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Oberhavel Zeitzeugen haben das Wort
Lokales Oberhavel Zeitzeugen haben das Wort
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01:09 13.11.2014
Die Lützowsche Gilde (v.l.): Jürgen Lindholz, der Kurfürst, Katrin Kittel, Günter Lehmann und Wolfgang Neumann. Quelle: Juliane Weser
Oranienburg

„Ältere Menschen haben das Bedürfnis von früher zu erzählen. Das müssen wir uns zunutze machen“, sagte Oranienburgs Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke am Sonnabend bei der Eröffnung des vierten Treffens von Vereinen, Historikern und Orts chronisten. Dazu eingeladen hatte der Schmachtenhagener Heimatverein in das Oranienburger Bürgerzentrum. Anlässlich der 800-Jahr-Feier in Oranienburg 2016 wolle man Zeitzeugen finden, die Geschichten von damals bis heute von Oranienburg und der Umgebung erzählen können.

Kurt Müller aus Schmachtenhagen eröffnete die Vortragsreihe. Er berichtete davon, dass die 1877 fertiggestellte Bahnlinie BerlinStralsund und der 1891 eingeführte „verbilligte“ Vorortverkehr für die Anwohner viele Vorteile brachte. Mitte des 19. Jahrhunderts mussten die Schmachtenhagener Handwerker noch bis zur Arbeit nach Berlin laufen. Dort bezogen sie dann Quartier, bis sie am Sonnabend nach der Arbeit wieder in Richtung Heimat aufbrachen. Durch die Entstehung des Oranienburger Bahnhofes sei vieles leichter geworden, so Müller. „Die Hauptstadt war in bedeutend kürzerer Zeit erreichbar und ein Segen war es auch, wenn man mit einem luftbereiften Fahrrad zum Bahnhof fahren konnte.“

Erinnerungen an Oranienburg im 19. Jahrhundert

Kurt Müller berichtete davon, an welche Geschäfte in Oranienburg er sich noch erinnern kann, die Kunden anlockten. Die Kaufhäuser Nebe und Wegener lagen direkt an der Sachsenhausener Kreuzung. Das Geschäft Ullrich befand sich in der Neustadt. Der Bahnhof habe demnach seit seiner Entstehung im Mittelpunkt des dörflich-städtischen Nebeneinanders gestanden, so der Chronist. Doch nicht alle Erinnerungen an den Bahnhof seien gut: „Von hier aus fuhren die Soldaten zweier Weltkriege an die Front.“

Das vierte Treffen von Vereinen, Historikern und Ortschronisten im Oranienburger Bürgerzentrum wurde am Sonnabend ganz im Zeichen der anstehenden 800-Jahr-Feier im Jahr 2016 veranstaltet. Zeitzeugen, die Geschichten aus Oranienburg von damals bis heute erzählen können, werden gesucht.

Besonders überrascht und beeindruckt waren die Zuhörer von dem zweiten Vortragenden. Benno Kaddatz vertrat seinen Vater Rüdiger Kaddatz, der Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Fliegerschicksale Oranienburg ist. Mit seinen nur zwölf Jahren hielt der Schüler einen spannenden Beitrag zum Thema „Über die Suche nach Kriegstoten im Bereich Oranienburg und Umgebung“. Am 16. April 1945 startete die Rote Armee die „Berliner Operation“. Berlin sollte binnen kurzer Zeit umklammert werden. „Am 22. April stand die Rote Armee bereits vor Oranienburg. Im Norden von Berlin, in Malz, Freienhagen und Neuholland, tobten die schwersten Kämpfe“, erzählte der Zwölfjährige. „Viele Gräber fehlen, doch wo sind sie?“ Ein Brief von 1951 bringt etwas Klarheit. In diesem Brief antwortet der Bürgermeister von Malz, Herr Wolf, auf die Anfrage einer Frau, die ihren verschollenen Mann sucht: Er berichtet von 80 unbekannten Soldaten, die im Frühjahr 1946 auf dem Friedhof in Malz bestattet wurden. Sie sollen in drei Massengräbern liegen. Benno Kaddatz fasste mehrere Briefwechsel zusammen: Einige Gemeinden gingen dazu über, gefallene Soldaten auf die Gemeindefriedhöfe umzubetten. Eine Liste der „Umgebetteten“ aus Freienhagen bleibt bis heute verschollen. Mit dem Vortrag wollte der Schüler zeigen, dass mit der Identifizierung von Gräbern den Hinterbliebenen eine Gewissheit gegeben wird. Er beendete seinen Vortrag mit den Worten: „Trauer kann man bewältigen, Ungewissheit nie.“

Älter, als gedacht

Mario Greif aus Oranienburg war mit einigen historischen Dokumenten zum Chronistentreffen gekommen, die er bei einer Wohnungsauflösung in der Bernauer Straße gefunden hatte. Darunter war die Kopie einer Lokalzeitung, die am 26. Juni 1932 zum 700. Jubiläum von Oranienburg erschien. Mario Greif wunderte sich. „Wie kann dann 2016 schon die 800-Jahr-Feier sein?“ Doch der Vorsitzende des Schmachtenhagener Heimatvereins, Günter Lehmann, konnte den Widerspruch schnell auflösen: Dass Oranienburg älter ist, fand man erst später heraus. Andere Fundsachen des Besuchers wurden bestaunt, wie ein Haushaltskassenbuch für die Karlsruher Straße 65 aus den 1960er-Jahren oder Planungskarten aus den 1950ern. Besondere Aufmerksamkeit erregte ein Buch mit handschriftlichen Notizen aus dem Jahr 1828. Mario Greif will die Schätze gut aufbewahren. Vielleicht folgt er dem Rat, sie im Kreismuseum begutachten zu lassen.

Von Juliane Weser

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