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Oberhavel Zeitzeugen vor der Kamera
Lokales Oberhavel Zeitzeugen vor der Kamera
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16:56 21.03.2017
Kamerafrau Nadine Grothkopp, TV-Autorin Steffi Lischke und Techniker Julio Rodriguez (v. l.) vom Fernsehkombinat aus Leipzig. Quelle: Enrico Kugler
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Oranienburg

Siegfried Ploschenz kann sich noch sehr gut an den Kindermörder Erwin Hagedorn erinnern. Am 31. Mai 1969 hatte der zwei neunjährige Schüler im Eberswalder Wald mit einem Messer grausam ermordet. Beide wiesen tiefe Schnittwunden auf. Zwei Jahre später fand ein weiterer Junge durch seine Hand den Tod. „Er war ein Muttersöhnchen, kam mit Gleichaltrigen nicht klar. Hatte wenig Kontakte. So suchte er die Gewalt über Jüngere. Ich kannte seine Eltern gut und auch ihn. Deshalb hatte er wohl zu mir auch Vertrauen.“ Siegfried Ploschenz unterrichtete Erwin Hagedorn, der Koch werden wollte und schon damit auffiel, wie er mit Tieren grausam umging. „Mehr, als dass Kinder vermisst wurden, wusste damals keiner. Es gab keine Informationen im Fernsehen wie heute. Wir haben alle im Ort unsere Kinder zu Schule gebracht. Hatten Angst. Die Gerüchteküche brodelte. Als das dritte Kind tot war, wurde endlich in die richtige Richtung ermittelt“, erinnert sich Siegfried Ploschenz. „Und als ich erfuhr, das Erwin Hagedorn der Täter war, da hat mich das eigentlich gar nicht mehr so überrascht“, sagt der ehemalige Berufsschullehrer. Der 83-Jährige ist heute noch in Eberswalde zu Hause.

Von dort wurde er am Dienstagvormittag zum Filmdreh abgeholt. Denn er gehörte zu den neun Zeitzeugen, die in den vergangenen drei Tagen im Oranienwerk vor der Kamera standen. Das Team um die freie Autorin Steffi Lischke von der Fernsehkombinat GmbH aus Leipzig dreht eine Dokumentation im Auftrag von ZDFinfo. Arbeitstitel: Mysteriöse Kriminalfälle der DDR zwischen 1969 bis 1989. Insgesamt werden 36 Zeitzeugen befragt: Ermittler, Angehörige von Opfern, Gutachter der Charité, Historiker.

„Rund 50 Prozent der Fälle blieben ungelöst oder vorerst ungesühnt“, so die Redakteurin. Im letzten Jahr hatte sie mit den Recherchen begonnen, hatte Einsicht genommen in die Akten bei der Behörde des Bundesbeauftragen für die Stasi-Unterlagen (BStU). Ging auf die Suche nach Angehörige, die Akteneinsicht gewährten. Um schließlich die Zeitzeugen eine halbe bis eine Stunde vor der Kamera zu befragen. Zu den insgesamt zehn Kriminalfällen gehört auch der des sowjetischen Soldaten, der 1987 in Fürstenberg zwei Jungs erschoss. Und der des Stasi-Wachmannes, der 1984 in Güstrow zwei Menschen tötete. „Er wurde zunächst nicht zur Rechenschaft gezogen, aber nach der Wende verurteilt“, so Steffi Lischke. Die Fälle seien alle ganz unterschiedlich: „Durch die Gespräche wollen wir sie einordnen, warum wurde so entschieden, wie war die Rechtssprechung zu dieser Zeit in der DDR, der geschichtliche Hintergrund.“

Die freischaffende Autorin hat sich bisher mehreren Themen zur DDR-Geschichte gewidmet. Die Amerikanistin und Journalistin zeichnet zum Beispiel für die Doku „Die schlimmsten Unglücke in der DDR“, die 2016 bei ZDFinfo lief, verantwortlich, ebenso für die vierteilige Doku „Wie die DDR wirklich war“ und „Alltag im geteilten Deutschland.“ Sie habe sich auf das Thema spezialisiert. Auch, weil sie auf ein gutes Hobby-Filmarchiv zurückgreifen könne, „gutes Filmmaterial, das den Alltag zeigt“.

In Oranienburg fand der Auftakt, die ersten Drehtage für die neue Doku statt, weitere folgen in Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die Oranienburger Location sei zentral gelegen und der Fabrikcharme habe ihr zugesagt. Hierher konnten alle Zeitzeugen zum Dreh gut zusammengeholt werden, begründet Steffi Lischke. Vor Juli sei die Doku aber nicht zu sehen.

Der 20-jährige Erwin Hagedorn war zum Tode verurteilt und am 15. September 1972 um 10 Uhr erschossen worden. Es war die letzte Vollstreckung einer zivilen Todesstrafe in der DDR. „Die richtige Entscheidung“, sagt Siegfried Ploschenz.

Von Heike Bergt

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