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Zeit wird langsam knapp: Sprengmeister warnt vor Bomben

Oranienburg Zeit wird langsam knapp: Sprengmeister warnt vor Bomben

Am Mittwoch ist bereits der 203. Blindgänger nach der Wende in Oranienburg entschärft worden. Dieses mal lief alles wie am Schnürchen. Doch der Sprengmeister warnt. Denn es werden noch rund 300 Blindgänger im Boden vermutet. Und die Zünder drohen langsam, selbst zu detonieren.

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Bombe 203, die in Oranienburg entschärft wurde.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Kurz nach 14 Uhr hatten die Sprengmeister am Mittwoch in Oranienburg den 203. Blindgänger nach der Wende entschärft – betroffen von der Räumung waren 12.000 Anwohner. Die 250 Kilogramm schwere amerikanische Fliegerbombe hatte einen funktionierenden Langzeitzünder, der ungewöhnlich stark verkrustet war. „Der Zünder war nicht richtig zu erkennen“, sagte Sprengmeister Andrè Müller. Er musste mit seinem vierköpfigen Team 20 Zentimeter dicke Ankrustungen entfernen, bevor der Zünder mit einem Wasserschneidegerät abgetrennt werden konnte. Die fünf Spezialisten des brandenburgischen Kampfmittelbeseitigungsdienstes kamen dank der guten Vorarbeit der Munitionsbergungsfirma Röhll zügig voran. „Es lief wirklich alles bilderbuchmäßig und komplikationslos“, sagte Sprengmeister Müller. Die starken Ankrustungen erklärt sich Müller durch die Bodenbeschaffenheit. „Wir haben hier torfhaltigen Boden und Kiese.“

Die Fundstelle der Bombe

Die Fundstelle der Bombe.

Quelle: Enrico Kugler

Laut eines Gutachtens von Professor Spyra könnten in Oranienburg noch etwa 300 Blindgänger im Boden liegen. „Und uns läuft die Zeit davon“, warnte der Sprengmeister. Die Gefahr der Selbstdetonation der Bomben steige. „Die Zünder werden immer labiler“, unterstrich Müller, „etwa 40 Prozent neigen schon zur Selbstdetonation.“ Weil sich der Stand der Technik immer weiter entwickelt hat, müssen die Sprengmeister nicht mehr selbst direkt an den Bomben arbeiten. „In dem heutigen Fall waren wir etwa 130 Meter entfernt und konnten von dort aus vorgehen.“

Der Verdachtspunkt war vor einigen Wochen auf dem Louise-Henrietten-Steg entdeckt worden, einer Spaziermeile mitten in der Stadt. Der Steg liegt unweit der ehemaligen Auerwerke und des Umladebahnhofs, die bei den Luftangriffen 1945 besonders bombardiert worden waren. Seit Dienstag war klar, dass es sich um eine scharfe Bombe handelte. Daraufhin mussten zahlreiche Menschen ihre Wohnungen, Büros und Geschäfte in dem Gebäudekomplex am Steg sofort verlassen.

Abtransport der Bombe nach erfolgreicher Entschärfung

Abtransport der Bombe nach erfolgreicher Entschärfung.

Quelle: Enrico Kugler

Gestern nun waren es etwa 12 000 Oranienburger, deren Häuser und Wohnungen in dem 900 Meter großen Sperrkreis lagen, der bis 8 Uhr geräumt sein musste. Auch neun Schulen und Gymnasien, sechs Kitas sowie die Stadt- und die Kreisverwaltung waren evakuiert worden. Doch auch gestern hatten wieder nicht alle Oranienburger ihre Wohnungen freiwillig und rechtzeitig verlassen.

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Nachdem sich der im Oranienburger Louise-Henriette-Steg gefundene metallene Gegenstand am 19. Dezember 2017 tatsächlich als Bombe entpuppte, entschärften die Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Brandenburg unter Leitung von André Müller am 20. Dezember die 250-Kilogramm-Bombe amerikanischer Bauart mit Langzeitzünder.

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Der stellvertretende Bürgermeister Frank Oltersdorf bedankte sich bei dem Entschärferteam für die Arbeit, bei „der die Männer immer ihren Kopf hinhalten und sich in Gefahr begeben“. Die Stadt investiert selbst jährlich vier Millionen Euro für die Bombenentschärfungen. Die vorbereitenden Arbeiten für die 203. Bombe, besonders die Grundwasserhaltung, hatten eine sechsstellige Summe verschlungen. „Aber die Einwohner können nun mit ruhigem Gewissen in die Festtage gehen“, sagte Oltersdorf. Doch lange wird die Pause für die Oranienburger bis zur nächsten Evakuierung nicht dauern. Bereits Ende des ersten Quartals sollen an der Lehnitzstraße zwei weitere Blindgänger gleichzeitig in Angriff genommen worden. Auf dem industriell genutzten Grundstück waren gleich mehrere Verdachtspunkte entdeckt worden. Die Arbeiten gestalten sich dort wegen des kontaminierten Grundwassers besonders schwierig. Mit der Bombenlast und dem Gedanken, jederzeit evakuiert zu werden, müssen die Oranienburger weiter leben.

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Von Andrea Kathert

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