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Oberhavel Zweimal Petzi und die Architektur
Lokales Oberhavel Zweimal Petzi und die Architektur
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00:51 30.04.2018
Gleichberechtigte Geschäftsführer: Jens und Angela Petzi. Der Flügel der Torhorstschule vor dem Abriss (unten), Modell des Neubaus. Quelle: Privat
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Oranienburg

Ein langer Flur, von dem viele Klassenzimmer abgehen. Und alle gleich groß. Das war einmal. Schulgebäude sind heute luftiger, heller, multifunktional. So, wie der Erweiterungsbau der Torhorstschule an der Walther-Bothe-Straße. Für Jens Petzi ist es das erste Projekt in seiner Heimatstadt. Das Haus kennt er aus dem Effeff. Schließlich hat er hier selbst mal die Schulbank gedrückt. Schulleiterin Manuela Brüssow war begeistert von der Planung. Und des Lobes voll bei der Grundsteinlegung des 17-Millionen-Euro-Projekts. Vorschusslorbeeren, die Jens Petzi unbedingt zurecht bekommen haben möchte.

Der 36-ährige Oranienburger ist in Cottbus geboren. Nach dem Abi am LHG studierte er an der TU in Berlin Architektur, machte sein Diplom 2008 und arbeitete schon während des Studiums im elterlichen Architekturbüro Petzi & Thoss mit. „Ich habe da viele Erfahrungen rausgezogen, aber in der Architektur lernt man nie aus.“ Dann zog es den Absolventen erst mal in die Welt. Eigentlich nach Brasilien, dem Land von Oscar Niemeyer, Lucio Costa und Alexandre Altberg. Dafür hatte er im Studium die portugiesische Sprache erlernt. Letztlich ging er in ein Architekturbüro österreichischer Kollegen in Portugals Hauptstadt Lissabon, das auch Schulgebäude für Österreich projektiert. „Dort wurde sehr modern geplant. Dieses Umdenken setzt jetzt auch in Deutschland ein.“

Vor zwei Jahren kehrte Jens Petzi zurück. Er wurde im Oranienburger Büro gebraucht. Jetzt oder nie. „Es war ein Weckruf zur Rückkehr nach sechs Jahren.“ Der 36-Jährige lebt heute in Berlin-Mitte, arbeitet im Büro am Bötzower Platz mit sieben Mitarbeitern und baut zugleich eine Außenstelle in Berlin auf: „Der Weg nach Oranienburg hält manchen ab, bei uns anzufangen, deshalb möchten wir ein kleines Büro eröffnen, suchen händeringend Mitarbeiter.“

Als Sven Thoss 2014 das 1994 gegründete Büro verließ, wurden Mutter und Sohn Geschäftsführer. Jens Petzi sieht es als „optimale Konstellation“: Sie bringt den großen Erfahrungsschatz mit und die Tatsache, dass man einer gestandenen Architektin vertraut, ich den unverstellten Blick auf die Dinge. Ich gehe neue Wege, auch in Sachen Material. Bekomme viel Input über Facebook und Instagram.“ So auch bei der Torhorstschule. Seine Philosophie: „Eine offene Lernlandschaft. Ja, es braucht Frontalunterricht, aber auch variablen Platz für Gruppenarbeit. Lernräume müsse über vier Wände hinausgehen. Schule muss ein Mix aus Vorlesung und Gruppenarbeit sein. Mit großen Treppen und Fluren, in denen jeder seine Nische findet und in denen Sofas mit hohen Lehnen abgeschlossene Inseln bilden können.“

Der Neubau steht nicht nur an Stelle des Altbaus, er nimmt die Strenge der Architektur auf. Absoluter Mittelpunkt wird der Haupteingang mit der Aula, die kein toter Raum mehr ist, der lediglich zu Theateraufführungen genutzt wird, sondern jederzeit. Linien im Siebdruck zwischen die Scheiben gebracht, filtern das Licht, wirken wie ein Vorhang. Lamellenfenster ermöglichen Frischluftzufuhr. „Ich finde das besser, als jede Lüftungsanlage.“ Und der Architekt versteckt nichts: Lange Deckensegel verbessern die Akustik, „ansonsten sieht man Beton, Stahl, viel Technik. Farbe wird er sparsam verwenden: „Die bringen die Schüler und das Leben rein.“

Petzi & Petzi bauen zudem für die Stadtwerke in Neubrandenburg ein großes Bürogebäude, haben die Sanierung der Turm-Erlebniscity begleitet, ebenso Wohnungsbau in Spandau und Germendorf. Was er gern einmal bauen würde? Jens Petzi überlegt. „Toll wäre ein Wohnhochhaus, das würde mich reizen. Vielleicht steht es ja in 30 Jahren.“ Er findet, dass die vielen Bauregeln die Architekten einengen. Deshalb alles so gleich aussieht. Und er wünscht sich statt Billigbauten wieder zeitlose Eleganz und Qualität, wie es Postgebäude oder Rathäuser früherer Zeiten hatten. „Wir schätzen doch alle die Qualität des Altbaus, der steht nach 100 Jahren noch. Ich hoffe, da geht der Trend wieder hin.“

Ein guter Architekt müsse ein Leben lang lernen und sich immer für Neues wach halten. Das hat er auf jeden Fall vor.

Von Heike Bergt

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