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Zehntklässler im Hospiz

Oranienburg Zehntklässler im Hospiz

Schüler des Louise-Henriette-Gymnasiums waren am Freitag zum ersten Mal im Hospiz Oberhavel. Mit einer Spende betraten sie das Haus, mit vielen Eindrücken kamen sie wieder heraus.

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Die Schüler der Klasse 10/5 übergaben das Spendengeld an Bernadette Collatz (M.).

Quelle: Robert Roeske

Oranienburg. Für die Schüler der Klasse 10/5 des Louise-Henriette-Gymnasiums war es der erste Besuch im Hospiz Oberhavel. Sie hatten die Einrichtung ganz bewusst ausgewählt, um ihre Spende dort zu übergeben. Sie hätten eine Einrichtung direkt vor Ort in Oranienburg gesucht, um die Erlöse ihrer beiden Weinachtsmärkte zu spenden, erzählten die Schüler. Mit dem Geld sollten Menschen in ihrer Nähe unterstützt werden. Anonym übers Internet zu spenden – das wollten die Schüler nicht.

Was sie genau im Hospiz erwarten würde, wussten die Zehntklässler am Freitag nicht. Sechs von den 24 Schülern der Klasse hatten sich trotz Ferien auf den Weg in die Germendorfer Allee 18 gemacht. „Mit der Entscheidung, wer die Spende bekommt, habe ich nichts zu tun“, sagte Klassenlehrerin Ute Flick. Das hätten die Schüler selbstständig gemacht. „Sie haben mich nur gefragt, ob ich sie heute begleite.“

Die Erlöse aus zwei Weihnachtsmärkten hatten die jungen Leute zusammengetan und mehr als 140 Euro gesammelt. Die leitende Pflegedienstkraft, Bernadette Collatz, nahm die Schüler gern in Empfang. Es käme nicht so oft vor, dass „junge Leute an ältere und kranke Menschen denken, das finde ich ganz toll.“ Die Zehntklässler hatten etliche Fragen an Bernadette Collatz, die versuchte den Schülern ein Bild des Hauses zu vermitteln. „Wir wollen hier eine familiäre Atmosphäre schaffen, die Angehörigen werden mit einbezogen.“ Sie seien genauso in einer Krisensituation.

Die zwölf Plätze im Hospiz sind vor allem Bewohnern aus dem Landkreis vorbehalten. Das Pflegepersonal spricht im Hause nicht von Patienten, sondern von Gästen. Und die sollen ihren Tag selbst gestalten, selbst entscheiden, wann sie essen oder schlafen möchten. „Bei uns gibt es keine Wecker und keine festen Zeiten“, erzählte Bernadette Collatz. Und wenn den Gästen danach ist, bei der Essenvorbereitung mitzuhelfen oder mal Plätzchen zu backen, dann wird das ganz selbstverständlich ermöglicht. Ein wenig sollen sie sich wie Zuhause fühlen. Deshalb gehören auch Feiern, Auftritte des Männerchores oder eine Hundeshow zum Alltag in der Einrichtung, wie Bernadette Collatz den Schülern bei einem Rundgang erzählte. „Mein beeindruckendstes Erlebnis bis jetzt war, als einer unserer Gäste hier geheiratet hat.“ Die Pflegekräfte hatten den Gang mit Rosenblättern geschmückt und ein Zimmer hübsch hergerichtet.

Die Pflegekräfte versuchen, jegliche Sonderwünsche zu erfüllen. Denn Ziel ist nur eines: Die Gäste sollen sich wohlfühlen. „Und wenn sie eine Zigarette rauchen wollen, ein Bierchen oder ein Glas Wein trinken wollen, dann wird das gemacht.“ Im Hospiz geht es nicht mehr um gesunde Ernährung.

Bernadette Collatz wird oft gefragt, wie sie diese Arbeit machen kann. Auch am Freitag war das ein Thema. „Wenn wir unseren Auftrag erfüllen, dass unsere Gäste an ihrem Lebensende keine Schmerzen hatten, ihnen die Angst davor genommen werden konnte, dann haben wir unsere Arbeit gut gemacht.“ Nach dem Rundgang im Hause stand im Eingangsfoyer eine brennende Kerze. „Die wurde gerade angezündet“, sagte Bernadette Collatz. „Sie ist ein Zeichen, dass gerade einer unserer Bewohner verstorben ist.“

„Ich finde es sehr bemerkenswert, dass sie an uns gedacht haben“, verabschiedet sich die leitende Pflegekraft. Die Zehntklässler fanden den Besuch sehr interessant und aufschlussreich. Und am Ende auch sehr berührend.

Von Andrea Kathert

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