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Zehdenick Feuer und zehn vermisste Personen
Lokales Oberhavel Zehdenick Feuer und zehn vermisste Personen
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19:01 08.11.2018
Feuerwehrleute bergen die verletzten Personen aus der Betriebshalle und übernehmen ihre erste medizinische Versorgung. Quelle: Bert Wittke
Zehdenick

Großeinsatz am Mittwochabend bei den freiwilligen Feuerwehren der Stadt Zehdenick. „Brand Gebäude groß“ mussten die Kameradinnen und Kameraden lesen, als sich um 18.33 Uhr ihre Alarmpieper meldeten. Ort des Geschehens: Das ehemalige Hebbel-Gelände im Gewerbegebiet Nord. Was zu dieser Zeit niemand ahnen konnte: Bei dem Einsatz handelte es sich um eine Übung.

Kameraden legen ihre Atemschutzmasken an. Quelle: Bert Wittke

Bereits sechs Minuten nach der Alarmierung waren die ersten Feuerwehrsirenen in der Ferne zu hören. Dass dennoch etliche weitere Minuten vergingen, bis die ersten Fahrzeuge auftauchten, lag an der elektronischen Schranke am Eingang des Geländes. Die war nämlich plötzlich unten. Der Mitarbeiter eines dort ansässigen Betriebes hatte sie bei Dienstende geschlossen. „Im Ernstfall hätten die Kameraden Möglichkeiten gefunden, den Weg frei zu machen“, sagte Stadtwehrführer Gerd Leege. So aber wurde gewartet, bis ein Betriebsangehöriger die Schranke wieder geöffnet hatte. „Normalerweise“, so Gerd Leege, „ist der Einsatzleiter mit seinem Fahrzeug als Erster vor Ort und verschafft sich bis zum Eintreffen der Kameraden einen Überblick über die Lage. Diesen Zeitvorsprung hatte der Einsatzleiter infolge der geschlossenen Schranke nicht, was den Anlauf der Übung etwas schleppend gestaltete.

Verletzte Personen wurden geborgen und zu einem Sammelplatz – auch Patientenablage genannt – gebracht. Quelle: Bert Wittke

Die Lage am Unglücksort stellte sich für die Einsatzkräfte dramatisch dar. Eine Lagerhalle mit Booten stand in Flammen, in einer benachbarten Halle, die völlig verqualmt war, wurden zehn Personen vermisst.

Eine Wasserentnahmestelle wird eingerichtet, um die Versorgung mit Löschwasser zu sichern. Quelle: Uwe Halling

Schon bald herrschte auf dem Gelände emsiges Treiben. Ständig trafen neue Feuerwehrfahrzeuge ein, darunter auch die Drehleiter. Zunächst waren der Löschzug Zehdenick sowie die Löschgruppen Krewelin und Mildenberg verständigt worden. Später wurden die Löschgruppen Marienthal, Bergsdorf, Badingen, Klein-Mutz und Zabelsdorf nachalarmiert. Die Wasserentnahmestelle war schnell eingerichtet. Etwas später versuchten die ersten, mit Atemschutzgeräten ausgestatteten Kameraden unter Mitführung von Wasserschläuchen in die verqualmte Bootshalle vorzudringen, um nach den Vermissten zu suchen. Er hätte sich gewünscht, sagte Stadtbrandmeister Gerd Leege hinterher, dass zuallererst mit der Menschenrettung begonnen worden wäre. Es gelte bei solchen Einsätzen immer, Prioritäten zu setzen. Und das sei zweifelsohne die Rettung von Menschenleben. Alles andere müsse dahinter zurückstehen. In diesem Zusammenhang hätte sich Gerd Leege gewünscht, dass die Einsatzkräfte bereits bei der Anfahrt zum Unglücksort den Auftrag bekommen hätten, sich mit Atemschutzgeräten auszurüsten.

Auch das Drehleiterfahrzeug kam bei den Löscharbeiten zum Einsatz. Quelle: Bert Wittke

Den Kameradinnen und Kameraden gelang es schnell, die vermissten Personen in der Halle aufzuspüren und ins Freie zu transportieren. „Aua, mein Bein tut weh!“, war zu hören oder „Hilfe, mein Gesicht ist verletzt.“ Die Komparsen, allesamt Mitglieder des DRK, spielten ihre Rollen wirklich gut. Auf Tragen wurden die Verletzten zu einem zentralen Sammelpunkt – Patientenablage genannt – gebracht, wo Feuerwehrleute Erste Hilfe leisteten. „Um die Sache etwas schwerer zu machen, wurden die Kameraden informiert, dass Rettungssanitäter zu einem anderen Großeinsatz unterwegs sind und die Feuerwehr sich eine gewisse Zeit in Eigenregie um die Opfer kümmern muss“, erklärte Gerd Leege.

Es wird genau erfasst kontrolliert, welcher Atemschutzgeräteträger sich wie lange an der Unglücksstelle im Einsatz befindet. Quelle: Bert Wittke

Gegen 20 Uhr wurde der Einsatz beendet und die Feuerwehrleute machten sich daran, die Ausrüstungen und Gerätschaften wieder einzuziehen. Im Gerätehaus in Zehdenick wurde die Übung anschließend vom Stadtwehrführer ausgewertet. „Es lief noch nicht alles wie am Schnürchen“, sagte Gerd Leege am Morgen danach. „Aber dafür üben wir solche Szenarien ja gerade.“ Man habe Anhaltspunkte bekommen, worauf in der Ausbildung künftig besonders geachtet werden müsse. Besser, es klappe jetzt noch nicht alles so, wie man sich das vorstellt, als in einem Ernstfall. Und deshalb heiße es weiterhin: „Üben, üben, üben!“

Aufmerksamer Beobachterder Feuerwehrübung: Stadtwehrführer Gerd Leege. Quelle: Bert Wittke

An der Übung, bei der Zehdenick Löschzugführer Nico Tessmer als Einsatzleiter fungierte, haben 58 Feuerwehrleute teilgenommen. „Das ist eine gute Zahl“, lobte Gerd Leege am Donnerstag. Alle Fahrzeuge seien gut besetzt gewesen.

Nicht an der Übung am Mittwochabend teilgenommen haben die Löschgruppen Wesendorf, Kurtschlag und Kappe, weil sie bereits vor etwa drei Wochen eine gemeinsame Übung durchgeführt haben.

Der 51-jährige Stadtbrandmeister Gerd Leege ist seit dem 1. September dieses Jahres fest bei der Stadt angestellt, was für die Leitung der Feuerwehr von enormem Vorteil ist. Das gilt auch für den Gerätewart, dessen Posten momentan ausgeschrieben ist.

Von Bert Wittke

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