dem Rathaus der Havelstadt. Quelle: Helmut Schneider
Zehdenick

Lange war der Zehdenicker Rathausplatz nicht so gut gefüllt wie am Donnerstagabend. Rund 200 interessierte Bürger waren einem Aufruf der Bürgerinitiative „Gegen Gasbohren Zehdenick/Templin“, die sich am 31. Januar 2019 gegründet hatte, gefolgt und vor das Rathaus geströmt, in dem sich turnusgemäß ab 19 Uhr die Stadtverordneten versammelten. Der Grund, aus dem die vielen Menschen ihren Volksvertretern begegnen wollten, stand allerdings gar nicht auf deren Tagesordnung: Den Demonstranten ging es um die laufenden Aktivitäten der Jasper Resources GmbH, einem holländischen Unternehmen, das seit geraumer Zeit zwischen Zehdenick und Templin seismografische Untersuchungen tätigt. In dessen Auftrag ist eine Leipziger Firma mit schwerer Spezialtechnik unterwegs, in der Hoffnung, in 4000 Meter Tiefe auf Erdgasvorkommen zu stoßen.

Angst um Umwelt, Grundwasser und vieles mehr treibt die Einwohner u

Das Vorhaben einer Erdgasförderung in der Region umtreibt viele Bewohnern. Sie sorgen sich um ihre direkte Umwelt, insbesondere nach dem Bekanntwerden der Risiken einer solchen Förderung. So könnten durch Erdabsenkungen Erdbeben entstehen, das Grundwasser abgesenkt werden und giftige Substanzen wie Benzol, Blei oder Quecksilber den Boden verseuchen.

Ratssaal kann nur Bruchteil der Gäste fassen

All diese Probleme machten am Donnerstagabend auf dem Zehdenicker Rathausplatz die Runde, Kenntnisse wurden ausgetauscht und diskutiert. Kaum öffneten sich dann die Rathaustüren, stürmten die Demonstranten in den Sitzungssaal. Der konnte die vielen Menschen gar nicht fassen, so dass zahlreiche Besucher im Treppenhaus ausharrten. Zehdenicks stellvertretender Bürgermeister Dirk Wendland wandte sich schließlich entschuldigend an die Wartenden - der Saal sei überfüllt. „Da passt keine Sau mehr rein“, bestätigte ein Besucher, der den Schauplatz vorzeitig verließ. „Bei Schroeder ist aber noch Platz“, schlug eine Zehdenickerin daraufhin in Anspielung auf die gegenüberliegende stadtbekannte Kneipe vor. Soweit kam es dann nicht. Auch blieb die Stimmung unter den Demonstranten und Besuchern der Stadtverordnetenversammlung trotz der begrenzten Räumlichkeiten friedfertig und ruhig, so dass für die ebenfalls anwesenden Beamten der Polizei keine Notwendigkeit des Eingreifens bestand.

Bürger haben zahlreiche Sorgen vor dem, was kommen könnte

„Wir leben hier inmitten eines Vogelschutzgebietes und an der Grenze von zwei Naturschutzgebieten. Was wird aus den vielen Tonstichen, wenn das Grundwasser fehlt?“, wies der Zehdenicker Jürgen Heppner auf nur zwei von vielen offenen Fragen hin, die mit einer möglichen Erdgasförderung in der Region verbunden seien. „Es bleibt doch nicht nur bei einem Loch im Boden, da folgen doch industrielle Anlagen. Dann können wir unseren Tourismus vergessen“, befürchtet der 63-Jährige. Gabi Haubner aus Kappe stimmte ihm zu. Sie betreibt einen Reiterhof, zog vor vier Jahren wegen der schönen Natur aus Berlin hierher, und nun das. „Wir haben eine Erdgasleitung und ein Solarkraftwerk für 36 000 Haushalte in Templin – wir brauchen das andere nicht“, meint Harald Engler, Ortsvorsteher des Templiner Ortsteils Groß Dölln.

„Die Nachricht ist angekommen"

Während vor den Türen intensiv diskutiert wurden, nutzten die rund 80 Gäste, die Einlass im Rathaussaal gefunden hatten, die Gelegenheit, ihrem Anliegen im Rahmen der Einwohnerfragestunde Gehör zu verschaffen. Ein Sprecher der Bürgerinitiative legte deren Standpunkt dar und appellierte stellvertretend für seine Mitstreiter an die Stadtverordneten, sich zu dem geplanten Erdgasförderprojekt vor den Toren der Stadt zu positionieren. „Die Nachricht der Bürger ist angekommen“, erklärte Dirk Wendland anschließend. „So viele Gäste habe ich in der Stadtverordnetenversammlung in den letzten zehn, 15 Jahren nicht erlebt“. Dies sei auch ein Zeichen dafür, „dass das ein absolutes Thema in der Stadt ist“. Man wolle und werde in den Dialog mit den Bürgern und der Bürgerinitiative gehen. „Wir werden uns in der Verwaltung und der Stadtverordnetenversammlung darüber verständigen, wie wir diesen Prozess konkret weiter bestreiten“, so Wendland.

Von Helmut Schneider und Nadine Bieneck

Anika Deuil ist Fotografin aus Leidenschaft und begleitet Hochzeitspaare, die sich im alten Ziegeleipark Mildenberg ewige Treue schwören. Sie hält aber auch ehrenamtlich Augenblicke für Familien fest, die bald einen lieben Menschen verlieren.

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