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Oberhavel Zum Apfelfest kamen Drachen ans Schloss
Lokales Oberhavel Zum Apfelfest kamen Drachen ans Schloss
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11:39 19.09.2016
Die Rittertruppe Ruprecht aus Tschechien bot eine tolle Show. Quelle: Fritz Hermann Köser
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Oranienburg

Es scheppert, es kracht. Blech trifft auf Blech. Selbst der böse Drachen, der gegen die mutigen Ritter kämpft, trägt ein metallenes Gewand. Er spuckt Feuer wie ein Profi auf dem Jahrmarkt, beißt gerne mal einem der tapferen Recken einen Arm ab oder verspeist gleich einen ganzen König. Mit Riesen-Appetit. Es war ein herrliches Spektakel, das die Ritter-Truppe „Ruprecht“ aus Tschechien Jung und Alt bot, anlässlich des historischen Apfelfests am vergangenen Wochenende. Gleich drei Bühnen sorgten vergangenen Sonnabend für reichlich Unterhaltung. Auf einem Teich schipperte ein Wikingerschiff, zudem gab es zahlreiche Stände, mit Essen, Getränken, Kunsthandwerk oder zum Mitmachen.

Und so hungrig wie das Ungetüm waren auch so manche der vielen Besucher, die trotz des Regens in den Oranienburger Schlosspark gekommen waren. Auf dem Weg zu den Ständen mit Pizza oder Kartoffelpuffer lädt ein Herr mit einem Dreispitz zu einer Pause ein, eben zu einem „kleinen Verkostungsspektakel“, wie auf dem Schild an seinem Stand geschrieben steht. Das Areal ist schließlich sehr weiträumig. Dabei ist Friedrich Orphal, er stammt aus dem Fläming, eigentlich Töpfermeister. Seinen lauwarmen Zimtapfelsaft, „wohl temperiert“, zapft er in von ihm hergestellten Bechern. Wer es alkoholreich mag, wird mit seinem Töpferpunsch aus mit Pflaumenwein, Früchten und Rum bestens bedient.

Nicht probieren, nur anschauen heißt es dagegen an einem Stand des Pomologenvereins, hier mit Vertretern aus Neubrandenburg. Es gibt Äpfel, Äpfel, Äpfel. Grün, Gelb, Rot oder Orange leuchtet es aus den vielen kleinen Behältern. „Wir wollen unsere Mitbürger auf die alten Sorten hinweisen“, sagt Vereinsmitglied Otto Schmidt. Er deutet auf einen Korb. Die Auralia wurde in den 1920er-Jahren angebaut, erklärt er. Dann sei sie weitgehend in Vergessenheit geraten. Im Handel gebe es sie kaum noch, sagt Christa Hoffmann, die neben ihm sitzt. Dabei seien gerade alte Sorten doch so schmackhaft und lagerfähig. Sie verweist auf die Vielfalt, spricht von Kulturgut, das nicht verloren gehen dürfe. Zum Glück hätten Gastronomen das historische Obst mehr und mehr wiederentdeckt.

Sie muss ihre Stimme heben, denn nun dröhnen dumpfe Trommelschläge über das Gelände, zum eindringlichen Quaken eines Dudelsacks. Die Mittelalter-Band Cocolorus Diaboli heizt den Anwesenden kräftig ein, mit nordisch-brachialen Klängen. Die Musiker arbeiten mit historischen Instrumenten wie der Schalmei, so Sängerin Marthe Lewald. Ihr Sound versetzt in eine andere Zeit, in eine andere Welt. Passend dazu erscheinen plötzlich Fantasiewesen, auf Stelzen oder mit Masken. Das „Trio Traumfang“ stolziert und tänzelt zwischen den Leuten umher.

Ein Zauberer will mit seiner Flöte einen wilden roten Vogel zähmen. Als das Tier mit dem langen Schnabel seine gewaltigen Flügel um eine Mutter mit Kind legt, stößt diese Geste des Vertrauens jedoch auf Skepsis. Das kleine Mädchen quengelt ein wenig.

Doch beim Anblick von Kelvin Kalvus wird es wieder ganz ruhig. Der kursächsische Hofalchimist zu Dresden verzaubert das Publikum mit einer Kontakt-Jonglage voller Poesie. Sein Kostüm, angeblich aus chinesischer Seide gefertigt, sei sehr teuer, wie er vor seiner Show versichert „aber als Alchimist spielt Geld natürlich keine Rolle“. Und vom Wetter lässt er sich schon gar nicht unterkriegen, so wie die Besucher auch. So kündigt der Frontmann der Band eine Bühne weiter frohgemut ein „richtiges Regenlied“ an: „Ihr habt ja alle Schirme dabei“.

Von Fritz Hermann Köser

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