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Zehdenick Alte Schuldokumente dem Archiv übergeben
Lokales Oberhavel Zehdenick Alte Schuldokumente dem Archiv übergeben
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09:32 13.09.2018
Bei der Übergabe der Schuldokumente an das Archiv in Zehdenick (v.l.): Ulrich Ehrenberg, Bürgermeister Arno Dahlenburg, Margitta Gatzke, Uwe Zietmann. Quelle: Martina Burghardt
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Zehdenick

 Mit einem kleinen Schatz überraschten Uwe Zietmann, Leiter des Strittmatter-Gymnasiums Gransee, und sein Vorgänger Ulrich Ehrenberg die Archivarin am Dienstagnachmittag in der Stadtverwaltung Zehdenick. Die vier Bücher, die Margitta Gatzke da auf den Tisch bekam, einfach „alte Unterlagen“ zu nennen, würde der Sache nicht gerecht werden. Es handelt sich um Zeitdokumente, die neben den handschriftlichen Überlieferungen einiges über Schule und Gesellschaft des vergangenen Jahrhunderts, vor allem auch zwischen den Zeilen, verraten.

Margitta Gatzke freut sich über die alten Dokumente. Quelle: Martina Burghardt

Im „Hauptbuch der Städtischen Mittelschule – Oberschule Zehdenick“ sind die Zensuren sämtlicher Mädchen, die dort zwischen 1895 und 1945 unterrichtet worden, dokumentiert. Und das in Fächern wie Deutsch, Rechnen, Französisch, Zoologie oder Handarbeit. In akurater Handschrift, zunächst in Altdeutsch, sind außerdem die Religionszugehörigkeit, der Impfstatus und die Berufe der Eltern verzeichnet. Die Töchter vom Pastor und Amtsgerichtsrat, vom Bierfahrer und Stadtkapellmeister drückten gemeinsam die Schulbank.

Ansicht der EOS Zehdenick um 1955. Quelle: Archiv Zehdenick

„1803, nach dem Stadtbrand, wurde die städtische Schule gebaut“, erklärt Margitta Gatzke. Von 1910 bis 1949 war es die Mittelschule, dann Erweiterte Oberschule (EOS). 1974 wurde die EOS nach Gransee verlegt, damals wohl mit sämtlichen Akten. Beim Umzug ins neue Gebäude 1981 hatte Uwe Zietmann die Unterlagen bereits bemerkt. Vor einer Weile sind sie ihm erneut in die Hände gefallen. „Es geht um die Städtische Schule Zehdenick, deshalb gehören die Bücher hierher“, sagte er bei der Übergabe im Archiv.

Die ersten Seiten fehlen

„Ein ganz tolles Zeitdokument“, bestätigte Margitta Gatzke. Gerade für die Jahre von 1933 bis 1945 gibt es nämlich kaum Akten. „Es war ein offizieller Befehl von den Russen, die Hitlerzeit aus sämtlichen Chroniken zu entfernen“, erklärte sie. Tatsächlich fehlen in einem der Bücher, in dem Besprechungen der Lehrer protokolliert worden waren, die ersten Seiten. Die Aufzeichnungen beginnen mit der einfachen Eintragung „Dieses Protokollbuch beginnt S. 39“. In einer Art Kassenbuch sind Ausgaben für außerschulische Unternehmungen festgehalten, etwa für Fahrgeld oder „acht Paar Holzschuhe“.

Quelle für Ahnenforscher

Beim ersten Durchblättern fand Margitta Gatzke Hinweise auf jüdische Bewohner Zehdenicks, zum Beispiel auf die Ziegeleibesitzer Zöllner. Genau dazu hat sie schon vor Jahren geforscht. „Hiermit ergibt sich ein neuer Ansatzpunkt“, sagte sie.

Mit den neuen alten Dokumenten eröffnen sich auch für Ahnenforscher neue Möglichkeiten, etwas über ihre Familienangehörigen herauszufinden. Dora, Charlotte, Hedwig – so lauteten die Mädchennamen um 1895. Ingrid und Gisela hießen viele Schülerinnen des 1934er Jahrgangs.

„Stört durch dauerndes Schwatzen“

Klassenbücher, nach denen auch oft gefragt wird, werden übrigens nur noch 30 Jahre aufgehoben, da ist das alte „Hauptbuch“ tatsächlich etwas Besonderes. Es enthält sogar eine ganze Liste von Tadeln: „F. beschäftig sich mit anderen Dingen, stört durch dauerndes Schwatzen. Ist faul.“ Oder: „S. beschäftigt sich mit anderen Dingen. Ohne Verbesserung Schreibt Zettel mit schmierigem Inhalt.“

Für Margitta Gatzke sind die Unterlagen so etwas wie lebendige Geschichte. Sie zu lesen, ist deshalb für sie nicht nur Pflicht, sondern immer wieder auch eine Freizeitbeschäftigung. Genau so hatten es sich Uwe Zietmann, Ulrich Ehrenberg gewünscht.

Von Martina Burghardt

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