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Zweiter Hilferuf für Benedict und Co.

Birkenwerder und Oranienburg Zweiter Hilferuf für Benedict und Co.

Im April hatte die MAZ über das schwierige Schicksal der sechsköpfigen Familie von Susanne Müller und Marco Gwiazdowski berichtet. Ihr zweijähriger Sohn Benedict ist schwerbehindert. Der Familie fehlt ein Auto und vor allem eine größere Wohnung. Und jetzt wurde ihnen auch noch das Gartengrundstück in Birkenwerder gekündigt.

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Gartenidylle Im Fuchsbau in Birkenwerder,

Quelle: Privat

Birkenwerder/Oranienburg. „Das war unser Zufluchtsort, wo die Kinder sich austoben und wir uns entspannen konnten. Jetzt sollen wir den verlieren“, sagt Marco Gwiazdowski mit Blick auf das Gartengrundstück Im Fuchsbau 7 in Birkenwerder. Der Privateigentümer hat den bestehenden Pachtvertrag zum Jahresende gekündigt. Marco Gwiazdowski und seine Frau Susanne Müller haben dadurch wieder eine Sorge mehr.

Im April hatte die MAZ über das schwierige Schicksal der sechsköpfigen Familie berichtet. Ihr zweijähriger Sohn Benedict leidet unter dem Charge-Syndrom, einem seltenen Gendefekt, der verschiedene Körperteile betrifft: Bei Benedict ist der Sehnerv geschädigt, er hatte eine offene Gaumenspalte, einen fehlgebildeten Wirbel im Rücken, einen Herzfehler, das Zwerchfell arbeitet nicht normal. In der Weißen Stadt in Oranienburg leiden die Eltern, Lukas (13), Tochter Celina (11), Nesthäkchen Felix (4,5 Monate) und Benedict unter der Enge: Vier Zimmer auf 70 Quadratmetern. Der Aufruf in der MAZ hatte einige Angebote gebracht, jedoch keine zeitnahe Lösung für das Wohnungsproblem. Und vor einigen Tagen also die unerwartete Kündigung des Gartens.

Entspannung pur

Entspannung pur: Benedict im Garten der Familie.

Quelle: Privat

Der werde auch von Benedicts Cousinen und Cousins sowie deren Eltern an fast jedem Wochenende genutzt, sagt Marco Gwiazdowski. Meist seien sieben bis acht Kinder auf dem Grundstück. Die können dort buddeln und toben während die Eltern gemeinsam grillen. Besonders praktisch war, dass die Großeltern gleich nebenan wohnen, jedoch auf einem sehr kleinen Grundstück. Susanne Müller und Marco Gwiazdowski sind deshalb auf der Suche nach einer neuen Wohnung oder am besten einem Haus zur Miete. Sie hoffen, damit gleich zwei Probleme auf einmal lösen zu können und einen Vermieter mit Herz zu finden. Denn das Kostenlimit liege bei rund 1400 Euro Warmmiete. Helfen würde ihnen auch, wenn sie einen Teil des Grundstücks behalten könnten.

Doch dafür sieht es nicht gut aus: Der Eigentümer hat das Grundstück der Gemeinde Birkenwerder zum Kauf angeboten. Bereits am 28. April haben die Gemeindevertreter dem Grundstückserwerb zugestimmt, vollzogen ist er noch nicht. Die Gemeinde hat Interesse daran, weil sie Eigentümer eines großeren Feuchtbiotops samt Streuobstwiese Im Fuchsbau ist. „Das betreffende Grundstück ist der einzige Zugang zur Gemeindefläche, da die Kommune beim geplanten sechsstreifigen Autobahnausbau einiges an Land abgeben muss.“ Zudem benötigten die Gemeinde und der Bauhof Lagerflächen. „Wir befinden uns dort in einem Gewerbegebiet, da ist so etwas zulässig“, sagt auch Bauamtsleiter Jens Kruse auf Nachfrage. „Wer Pächter ist und somit auch die Situation des Pächters waren der Verwaltung und der Gemeindevertretung nicht bekannt“, sagen Bürgermeister und Bauamtsleiter unisono. Und Jens Kruse fügt hinzu: „In erster Linie kann die Stadt Oranienburg helfen, wo die Familie bislang offenbar keinen angemessenen Wohnraum bekommt.“

Wohnungssuche gestaltet sich sehr schwierig

Die Wohnungssuche aber gestaltet sich sehr schwierig: „Wir suchen seit fast zwei Jahren“, so Susanne Müller. Die 35-Jährige ist von Beruf Verkäuferin und in Elternzeit. Marco Gwiazdowski Fahrzeugaufbereiter in Teilzeit. Die Familie ist auf finanzielle Hilfen angewiesen. „Benedict braucht Pflege rund um die Uhr und dafür ein eigenes Zimmer. Vor allem die Großen müssen schon stark zurückstecken. Wegen der kleinen Wohnung und weil uns nur 500 bis 600 Euro im Monat zum Leben bleiben“, so der 37-Jährige.

„Wir schauen jeden Tag nach Mietangeboten“, versichert Marco Gwiazdowski. Ein Problem sei auch die Mobilität. Die Unterstützung für ein eigenes Auto blieb ihnen verwehrt. Viele Stiftungen habe er schon angeschrieben, dazu 1400 Firmen. Ohne Erfolg. Der Antrag beim Sozialamt wurde mit der Begründung abgelehnt, dass öffentliche Verkehrsmittel zumutbar seien. „Aber wir brauchen ein Auto, um schnell im Krankenhaus zu sein“, sagt Marco Gwiazdowski.

Von Helge Treichel

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