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Oberhavel Zisch und weg!
Lokales Oberhavel Zisch und weg!
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08:30 09.08.2014
Klaus Liedemann in seinem Cockpit mit Navi, Bildschirmüberwachung des Papiercontainers, höhenverstellbarem Sitz und Klimaanlage. Quelle: Enrico Kugler
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Oranienburg

Per Joystick schnappt sich Klaus Liedemann die Tonne. „Millimeterarbeit, aber das hat man nach einer Weile intus“, sagt er. Es zischt und der Inhalt der Papiertonne fliegt mit Karacho in den Bauch des Gefährts. Anschließend rückt es zehn Meter vor. Diesmal packt der Greifer gleich zwei Tonnen. „Am besten ist es, wenn sie im Abstand von fünf Zentimetern stehen, das erleichtert mir die Arbeit“. Viele Kunden machten das schon so. „Aber heute Abend ist nicht viel los“, findet Klaus Liedemann. Sommerferien. Die meisten sind verreist, stellen keine Papiertonne raus. Aber mancher nimmt es damit auch ganz genau: „Kost ja nischt, meint mancher und stellt schon mal eine Tonne mit nur einer Zeitung am Boden raus“, berichtet der Sachsenhausener.

Als Müllwerker hat Klaus Liedemann „schon alles durch“: Ring-Mülltonnen, Gelbe Säcke, Fäkalien gefahren. Seine Fahrerlaubnis hat er seit 1969 – fürs Moped, seit 1971 fürs Motorrad und seit 1973 für Lkw. Der gelernte Gas-Wasser-Installateur sattelte früh beruflich um. Anfangs fuhr er Doppelstockbusse in Berlin-Lichtenberg. Mal früh. Mal nachmittags, mal nachts. Dann fand die Familie mit ihren vier Kindern ein Haus in Sachsenhausen. Hier war Klaus Liedemann für Minol mit Tankwagen auf Achse. Nach dem Aus für Minol bewarb er sich 1991 bei der Awu. „Seit acht Jahren fahre ich Papier.“ Eine Woche Früh-, eine Woche Spätschicht. Von 13.15 bis 21.45 Uhr oder von 5.15 bis 13.45 Uhr. Jeden Tag ein anderes Gebiet zwischen Oranienburg, Velten und Glienicke. Summa summarum einmal Oberhavel in vier Wochen. Pro Schicht sind 600 bis 800 Papiertonnen zu entleeren.

Tonne für Tonne durchs Oranienburger Wohngebiet. Quelle: Enrico Kugler

Da ist allerdings nicht immer nur Papier drin: Auch an diesem Montagabend scheppert es verräterisch: „Das war Glas“, hört der Profi heraus. Aber auch Hausmüll, Kartoffelschalen oder Windeln hat mancher darin versenkt und denkt, es merkt keiner. Liedemann kennt seine Pappenheimer. Macht Fotos, schaut das nächste Mal vorher in die Tonne.

Auf Tour ist der Sachsenhausener seit einem Jahr mit einem ganz besonderen Vehikel: Einem umweltfreundlichen Hybrid-Seitenlader. Der Papiersammler arbeitet batteriebetrieben, gefahren wird elektrisch und dieselbetrieben im Wechsel. Im klimatisierten Cockpit gibt's Navi, einen Bildschirm zur Überwachung des Sammelbehälters, der 26 Kubikmeter fasst, einen Sitz, der absinkt, wenn Liedemann aussteigt und ihm das Wiedereinsteigen erleichtert. Und dem Lenkrad auf der rechten Seite. So hat man jede Tonne am Straßenrand im Blick. Noch anderthalb Jahre testet die AWU in einem Pilotprojekt der Bundesregierung zur Weiterentwicklung der Elektromobilität den Prototyp. In Deutschland koordiniert die Firma Hüffermann eines der Kernprojekte.

Runter vom Bock muss Klaus Liedemann auf der Tour an diesem Abend wenig. Die Oranienburger haben ihre Papiertonnen gut aufgestellt. Ab und zu scheint einer hinterm Busch regelrecht zu lauern, dass er seine geleerte Tonne zurück aufs Grundstück holen kann. Ferienkinder bestaunen auf ihrem Abendspaziergang das Riesengefährt mit Rundumleuchte und Flutlicht an der Verladeklappe. Ab und zu wünscht man sich einen guten Abend und guten Weg. „Einmal streikte die Technik, da hat mir eine Frau einen Kaffee gebracht. Woanders hab’ ich eine Wurst abbekommen. Die waren gerade beim Grillen“, freut sich Liedemann über die Portion Menschlichkeit am Gartenzaun.

Sommerserie

In der „Nachtschicht“-Serie stellt die MAZ seit drei Wochen Mitmenschen vor, die dann arbeiten, wenn andere schlafen.
Wir erzählen Geschichten von Frauen und Männern, deren Arbeit enorm wichtig ist – und oft wenig Wertschätzung erfährt. Was wäre, wenn Putzfrauen nicht Schulen und Kitas in Schuss halten, wenn der Bäcker nicht schon kurz nach Mitternacht für frisches Brot sorgt, der Müll in der Tonne bleibt?

Obwohl ihm seine Arbeit bis heute Spaß macht: „Noch drei Jahre, dann ist Schluss. Nach 45Jahren kann ich mit 63 ohne Abschläge in Rente gehen.“ Üppig falle sie trotzdem nicht aus. Ob er als Müllfahrer denn so gut verdient, wie immer behauptet wird? „Woanders verdient man mehr“, meint er diplomatisch.

22.15 Uhr: Die letzte Tonne ist geschafft. Zwischen Dohnanyi-straße, Bernauer Straße und Straße der Einheit. So manche unglücklich geparkten Autos sind in Millimeterarbeit umkurvt, umgekippte Tonnen aufgehoben, enge Gassen genommen, Einbahnstraßen verkehrt befahren. Er darf das, auch wenn ihm mancher Passant einen Vogel zeigt.

Es hat mal wieder länger gedauert. Klaus Liedemann gibt Gas. Steuert seinen Transporter gen Velten. Fracht ausladen, Batterie anstecken, nach Hause fahren. Feierabend. Der Job ist nicht von Pappe. „Ich mach’s trotzdem einfach gerne“, sagt Klaus Liedemann.

Von Heike Bergt

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