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Oberhavel Zug um Zug mehr Berlinnähe
Lokales Oberhavel Zug um Zug mehr Berlinnähe
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00:40 29.04.2018
Raik Müller, seit zwei Jahren Lokführer, fühlt sich wohl auf der Strecke der Heidekrautbahn (RB27). Auf dem Bahnhof in Wensickendorf hat er eine Dreiviertelstunde Aufenthalt. Quelle: Helge Treichel
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Basdorf/Zühlsdorf

Ein Bremsentest und ein letzter Kon­trollblick aus dem Seitenfenster, dann nimmt Raik Müller auf dem gut gefederten Fahrersitz Platz. Als die Kontrolllampen mit der Aufschrift „Türen zu“ leuchten, schiebt er den unscheinbaren Hebel nach vorn. Die knapp 100 Tonnen des Talent-Zuges, angetrieben von zwei Dieselaggregaten, setzen sich nahezu geräuschlos in Bewegung. Während der Bahnhof Berlin-Karow im Hintergrund verschwindet, freut sich der 29-Jährige auf die malerische Strecke der Heidekrautbahn mit ihren insgesamt 15 Haltepunkten.

Rapsfelder und Wälder: die Strecke der Heidekrautbahn bietet wundervolle Ausblicke. Quelle: Helge Treichel

Seit einigen Monaten steuert er Berliner Züge für die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) über das 50 Kilometer lange Streckennetz der Regionalbahnlinie RB27 nach Groß Schönebeck sowie Wensickendorf/Schmachtenhagen. Müller und seine gut 20 Kollegen sind in Basdorf stationiert, wo sich die Werkstatt und das Betriebsbüro befinden. Bis zu vier Züge der Baureihe 643 von Bombardier in Hennigsdorf sind gleichzeitig im Einsatz. Obwohl die Züge 120 km/h schaffen, liegt die zulässige Höchstgeschwindigkeit der RB27 bei maximal 80 km/h.

In Klosterfelde greift Raik Müller zum Telefon und holt sich vom Zugleiter die Erlaubnis zum Einfahren in den nächsten Streckenabschnitt. Ab Basdorf betätigt er immer die Pfeife, wenn er ein Schild mit einem oder mehreren „P“ am Streckenrand passiert. Manche Bahnübergänge haben keine Schranken, und der Ton soll Passanten warnen. Auch passierte Signale an der Strecke muss der junge Triebfahrzeugführer innerhalb von vier Sekunden quittieren. Tut er das nicht, bremst der Zug selbstständig. Zur sogenannten Sicherheitsfahrschaltung gehört ebenso ein Fußpedal, dass ständig gedrückt, aber alle 30 Sekunden kurz losgelassen werden muss. Passiert das nicht, hält der Zug ebenfalls. Das soll ausschließen, dass zum Beispiel ein Zug mit ohnmächtigem Lokführer einfach weiterfährt. Gebremst wird übrigens auch, wenn der Zug zu schnell wird.

Raik Müller steuert regelmäßig die Heidekrautbahn (RB27) von Berlin-Karow nach Groß Schönebeck oder Wensickendorf. An den Wochenende geht’s sogar bis Schmachtenhagen. Ziel der Betreibergesellschaft NEB ist es, die ehemalige Stammstrecke bis Wilhelmsruh wiederzubeleben. Zuvor allerdings sind Investitionen auf dem 14 Kilometer langen Streckenast erforderlich. Gleise, Signale, Bahnübergänge und Haltepunkte müssten ertüchtigt werden.

Sind Lokführer also die besseren Autofahrer? Raik Müller zuckt mit den Schultern. „Auf jeden Fall ist man vorsichtiger an Bahnübergängen“, sagt er und lächelt vielsagend. „Man kennt eben die langen Bremswege von Zügen.“

„Das ist ein sehr schöner Beruf“, sagt der Lokführer und verweist auf die Sonnenuntergänge und die Rapsfelder. Um 12.30 Uhr hat er an diesem Donnerstag seinen Dienst angetreten, bis 20.15 Uhr wird er unterwegs sein.

Bis 21.50 Uhr ist Kundenbetreuer Marco Sander im Einsatz. Der 28-Jährige aus Basdorf kontrolliert unter anderem die Fahrkarten und trifft häufiger auf unsichere Fahrgäste: Hinter der Station Wandlitzsee endet der C-Tarif des Verkehrsverbundes. Sander und Müller sind beide mit regelmäßigen Bahnfahrten aufgewachsen. Und sie sind sich einig: Ein Bürojob sei nichts für sie.

Die Heidekratbahn verbindet seit 1901

Seit 116 Jahren verbindet die Heidekrautbahn Berlin mit dem Umland.

Die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) AG investierte seit 1998 rund 25 Millionen Euro im Rahmen eines Modernisierungsprogramms in Bahnhöfe, Haltepunkte, Gleissanierung und -neubau sowie in neue Leit- und Sicherungstechnik.

Abgesehen vom Bahnhof Berlin-Karow, gehört die Bahn-Infrastruktur der RB27 der NEB AG.

Die Kommunale Arbeitsgemeinschaft KAG „Region Heidekrautbahn“ wurde 1999 gegründet und tritt als Bündnis der Gemeinden in den Landkreisen Barnim und Oberhavel für die Reaktivierung der Stammstrecke nach Wilhelmsruh ein.

Das Ziel ist mehr Mobilität im ländlichen Raum und eine verbesserte Anbindung nach Berlin. Deshalb wird ebenso auf eine verlängerte Streckenführung von Wilhelmsruh bis Gesundbrunnen hingearbeitet.

Derzeit veranstaltet die KAG in den Kommunen der Heidkrautbahn Informationsveranstaltungen über die Notwendigkeit, die alte Stammstrecke wiederzubeleben. Damit sollen die Bürger aufgerufen werden, sich für die Bahnstrecke einzusetzen.

Dazu gibt es seit Jahren auch eine politische Willenserklärung in Berlin und Brandenburg. „Es fehlt jedoch die finale Entscheidung“, sagt NEB-Pressesprecherin Corinna Alder.

Infos unter www.region-heidekrautbahn.de sowie www.neb.de.

Von Helge Treichel

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