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Oberhavel Zwischen Carter, Kesting und Turmcity
Lokales Oberhavel Zwischen Carter, Kesting und Turmcity
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00:23 03.05.2018
Werner Siegler ist seit 1980 in Oranienburg zu Hause. Quelle: Robert Roeske
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Oranienburg

Klar freue er sich auf den Ruhestand, sagt Werner Siegler: „Mit 65 hat man alles Recht der Welt, das Leben zu genießen“, sagt der Mann, der am Montagnachmittag offiziell als Marketingchef in der Turm-Erlebniscity verabschiedet wird. Dabei gedenkt er mitnichten, jetzt die Füße hochzulegen. Das wäre auch nicht Werner Siegler. „Ich habe mich immer auf Neues gefreut. Wer immer in den Rückspiegel schaut, der ist immer mit einem Fuß auf der Bremse.“ Mit dieser Lebensphilosophie will er auch die Rente angehen. Hat schon seine 40 Dahlien im Garten eingesetzt und am 2. Mai bricht er mit Ehefrau und langjährigen Reisefreunden auf, um Italiens Stiefel ganz unten zu erkunden – in Neapel, am Vesuv und an der Amalfiküste.

Werner Siegler hat wahrlich ein bewegtes Berufsleben hinter sich. Der 65-Jährige hat in Demmin sein Abi gemacht, lebte im Internat, „denn mit den Bussen auf dem Land war es nicht weit her“. Fünf Jahre studierte er in Moskau im Institut für Internationale Beziehungen und damit „sicher auch den russischen Blick auf die Welt“. Er lernte Russisch, Englisch, Französisch, machte sein Diplom mit Auszeichnung. Nach dem Grundwehrdienst in der NVA in Strausberg ging es 1980 mit Frau und zwei kleinen Kindern nach Washington. Lateinamerika war dort das Ressort des jungen Diplomaten. Die Krisen in Nicaragua, El Salvador, Mexiko, auf den Falklandinseln fielen in seine Zeit. Unvergesslich bleibt ihm ein 45-minütes Gespräch mit US-Präsident Jimmy Carter in dessen Bibliothek in Plains Georgia. Siegler übergab ein Schreiben Honeckers. Dabei erläuterte er die Initiative von SPD und SED, von Bahr und Axen, zur Schaffung einer nuklearfreien Zone in Europa. „Carter habe ich als bescheiden, sympathisch und moralische Instanz kennengelernt.“

Den Mauerfall erlebte Siegler bei der goldenen Hochzeit seiner Eltern in Lübbenau. Als sein Sohn Martin, der mit anderen Kindern im Nebenzimmer Fernsehen schaute, von Menschen berichtet, die auf der Mauer tanzten, taten das die Erwachsenen mit dem Worten ab: Ihr habt wohl was getrunken. Die Wende habe für viele seiner Familie, die in der Braunkohle gearbeitet haben, die Arbeitslosigkeit bedeutet „und einen tiefen auch psychische Knick hinterlassen“.

1990 arbeitete Siegler noch einmal drei Monate in der Botschaft in Washington und unterstützte den Besuch Lothar de Maizière bei Präsident Bush senior. „Dann habe ich viele Bewerbungen geschrieben, alle mit der Antwort: überqualifiziert. Doch rumsitzen bringt nichts.“ Er machte seinen Versicherungsfachmann, wohl wissend, dass es nur eine Übergangsstation ist. Traf Norbert Rohde und entwickelte mit ihm das Konversionsprojekt Weiße Stadt Oranienburg. Alle Dokumente zur Weißen Stadt entstanden auf seinem Rechner. 1994 stand er mit auf dem alten Flugplatz, als die letzen Soldaten die Stadt verließen.

Nach Arbeitslosigkeit und schweren Zeiten nach dem Tod von Vater und Mutter rappelte er sich wieder hoch, fand eine Anstellung bei den Stadtwerken. Ab April 1999 managte er die Vermarkung der Eisbahn neben der Turm-Erlebniscity, die bis 2007 ein Mekka der Eishockeyspieler Brandenburgs wurde. Spaßbad und Eisbahn schrieben aber zu rote Zahlen. Die Eisbahn machte dicht. „Bis vor wenigen Jahren kamen noch Leute mit Schlittschuhen“, sagt Siegler. In den vergangenen zehn Jahren arbeitete Siegler als Marketingchef der SOG.

Und wie weiter? Nach einer Leukämie und einem Schlaganfall hat er sich wieder hochgerappelt – auch jetzt schaut er unverdrossen nach vorn: Freut sich auf die drei Enkel, Gemäldeausstellungen, die er mit seiner Frau gern besucht. Lesen sei immer zu kurz gekommen. Und da ist natürlich der OHC, dessen Präsident er bis 2010 war.

Am Montag spendiert er erstmal eine große Obsttorte, gibt Schlüssel und Dienstausweis ab. Vivien Bayer von der TKO ist als Nachfolgerin schon firm. Und Werner Siegler, der sagt gelassen tschüss.

Von Heike Bergt

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